Erfindung von FH-Student zum Patent angemeldet

Prüfstand sorgt für bessere Vergleichbarkeit von Sprunggelenkorthesen


Münster/Steinfurt (23. Mai 2019). Für gesunde Menschen ist es selbstverständlich: Beim Gehen heben sie einen Fuß und setzen ihn wieder auf den Boden. Wer aber zum Beispiel einen Schlaganfall erlitten hat, dem wollen die Füße womöglich nicht mehr richtig gehorchen – Betroffene stolpern. Dann sind unter Umständen die sogenannten Fußheber-Muskeln in ihrer Funktion eingeschränkt – die dafür sorgen, dass der Fuß während der Schwungphase im Gang angehoben wird. Hilfe bekommen Betroffene durch Sprunggelenkorthesen. Sie stützen und halten Sprunggelenk und Fuß in Position und sorgen so für ein physiologisches Gangbild. Doch es gibt sie in vielen verschiedenen Versionen, weshalb Orthopädietechnikern die Auswahl der optimalen Orthesen schwerfällt. Hier setzt der Orthesenprüfstand an, den Simon Drescher in seinem Masterstudium Biomedizinische Technik an der FH Münster entwickelt hat – und das so erfolgreich, dass derzeit die Anmeldung zum Patent läuft.

„Durch den Prüfstand lässt sich ermitteln, wie steif eine Orthese ist, und hier hat jeder Patient andere Bedürfnisse. Einige brauchen nur wenig Unterstützung, andere mehr“, erklärt Drescher. Genau das richtige Modell zu finden, ist aber wichtig – nicht nur für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Patienten, sondern auch für die Optik. „Oberstes Ziel ist es, beim Patienten trotz Erkrankung ein möglichst natürliches Gangbild zu erreichen. Das Sanitätshaus hat also die Aufgabe, die Bedürfnisse jedes Patienten zu erkennen und diesem eine Orthese mit den passenden Eigenschaften zuzuordnen. Dabei ist die Steifigkeit der Orthese ein entscheidender Faktor bei der Auswahl. Bislang spielen hier die subjektiven Eindrücke des Orthopädietechnikers eine große Rolle.“

Zukünftig lässt sich das dank des Prüfstandes mit Zahlen untermauern. „Es gibt jede Menge Modelle verschiedener Hersteller, die sich in der Form und in den verwendeten Materialien unterscheiden. Da die richtige zu finden, dabei hilft mein Prüfstand“, sagt Drescher. „Ganz neu ist das nicht, aber meine Erfindung ist im Gegensatz zu anderen sehr leicht bedienbar. Auch Laien kriegen das gut hin.“ Einfache und schnelle Bedienbarkeit war von Anfang an eine der wichtigsten Anforderungen an die Arbeit, die unter der Leitung von Prof. Dr. David Hochmann im Labor für Biomechatronik durchgeführt wurde.

Details nennt Drescher aber nicht, und das darf er auch nicht, denn die Patentanmeldung läuft, und seine Erfindung ist streng geheim. Das Interesse daran dürfte groß sein. „Eine handgefertigte Orthese kostet schnell mal eben einige Tausend Euro. Für Sanitätshäuser ist ein Prüfstand insofern lukrativ, als dass sie mit Daten auch nachweisen können, wenn ein Austausch der Orthese zwingend erforderlich ist.“

Das Thema Orthopädie lässt den heute 28-Jährigen seit seinem Bachelorstudium nicht mehr los. „Studiert habe ich zunächst in Süddeutschland, nämlich Maschinenbau. Für meine Bachelorarbeit habe ich einen Prüfstand für Skifederbindungen gebaut. Da fand ich Knieanatomie so interessant, dass ich das weitermachen wollte.“ Mehrere Hochschulen standen zur Auswahl, entschieden hat er sich für die FH Münster. „Das habe ich nie bereut. Hier ist die Forschung total praxisnah, und man ist viel näher an den Professoren dran.“ Trotzdem zog es ihn zurück nach Süddeutschland, zu groß war die Sehnsucht nach den Bergen. „Und mit Blick auf spätere Berufschancen bin ich im Süden besser aufgehoben“, sagt Drescher. Momentan lebt er in Tuttlingen. „Das ist quasi die Welthauptstadt der Medizintechnik, hier sitzen zahlreiche Firmen aus der Branche.“ Bei Karl Storz, einem führenden Hersteller in der Endoskopie, schreibt er derzeit seine Masterarbeit. Danach will er unbedingt zurück in den Bereich Orthopädie und zwar am liebsten in die Forschung. „Ich finde es super spannend, wie man mit Technik den menschlichen Körper unterstützen und das Leben vereinfachen kann durch einfache Hilfsmittel aus der Medizintechnik.“


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken