Konzept der Türöffnung: Pflegefachkräfte und Patient*innen profitieren

Christian Korz erhält Hochschulpreis für seine Bachelorarbeit am Fachbereich Gesundheit der FH Münster


Münster (27. Juli 2022). Mehr als 400 psychiatrische Einrichtungen gibt es in Deutschland. Etwa 20 von ihnen arbeiteten 2015 bereits seit mehreren Jahren nach dem Konzept der Türöffnung. Dabei werden die Stationen zum Beispiel zeitlich begrenzt geöffnet, sodass sich die Patient*innen frei bewegen können. Wie Pflegefachkräfte das erleben, hat Christian Korz in seiner Bachelorarbeit am Fachbereich Gesundheit der FH Münster qualitativ untersucht – und dafür einen Hochschulpreis erhalten.

Korz ist Gesundheits- und Krankenpfleger und hat parallel zur Ausbildung Pflege dual an der Hochschule studiert. Seit seinem Abschluss arbeitet er im gerontopsychiatrischen Bereich der LWL-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Lippstadt. „Ich habe mehrere Interviews auf einer Station der LWL-Klinik durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine allgemeinpsychiatrische Abteilung, auf der vorwiegend Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Krisensituationen behandelt werden. Meine Erkenntnisse sind in drei Oberkategorien zusammengefasst: dem Stationserleben, der Abwägung des Konzepts und der Wirkung“, erklärt Korz. Auffällig sei, dass sich Gespräche zwischen Pfleger*innen und Patient*innen intensiviert hätten, der Kontakt zu Patient*innen zunehme, der Sicherheitsaspekt dabei aber nicht in den Hintergrund gerate.

„Insgesamt lässt sich beobachten, dass sich alle, Pfleger*innen und Patient*innen, sehr viel wohler fühlen. Es gibt deutlich weniger Fixierungen, Konflikte werden entschärft, sobald sie sich anbahnen, Gewalt nimmt insgesamt ab und die Suizidalität steigt nicht an.“ Das Konzept der Türöffnung sei für alle Beteiligten eine Win-win-Situation. „Die Patient*innen sind zufriedener sowie weniger aggressiv und die Fachkräfte können ihre Arbeit besser strukturieren. Zudem müssen sehr viel seltener Behörden eingeschaltet werden, weil etwa ein Patient oder eine Patientin abgängig ist. Zu Beginn war das allerdings anders, da mussten die Behörden sogar öfters eingeschaltet werden.“

Das entspannte Miteinander habe positiven Einfluss auf die Arbeit. Bedenken gegen das Konzept gebe es aber auch. „Eine Sorge ist zum Beispiel, dass die Patientinnen und Patienten die Station verlassen und nach Hause gehen könnten. Oder dass ihnen durch die offenen Türen der geschützte Rahmen genommen wird.“ Die Befragten, bei denen sich das Konzept bereits etabliert hat, können sich nicht vorstellen, dieses wieder rückgängig zu machen. „Spannend ist, wie sich das weiterentwickelt, ob also nach und nach immer mehr psychiatrische Stationen ihre Türen öffnen. Die Datenlage ist ziemlich gering, da große Studien bislang fehlen“, sagt Korz.

Zum Thema: Gerade einmal ein Prozent aller Absolvent*innen eines Jahrgangs erhält ihn: den Hochschulpreis. Jedes Jahr kürt das Präsidium gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der FH Münster e. V. (gdf) auf Vorschlag der Fachbereiche die besten Abschlussarbeiten. Zu den Preisträger*innen des Hochschulpreises für die besten Arbeiten aus 2021 gehört auch Christian Korz vom Fachbereich Gesundheit. Eine vollständige Übersicht aller gewürdigten Absolvent*innen ist im Jahresbericht ab Seite 41 abrufbar: https://fh.ms/jb-2021.


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