Den richtigen Laufschuh finden

Philipp Deters untersucht zwei Modelle im Labor für Biomechanik der FH Münster


Münster/Steinfurt (5. September 2019). Ob an Münsters Promenade, im Steinfurter Bagno oder anderswo: Besonders bei gutem Wetter zieht es viele Läufer nach draußen. Wer Spaß am Joggen haben will, braucht neben Motivation vor allem die passenden Schuhe. Doch die Auswahl ist riesig. Philipp Deters, Student der FH Münster, hat für sein Forschungsprojekt zwei Exemplare genauer unter die Lupe genommen.

„Bei der Suche nach dem richtigen Schuh sind viele Kriterien wichtig, zum Beispiel die Führung und die Stabilität des Fußes im Schuh. Ich habe aber zwei Aspekte untersucht, die bislang noch nicht so sehr im Fokus standen: Ganglinie und Druckverteilung. Denn beides hängt miteinander zusammen“, sagt Deters, der an der FH Münster Biomedizinische Technik studiert. Die Ganglinie ist der Verlauf des Druckschwerpunkts beim Abrollen des Fußes von der Ferse bis zum Vorfuß, also die Gewichtsverteilung von hinten nach vorne. Dabei spielen auch die seitlichen Bewegungen eine Rolle – also ob man das Gewicht eher nach innen oder nach außen verlagert. „Passiert das in extremer Form, ist das aus gesundheitlichen Gründen nicht gut“, erklärt Deters. „Besser wäre es, das Gewicht nicht einseitig, sondern optimal zu verteilen.“

Um herauszufinden, wie das am besten klappt, präparierte der 26-Jährige zwei Paar Laufschuhe mit Sohlen, die mit speziellen Sensoren ausgestattet sind. „Die gibt es fertig zu kaufen, sind aber ziemlich teuer.“ Anschließend schickte er im Labor für Biomechanik von Prof. Dr. Klaus Peikenkamp 15 Probanden aufs Laufband. Nach einer kurzen Eingewöhnung sollten sie 20 Doppelschritte machen, erst gehend, dann laufend – und das jeweils mit beiden Modellen. Direkt im Anschluss haben sie einen Fragebogen ausgefüllt, um die subjektive Wahrnehmung festzuhalten und Passform und Seitenstabilität auf einer Skala einzuschätzen. Anschließend wertete Deters seine Messungen aus.

„In allen Versuchen ist der Maximaldruck beim Joggen höher als beim Gehen, also der Druck eines Fußes auf die Sohle.“ Denn beim Joggen fängt der Fuß die komplette Flugphase ab – so nennt man die Zeitspanne, in der beide Füße keinen Bodenkontakt haben, sondern komplett in der Luft sind. Sobald man einen Fuß wieder aufsetzt, sind die Belastungen am größten. „Beim normalen Gehen ist nicht der Fall. Denn da hat immer ein Fuß Bodenkontakt, während der andere in der Luft ist. Berühren beide Füße den Boden, nennt man das bipedale Standphase. Weil es diese nur beim Gehen gibt, ist sie der wesentliche Unterschied zum Laufen.“ Der Druckschwerpunkt ist beim ersten Schuhmodell eher lateral, also auf der Fußaußenseite, bei dem anderen medial, also auf der Fußinnenseite. „Wer stark dazu neigt, beim Joggen mit dem Fuß nach innen oder außen zu kippen, sollte das bei der Schuhauswahl berücksichtigen.“ Grundsätzlich ist jeder Läufer unterschiedlich und bevorzugt auch jeweils ein anderes Modell für seine Füße. „Jeder muss für sich den optimalen Schuh finden, am besten im Fachgeschäft. Dort analysieren Profis das Laufverhalten und greifen sofort ein, wenn der Schuh nicht richtig sitzt.“ Ein unpassender Schuh führe nur zu Schmerzen. „Und die verderben einem schnell dem Spaß am Laufen“, sagt Deters, der selbst begeisterter Hobbyläufer ist.


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