122 Seiten für nachhaltige Mode

Absolventin der FH Münster hat für ihr Magazin Designerinnen von vorbildlichen Labels interviewt und fotografiert


Münster (17. November 2020). Angelina Gergenreder wollte ihr Studium mit einer Bachelorarbeit abschließen, die sinnstiftend ist. „Wir alle müssen uns kleiden, aber haben viel zu viel Textilien im Schrank. Und nur wenige von uns überlegen, wer sie wie produziert hat und welchen Weg sie bis zu uns zurücklegen“, erzählt die 23-Jährige. Sie selbst denkt darüber jetzt viel mehr nach, und das wünscht sie sich auch für ihre Leserinnen und Leser: Mit ihrer Abschlussarbeit am Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), wollte sie „das Bewusstsein dafür zu schärfen, über Nachhaltigkeit in der Mode nachzudenken“, so Gergenreder. „Ich habe lange überlegt und hatte dann die Idee, dass dies am besten über Informationen und Vorbilder funktioniert. Das Ganze dann in einem Magazin zu präsentieren, war für mich eine gute Möglichkeit zu zeigen, was ich im Studium gelernt habe: Recherche, Kommunikation, Gestaltung, Fotografie.“ Den Käuferinnen und Käufern ihrer kleinen Auflage von 50 Exemplaren schien dies gefallen zu haben, denn nur noch eine Handvoll davon hat sie für sich zurückgehalten.

Auf 122 Seiten beleuchtet sie in ihrem Magazin „Apare“ die Produktion der Stoffe, die Lieferketten und Siegel. Und vor allem lässt sie Leute zu Wort kommen, die sich mit nachhaltiger Mode auskennen. Wie etwa von People Berlin, einem Label, das jährlich drei Editionen mit Mode und Designobjekten kreiiert und vertreibt – gemeinsam mit einem Team von Jugendlichen, die psychisch erkrankt, suchtmittelabhängig oder von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Mit der Mitgründerin Eva Sichelstiel hat Gergenreder ein Interview geführt: über die Mode, die kein Wegwerfartikel ist, sondern ein Kulturgut, und über das soziale Engagement für die beteiligten Jugendlichen. Für die Fotostrecken der Labels posierten als Models Freundinnen und Freunde vor Gergenreders Kamera.

Neben den Interviews informiert sie in kurzen Artikeln über Kategorien in der Textilbranche, wie dem Gegenentwurf von Fast Fashion. Slow Fashion respektiere die Konsumenten, die Produzenten und die Umwelt gleichermaßen, schreibt Gergenreder, und ermögliche ein nachhaltigeres Konsumverhalten. Dies beobachtet nun die Absolventin bei sich selbst: „Ich habe für die Abschlussarbeit so viel recherchiert und mich so intensiv damit beschäftigt, dass sich mein Umgang verändert hat. Ich lege mehr Wert auf Qualität, schaue auf faire Produktionsbedingungen und auf eine lange Lebensdauer der Kleidung. Auch andere Bezugsquellen wie zum Beispiel Secondhand oder Kleidertausch sind eine Alternative.“ Auch „Upcycling“ ist eine, hier entstehen aus scheinbar nutzlos gewordenen Stoffen neue Produkte – auch die Probleme und Grenzen zeigt Gergenreder auf. Letztendlich beginne alles Nachdenken über Kleidung damit, so die Designerin, sich zu fragen, ob man überhaupt so viel braucht.

Dass sie für eine nachhaltige Mode viele Verbündete gewinnen kann, ist nun ihr großer Wunsch. Für sich persönlich aber hofft sie nun, dass sie einen Job findet, in dem sie die Kombination von Mode, Nachhaltigkeit, Kommunikation und Fotografie verbinden kann. Dafür arbeitet sie momentan an ihrem Portfolio. „Vielleicht aber gründe ich auch mein eigenes Label.“

Zum Thema: Die Ausbildung am Fachbereich Design der FH Münster, der Münster School of Design (MSD), schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie bietet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang Design an. Die Abschlussarbeit „Apare“. Nachhaltigkeit in der Mode von Angelina Gergenreder haben Prof. Dr. Rüdiger Quass von Deyen und Diplom-Designerin Elisabeth Schwarz betreut.


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