Wenn Mama Krebs hat

Buch von Designabsolventin hilft bei sensiblen Gesprächen mit Kindern von erkrankten Eltern


Münster (4. September 2019). In Deutschland teilen 200.000 Kinder unter 18 Jahre pro Jahr das gleiche Schicksal: Ein Elternteil erkrankt an Krebs. Und dann ändert sich für die Betroffenen und das engste Umfeld alles. Darüber mit Kindern zu sprechen, fällt vielen Patienten schwer. Hilfe bietet das Buch „Wenn meine Mama Krebs hat“ von Anne Thürnau. Die 24-Jährige hat es als Bachelorarbeit am Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), illustriert und geschrieben.

Auf fast 50 Seiten erklärt sie, was Krebs eigentlich ist, welche Arten und Therapieformen existieren, wie Familien mit der Erkrankung umgehen und wer helfen kann – und all das kindgerecht. „Mein Buch soll ein Gesprächsleitfaden sein, den Betroffene mit ihren Kindern lesen“, sagt Thürnau. Deshalb gibt es viele Illustrationen. Da sind die Menschen zu sehen, die im Krankenhaus arbeiten, die Krebszellen im Körper, der Ablauf der Therapie. Kurze Texte sorgen für zusätzliche Informationen, Sonderseiten laden zum Mitmachen ein. „Ich greife zum Beispiel das Thema Haarausfall auf. Dafür habe ich Schablonen entwickelt, verschiedene Frisuren und Kopfbedeckungen. Die legen die Kinder auf einen Kopf, den ich im Buch dargestellt habe. So probieren sie aus, wie sie sich ihre Mama vorstellen.“

Alle Figuren im Buch hat Thürnau ohne Haare und geschlechtsneutral gezeichnet. „Das war mir wichtig, weil ich dem emotionalen Thema Krebs eine gewisse Sachlichkeit gegenüberstellen wollte.“ Dafür sorgt auch die Farbgebung: Die Kapitel zum Thema „Was ist Krebs“ stellt sie in rosafarbenen Tönen dar, also eher schlicht. Die Seiten zum Thema „Krebs in der Familie“ sind dagegen eher in einem warmen Gelb. „Dadurch wollte ich eine Wohlfühlatmosphäre schaffen“, erklärt die Designerin. Für emotionale Nähe sorgen außerdem handschriftliche Elemente, die in den Texten immer wieder auftauchen. Und auch wenn es im Buch um Mama geht, sind Papas nicht ausgeschlossen. „Drei Seiten müssen ausgetauscht und der Titel geändert werden, dann ist es eine Version für Väter.“

Die Idee zum Buch ist entstanden, als im Bekanntenkreis ein Elternteil an Krebs erkrankte. Sie hörte sich unter Freunden um und fand schnell heraus: Mit Kindern über Krebs zu sprechen, ist schwierig, und Infomaterialen gibt es nur wenige. „Ich habe mit Psychoonkologen gesprochen und im Internet recherchiert. Danach war klar: Ich mache das zum Thema.“ Thürnau stellte ihr Buch bei der Abschlussausstellung „Parcours“ an der MSD vor und bekam viel positives Feedback. „Das hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin.“ Jetzt sucht sie einen Verlag. „Das Interesse ist da, und gern würde ich mein Buch auf den Markt bringen. Das zu versuchen ist jetzt mein nächstes Ziel.“

 

 

Zum Thema: Die Abschlussarbeit hatte Prof. Gisela Grosse als Erstprüferin begleitet. Zweitprüfer war Prof. Daniel Braun.
Die Ausbildung am Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie bietet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang Design an.


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