Hilfe ist oft privat organisiert

Ziel von „Health Mobi Service“: Angebote für benachteiligte Personengruppen im ländlichen Raum etablieren


Münster/Steinfurt (23. Juli 2020). Wer sich nicht selbstständig versorgen kann, benötigt Hilfe. Das gilt besonders für benachteiligte Personengruppen, wie ältere oder eingeschränkte Menschen – gerade dann, wenn sie in ländlich geprägten Regionen leben. Hier will „Health Mobi Service“ ansetzen, ein Teilvorhaben aus dem Projekt „münster.land.leben“. Ziel ist es, ein nachhaltig nutzbares Versorgungsangebot im Münsterland zu etablieren. Um dieses zu erreichen, müssen zwei Gruppen zusammengebracht werden, nämlich Hilfsbedürftige und Personen, die ältere oder eingeschränkte Menschen unterstützen möchten – zum Beispiel beim Einkauf, im Haushalt, bei Behördengängen und durch Fahrten zur Apotheke. Doch wie funktioniert das? Und welche Hilfsangebote gibt es schon? Um dies herauszufinden, hat die Use-Lab GmbH, Kooperationspartner im Projekt, eine Online-Umfrage im Münsterland durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis: Hilfe ist oft privat organisiert.

„Verwandte, Bekannte, Freundinnen und Freunde sind meist die ersten, die hilfesuchende Menschen ansprechen“, sagt Alexander Arendt, Projektmanager bei Use-Lab. Der Bedarf sei vorhanden und vieles werde schon gemacht – vor allem im Alltag, so ein Ergebnis der Umfrage. „Die befragten Personen haben angegeben, besonders beim Einkaufen oder bei Behördengängen unterstützt zu werden. Sie nannten aber auch Transportdienste und das Leisten von Gesellschaft als unterstützende Maßnahmen.“ Ein weiterer Bereich, den die Befragten häufig angaben, war Hilfe im Haus. „Garten- und Putzarbeiten wurden am meisten erwähnt, Kinderbetreuung und medizinische Hilfe dagegen kaum.“

Insgesamt hat das Team 255 ausgefüllte Fragebögen zurückbekommen. Deutlich geworden sei, dass Hilfsbedürftige ihren Bedarf im nahen Umfeld mitteilen, nicht über Dritte. „Also müssen wir jetzt untersuchen, wie genau ein Hilfsangebot aufgebaut sein muss, damit es im ländlichen Raum bekannt wird und funktioniert“, erklärt Arendt. Deshalb plane das Team im September Interviews mit Betroffenen, Helferinnen und Helfern – im ganzen Münsterland. Denn private Hilfe sei zwar wichtig, reiche aber oft nicht aus. „Verwandte werden schnell an ihre Grenzen gebracht, und manche Menschen verfügen überhaupt nicht über ein Netzwerk im privaten Umfeld, um darüber Unterstützung zu bekommen.“ Ohne externe Angebote gehe es deshalb nicht.

„Wir möchten eine Art Werkzeugkasten entwickeln, der bei der Umsetzung konkreter Lösungen helfen soll.“ Dass dies funktioniert, da ist sich das Team sicher. „Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, kann man gut beobachten, wie schnell und unkompliziert sich Hilfsangebote etablieren“, so Arendt. Plötzlich gebe es Einkaufshilfen für Risikogruppen oder Online-Beratungen von Fachgeschäften. „Die Pandemie hat uns gezeigt, dass ganz viel Solidarität vorhanden ist und viele Leute helfen wollen.“

„Health Mobi Service“ ist im April gestartet und eines von insgesamt 13 Teilvorhaben im Projekt „münster.land.leben“. Dieses wird von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ gefördert. Es widmet sich der Gesundheit, der Teilhabe und dem Wohlbefinden im ländlichen Raum – alles Bereiche, die zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen zählen und die auch an der FH Münster eine immer wichtigere Rolle spielen. Das Teilvorhaben „Health Mobi Service“ koordinieren Prof. Dr. Torben Bernhold vom Fachbereich Oecotrophologie – Facility Management der FH Münster, und Torsten Gruchmann, Geschäftsführer der Use-Lab GmbH, einem An-Institut der FH Münster.


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