Die Perspektive fürs Klima wechseln

FH Münster und University of Minnesota tauschen sich über nachhaltige Energie-Themen aus


Münster/Steinfurt (20. Januar 2020). Ja, manchmal tut die Realität weh: In Deutschland hat die Bundesregierung ihr Ziel aufgelöst, bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben, weil es 2019 gerade mal etwas mehr als 80.000 waren. In den USA gibt es im Bundesstaat Minnesota kaum Photovoltaik-Anlagen, obwohl Platz und Häuserdächer zur Genüge vorhanden sind. Wenn die Welt aber wirklich in eine grünere Zukunft aufbrechen und den Klimawandel im Zaum halten will, dann muss mehr passieren. Einen Teil dazu leisten Studierende und Vertreter der FH Münster und der University of Minnesota: Sie haben sich in den vergangenen zwei Wochen zu den aktuellen Themen rund um die erneuerbaren Energien ausgetauscht.

Bereits seit vier Jahren pflegen das Land Nordrhein-Westfalen und Minnesota ein besonderes internationales Abkommen: Eine enge Zusammenarbeit in den großen Themenfeldern erneuerbare Energien, Klimawandel und Energieeffizienz –  vor allem mit Fokus auf Best-Practice-Beispiele. Auch die beiden Hochschulen sind hier mit dabei. „Der Austausch über die Grenzen hinweg ergibt Sinn. Vielfalt ist gefragt, denn für ein Problem gibt es nie nur eine einzige Lösung“, sagt Prof. Dr. Christof Wetter vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt, der die FH Münster in diesem Projekt vertritt.

Wissenschaftler aus seinem Forschungsteam waren just in Skandinavien und brachten inspirierende Ideen zu Geothermal-Energie mit zurück nach Deutschland: Natürliche Seen speichern dort die Sonnenenergie, die die Ingenieure vor Ort nutzen, um ganze Siedlungen zu wärmen. Diesen Ansatz gab Wetter jetzt an die Erneuerbaren-Experten aus Minnesota weiter. Und es ging ihm dabei nicht nur um Technologien. „Unsere größte Herausforderung ist es, die Menschen zu erreichen und sie zum Umdenken zu bewegen. Viele sind nach wie vor skeptisch. Dabei lohnt sich die Nachhaltigkeit häufig sogar wirtschaftlich: Mit einer Solaranlage auf dem Dach macht man mehr Gewinn als mit den Zinsen auf dem eigenen Sparbuch.“

Und der Ausbau der erneuerbaren Energien ist unausweichlich, um alle Anforderungen aus den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität umweltfreundlich und klimaneutral umsetzen zu können. Über aktuelle Beispiele diskutierten auch die Studierenden: Welche Alternativen gibt es zu Kerosin, um den Flugverkehr CO2-neutral zu gestalten? Wie müssen Dichtungen beschaffen sein, um Power-to-Gas-Technologien umzusetzen und Wasserstoff in Erdgasleitungen zu transportieren? Wird Wasserstoff eine Schlüsselrolle in der umweltfreundlichen Fortbewegung spielen? „Es ist sehr reizvoll, die Perspektive zu wechseln“, findet Teilnehmer Jonas Scholz. „Man muss Probleme ja nicht immer nur aus der Sicht Deutschlands angehen.“

Die 24-köpfige Delegation aus Minnesota setzte diesen Gedanken in die Tat um: Sie besuchte den Landtag in Düsseldorf und diskutierte mit Vertretern der Politik, sie lernte die umweltfreundlichen Ansätze der Städte Münster, Lüdenscheid und Saerbeck kennen, und erkundete dort den Bioenergiepark. Auch der kulturelle Austausch kam nicht zu kurz, zum Beispiel bei einem Westfälischen Abend mit traditionellen, regionalen Speisen.

 


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