Von der Schraube zur technischen Großanlage

Prof. Dr. Olaf Hagemeier ist neuer Professor für Konstruktionselemente und CAD in Steinfurt


Münster/Steinfurt (5. Juni 2020). Von Schrauben und Bolzen weiterzudenken bis hin zu großtechnischen Anlagen – denn wer ein einzelnes kleines Bauteil versteht und technisch beschreiben kann, ist gut gerüstet, um komplexe Systeme zu entwickeln und umzusetzen. Davon ist Prof. Dr. Olaf Hagemeier überzeugt: „Mein Ziel ist es, nicht die klassische Konstrukteurin oder den klassischen Konstrukteur zu formen. Die jungen Ingenieurinnen und Ingenieure sollen vielmehr lernen, in ihrem späteren beruflichen Umfeld mit den unterschiedlichsten Bereichen kommunizieren und zusammenarbeiten zu können. Dafür müssen sie verstehen, wie Produkte aufgebaut sind und die technische Sprache dazu kennen.“ Dieses Vorhaben verfolgt er seit März an der FH Münster: Als Professor für Konstruktionselemente und CAD ist er an den Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt berufen worden.

Bei ihm erlernen die Studierenden zuerst einmal die Darstellung von technischen Systemen. „Das ist ein zentrales Tool des Ingenieurwesens, weil darüber miteinander kommuniziert wird“, sagt Hagemeier. Die technischen Darstellungen können von einfachen Handskizzen bis zu hochkomplexen 3D-Modellen reichen, müssen aber immer bestimmten Vorgaben entsprechen. Ein weiterer Baustein seiner Lehre ist der Teil Konstruktionselemente. Denn die Studierenden müssen nicht nur technische Systeme richtig zeichnen können, sie sollen auch fit darin sein, wie einzelne Elemente von der technischen Feder bis zur Stahlkonstruktion aufgebaut sind oder was Schweiß- und Schraubverbindungen an Verformungen und Spannungen zulassen, um sie für die jeweiligen Anforderungen auslegen zu können. „Wer einzelne Elemente gestalten und dimensionieren kann, hat das Rüstzeug, um ganze Anlagen technisch zu verstehen und zu planen.“

Genau hier sieht er ein Defizit vieler Jungingenieurinnen und -ingenieure. Als Projektleiter bei ThyssenKrupp habe er mit vielen jungen Technikerinnen, Technikern, Ingenieurinnen und Ingenieuren zusammengearbeitet und gemerkt, dass die Grundzüge des Anlagenbaus im Studium oft nicht hinreichend vermittelt worden sind. „Beim Anlagenbau kommt es auf das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gewerke und beteiligten Unternehmen an“, sagt Hagemeier. Als Lehrbeauftragter für die Fachhochschule Südwestfalen hatte er deshalb eine Vortragsreihe mit Workshops aufgesetzt, um den Studierenden den Anlagenbau näherzubringen. „Dabei habe ich gemerkt, wieviel Spaß mir das Arbeiten mit den Studierenden macht. Es ist spannend mit jungen Menschen etwas Neues zu kreieren und mit ihnen in die Produktentwicklung einzutauchen.“

So kam der Entschluss, aus der freien Wirtschaft in die Hochschullehre zu wechseln. Aus über 20 Jahren bei ThyssenKrupp im Großanlagenbau bringt er viel Erfahrung aus Forschung und Entwicklung, der Konstruktion, der Projektierung und dem Produktmanagement mit. An der FH Münster sei es ihm ein Anliegen, den Studierenden Produktentwicklung beizubringen, die sowohl innovativ und technisch umsetzbar, als auch gesellschaftsfähig und wirtschaftlich ist. In Zeiten von Corona sei das nicht immer ganz einfach. „Die Online-Lehre macht einiges schwieriger. Denn das wortwörtliche Begreifen fällt leider weg. Viele Aspekte, die ich gern anhand von Gegenständen aus der Technik oder anhand bestimmter Beispielmaterialien erkläre und ins Auditorium gebe, können so zurzeit nicht vermittelt werden. Es kommt mir jedoch entgegen, dass ich im vergangenen Wintersemester bereits einen Lehrauftrag am Fachbereich EGU hatte und einige Studierende kennenlernen durfte. Lobenswerter Weise ist die Akzeptanz der Studierenden für die besondere Situation und die Online-Lehre wirklich groß, und sie nutzen das Online-Angebot sehr stark – das freut mich.“


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