Sich selbst stärken

Auch Sie als Lehrende und Wissenschaftler*innen stehen täglich vor komplexen Anforderungen und stressigen Situationen: hoher Publikationsdruck, Drittmitteleinwerbungen, Umgestaltung von Lehrveranstaltungen aufgrund von Corona oder IT-Angriffen, … . Sie haben im Laufe Ihrer akademischen Karriere bereits viele Herausforderungen erfolgreich gemeistert, worauf Sie enorm stolz sein können!

Die aktuellen krisengeprägten Zeiten stellen uns alle noch einmal vor ein neues Level an Komplexität. Wir laden Sie deshalb ein, zunächst sich selbst im Umgang mit Herausforderungen noch weiter zu stärken und die Unterstützungsangebote der Hochschule in Anspruch zu nehmen.

Warum Resilienz-Kompetenzen von Studierenden stärken?

Studierende müssen im Laufe Ihrer Zeit an unserer Hochschule auch einige Herausforderungen bewältigen und einen guten Umgang mit den Krisen der heutigen Lebenswelt finden. Leider gelingt das nicht jeder bzw. jedem Studierenden gleichermaßen gut, was in der Zunahme von Stress und psychischen Belastungen, verminderter Konzentrationsfähigkeit sowie schlechteren Studienleistungen oder dem Studienabbruch enden kann. Aber auch vor dem Hintergrund einer komplexen und dynamischen Arbeitswelt gewinnt Resilienz-Kompetenz von Hochschulabsolvent*innen an Bedeutung. 

Durch Ihren eigenen gelungenen Umgang mit Stress und komplexen Anforderungen können Sie ein Vorbild für Studierende sein und diese überfachliche Kompetenz in ihren Lehrveranstaltungen fördern.

Durch Ihre Veranstaltungen erreichen Sie die Studierenden direkt. Häufig erreichen Unterstützungsangebote nämlich nicht die Zielgruppen, für die es besonders wichtig wäre. Deshalb sind Sie als Lehrende in der Förderung der Resilienz unserer Studierenden besonders wichtig.

Wie kann das aussehen?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, resilienzförderliche Elemente in Ihre Lehrveranstaltungen einzubinden. Das muss auch nicht viel Zeit und Aufwand erfordern. Wichtig ist dabei nur, dass Sie sich wohl und authentisch mit den gewählten Elementen fühlen.

Werkzeugkoffer:
Nachfolgend finden Sie einen Werkzeugkoffer gefüllt mit Good-Practice-Beispielen aus unserer Hochschule.

Situation bewusst wahrnehmen

In einer Vorlesung sitzen Studierende, die gerade mit unterschiedlichen Belastungsfaktoren konfrontiert sind und die unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen haben.

Neben den Unsicherheiten, die uns alle durch Krieg, Klimawandel und co. belasten, stehen Studierende vor zusätzlichen Herausforderungen: Unsichere Finanzierung, geringes Zeitbudget durch zusätzliche Erwerbstätigkeit oder Fürsorgepflichten, hoher Leistungs- oder Zeitdruck - um nur einige Beispiele zu nennen. Eine hohe Belastungssituation steht in Zusammenhang mit verminderter Aufmerksamkeit, schlechteren Studienleitungen oder einem Studienabbruch.

Um den Studienerfolg zu unterstützen, ist es deshalb wichtig, die aktuelle Situation regelmäßig bewusst wahrzunehmen.

Pausen einbauen und gestalten

Resilienz-Entwicklung umfasst unter anderem eine sinnvolle Rhythmisierung von Phasen der Anspannung und Entspannung. Pausen dienen zudem dem Lernprozess. Das Gelernte wird tiefer verarbeitet und neue Lerninhalte können wieder konzentriert aufgenommen werden.

  • Um in langen Veranstaltungen für Entspannung zu sorgen, kann eine Pause eingelegt werden, in der die oder der Lehrende den Raum verlässt. (Beispiel von Prof. Dr. Jürgen te Vrugt, ETI)
  • Um auch atmosphärisch auf Pause umzuschalten, kann Musik eingesetzt werden. (Beispiel von Prof. Dr. Agostino Mazziotta, SW)
  • Auch aktive Pausenelemente wie die Pausenvideos des Hochschulsports können helfen, wieder erfrischt in die neue Lerneinheit zu starten. (Beispiel von Dr. Carsten Müller, Wandelwerk)

Auf Unterstützungsangebote hinweisen

Das gemeinsame Abbauen von Ängsten und Unsicherheiten kann für Studierende eine enorm große Ressource zum Umgang mit den Herausforderungen einer Lehrveranstaltung oder Prüfung sein. Das wiederholende Angebot sowie Hinweise auf Hilfsangebote der Hochschule können dabei helfen, die Studierenden zu motivieren, diese Angebote auch anzunehmen. (Beispiel von Prof. Dr. Salameh, CIW)

Die Unterstützungsangebote der Hochschule sind auf der Seite "Unterstützungsangebote für Studierende" gebündelt.

Zudem finden Sie hier ein PDF mit Links zu den jeweiligen Beratungsangeboten zum Download.

