Moderner Touch für Rufanlagen in Gesundheitseinrichtungen

Studierter Gesundheits- und Krankenpfleger entwickelt Rufsysteme weiter, um Bewohnern und Personal mehr Möglichkeiten zu bieten


Münster (18. Juli 2019). Wer im Krankenhaus oder Pflegeheim liegt und Hilfe benötigt, drückt einen roten Knopf – und prompt eilt Pflegepersonal herbei. Doch im Zeitalter der Digitalisierung bieten die Geräte viel mehr Potenzial. Was alles machbar wäre, hat Tobias Becker in seiner Bachelorarbeit an der FH Münster untersucht – und den Anlagen dabei einen modernen Anstrich verpasst: Multimedia-Terminals bieten Bewohnern und Personal mehr Möglichkeiten und Komfort.

„Die meisten Anlagen sehen heutzutage aus wie ein Telefon mit Knöpfen, von denen viele doppelt belegt sind. Nutzerfreundlich ist das nicht“, sagt Becker. Deshalb hat er in seiner Arbeit ein Kommunikations- und Informationssystem entwickelt, das zu den Bedürfnissen und Anforderungen von Patient und Personal passt. „Mein System setzt sich aus verschiedenen Geräten und Schnittstellenmöglichkeiten zusammen“, erklärt Becker. Dazu gehören Multimedia-Terminals, die direkt am Patientenbett angebracht sind und mehrere Funktionen in einem verbinden. „Diese Terminals bestehen aus einem Touchscreen mit verschiedenen Buttons für die Patienten, zum Beispiel Pflege, Service, Telefon, Radio/TV, Internet. Drückt man Pflege, geht ein Ruf an das Pflegepersonal ab. Bei Service ordert man zum Beispiel Wasser.“ Diese Unterscheidung sei nicht nur für den Patienten wichtig, sondern auch für das Personal. „Pflegerinnen und Pfleger erkennen dadurch auf einen Blick, welche Anliegen oberste Priorität habe und welche noch ein paar Minuten warten können.“ In Häusern, in denen viele Zimmer belegt sind, sei das eine erhebliche Vereinfachung. „Man rennt dann nicht von A nach B für eine Flasche Wasser, sondern kann sich viel besser organisieren. Das macht die Arbeit weniger stressig, und das ist auch für die Patienten gut“, sagt Becker.

Und er weiß, wovon er spricht: Der 24-Jährige ist Gesundheits- und Krankenpfleger und hat fünf Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Deshalb rückt er den Fokus nicht ausschließlich auf die Patienten, sondern auch auf das Pflegepersonal und andere Berufsgruppen in Gesundheitseinrichtungen – zum Beispiel Ärzte, Techniker, Hauswirtschaftler. „Ich habe mit allen Gruppen Interviews geführt, um herauszufinden, wie der Jetzt-Zustand ist und was sich ändern muss.“ Und das bedeutet eben auch: Die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger zu optimieren und zu vereinfachen. „Deshalb gibt es in meinem System Bereiche für das Personal. Dort sind zum Beispiel Informationen zum Patienten abrufbar, etwa zu Medikamenten, Vorerkrankungen, aber auch die Kontaktdaten der Angehörigen.“ Hinterlegt sind diese Daten nicht nur im Multimedia-Terminal, sondern auch in einem Armband, das jeder Patient trägt – so Beckers Idee. Dadurch vereinfachen sich die Prozesse zwischen Arzt, Patient und Pfleger. „Bei Untersuchungen in Fachabteilungen findet ein Datenaustausch über das Armband statt. „Niemand muss mehr händisch die Patientenakte von A nach B bringen, sondern alles ist digital hinterlegt – also ganz im Sinne einer digitalen Patientenakte.“ Das Themen Datenschutz spiele dabei natürlich eine große Rolle. „Man muss schauen, was genau tatsächlich umgesetzt werden kann.“

Becker hat nicht nur ein umfangreiches Kommunikations- und Informationssystem entwickelt, sondern auch die Schnittstellenmöglichkeiten unter die Lupe genommen – und er hievt mit seinen Ideen direkt das gesamte Zimmer ins 21. Jahrhundert. „Bewegungsmelder im Raum schlagen sofort Alarm, wenn der Bewohner stürzt. Bewegungseingeschränkte Patienten können über ein Sprachsteuerungssystem Hilfe rufen. An der Zimmertür gibt es einen weiteren Multimedia-Terminal, und das Bett ist technisch an das System anschließbar. Dadurch wird automatisch ein Hilferuf eingesetzt, wenn ein Patient sich zum Beispiel im Bett einnässt.“

Das optimale Patientenzimmer ist bislang noch Zukunftsmusik, sagt Becker. Aber: „Ich habe im Vorfeld diverse Firmen kontaktiert, die Rufanlagen produzieren. Einige davon sind sehr an meinen Ideen interessiert und haben Unterstützung angeboten.“ Und auch Becker selbst hat seinen Weg gefunden: Er will die Umstände für das Pflegepersonal ändern und deshalb Pflegewissenschaften oder Public Health im Master studieren. „Ich glaube, man kann noch sehr viel verändern. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten.“


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