Resilienz kontextbezogen thematisieren

Falls es sich im Rahmen Ihrer Vorlesung anbietet, können Sie auf die Relevanz des Thema "Resilienz-Kompetenz" aufmerksam machen und konkrete Bezüge zu Ihrer jeweiligen Fachrichtung herstellen. Inwiefern ist es zum Beispiel für das Berufsfeld Ihrer Fachrichtung wichtig, mit komplexen Anforderungen oder Herausforderungen gut umgehen zu können?

  • In einem Lehrveranstaltungsformat des Fachbereichs Gesundheit sowie des Instituts für Berufliche Lehrerbildung wird Resilienz beispielsweise in den Kontext der Lehrer*innengesundheit eingeordnet und mit theaterpädagogischen Methoden vemittelt. (Beispiel von Dr. rer. Anja Fiori, Prof. Dr. Kastrup und Prof. Dr. Mona Massumi, Gesundheit & IBL)
  • Ressourcen für Workshops zu den Themen Resilienz, Selbstmanagement, Stress und Stärkenorientierung stellt das Projekt ReMind des Stifterverbands und des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg in Kooperation mit der Hochschule für Technik Stuttgart zur Verfügung (siehe Link).

Kurze resilienzförderliche Übungen integrieren

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, resilienzförderliche Übungen in Ihre Vorlesung zu integrieren.

  • Kurze Reflexionsfragen zu Beginn der Vorlesung (z. B. Welche Erfolgserlebnisse hatten Sie in der letzten Woche?) regen die Fähigkeit zur Selbstreflexion an und schulen unter anderem darin, den Blick bei einer realistischen Situationsbetrachtung eher auf die positiven Aspekte zu legen. (Beispiel von Dr. Jutta Rach, MSB)
  • In der Videoreihe "Ups & Downs" finden sich kurze Videosequenzen zu Resilienz-Techniken, die für den Einbau in Vorlesungen konzipiert wurden. Die Videos fokussieren die Stärkung von Konzentration, Selbstwirksamkeit, Aufnahmefähigkeit von Lerninhalten bzw. die Akzeptanz gegenüber komplexen Problemstellungen. Sie werden in Kürze zur Verfügung gestellt. (Beispiel von Insa Verbeck, MSB)
  • Falls Sie selbst Übungen anleiten möchten, gibt es verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten, unter anderem im Wandelwerk.
    • Mit kurzen Phasen der Stille sowie durch regelmäßig angeleitete Übungen können unter anderem (innere wie äußere) Wahrnehmung und Fokussierung der Aufmerksamkeit gestärkt werden. Neben einer professionellen Anleitung ist auch eine moderierte Reflexion der Übungen wichtig - insbesondere bei der Einführung solcher Elemente. (Beispiel von Prof. Dr. Stefan Krings, OEF)
    • Ein Wechsel des Raumes kann für selbstangeleitete Übungssequenzen die nötige Atmosphäre unterstützen. Zudem sollte die Teilnahme von Studierenden auf freiwilliger Basis erfolgen. (Beispiel von Paul Bičište, MSD)
  • Inspiration für ausführlichere Übungen zum Thema finden sich in der Online-Datenbank des EU-Projektes "Resilience - A key skill for education and job".

Resilienzförderliche Routinen etablieren

Um förderliche Denk- und Verhaltensweisen zu internalisieren, müssen sie wiederholt werden. Leider geht das in einem stressigen Arbeits- und Studienalltag häufig unter. Es kann deshalb hilfreich sein, resilienzförderliche Elemente routiniert in die Lehrveranstaltung einzubringen.

Feedback anbieten

Auch konstruktives Feedback der Lehrenden stellt für Studierende eine enorm große Ressource zum Umgang mit den Herausforderungen einer Lehrveranstaltung oder Prüfung dar.

  • Falls die eigene Zeit es erlaubt, dann kann es für Studierende hilfreich sein, nach der Vorlesung noch einmal die Möglichkeit zu haben, individuelle Fragen mit der bzw. dem Lehrenden zu besprechen. (Beispiel von Nadine Pantel, IO) 
  • Der Aufenthalt im Grünen kann Studien zufolge unter anderem den Stresspegel senken und das parasympathische Nervensystem aktivieren. Beratungen oder Besprechungen können auch mit Zeit in der Natur verbunden werden z. B. bei einem Spaziergang während des Gesprächs. (Beispiel von Paul Biciste, MSD)
  • Im Veranstaltungskatalog der Ideenwerkstatt Lehre finden Sie unterstützende Angebote, z. B. Beraten von Studierenden - Sprechstunden gestalten.

 

Workshops:

Falls Sie weitere Impulse zur resilienzförderlichen Gestaltung Ihrer Lehrveranstaltung bzw. zur Anleitung eigener Übungen erhalten möchten, bietet das Wandelwerk Unterstützung und regelmäßig Weiterbildungen unter anderem zum Thema "Resilienz in der Lehre" an.

Eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge

Sie haben selbst tolle Strategien zum Umgang mit Herausforderungen, die Sie mit anderen teilen möchten?
Sie haben Verbesserungsvorschläge, wie man Lehre noch resilienzförderlich gestalten könnte?

Sie können diese ganz einfach über das folgende Formular mit uns teilen.

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