Erkältungen kennt er kaum noch, seit er täglich mit dem Rad zur Arbeit pendelt – selbst im Winter und auch bei Regen. Eine ganz normale Leeze benutzt Otfried Berges jedoch nicht. Er düst mit einem Velomobil durch die Gegend, eine Art ummanteltes Liegerad.
Die 32 Kilometer von Münster nach Steinfurt legt Otfried in etwa einer Stunde zurück.

Sein Gefährt fällt auf. Durch seine aerodynamische Form mutet es eher wie ein spaciger Rennwagen an und ist auch deutlich schneller als ein herkömmlicher Drahtesel. „Meine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt ungefähr bei 35 km/h, erzählt Otfried. „Den Weg nach Steinfurt schaffe ich in circa einer Stunde. Klar dauert das länger, als mit dem Auto, aber dafür brauche ich kein zusätzliches Fitnesstraining.“ Der 54-Jährige arbeitet seit 1992 am Fachbereich Physikalische Technik. Anfang der Neunziger kaufte er sich sein erstes Liegerad, mit dem Vorsatz, damit zweimal pro Woche zur Arbeit zu fahren. „Dieser Plan hat rund 20 Jahre lang so gut wie gar nicht funktioniert“, berichtet der FH-Mitarbeiter. „Die ersten zehn Jahre bin ich mit dem Auto gependelt und dann weitere zehn Jahre mit Bahn und Fahrrad.“

»Klar dauert das länger, als mit dem Auto, aber dafür brauche ich kein zusätzliches Fitnesstraining.«Otfried Berges

Für die Fitness machte er abends regelmäßig Sport, hauptsächlich Volleyball. „Irgendwann merkte ich aber, dass ich mich nach der Arbeit nicht mehr so gut aufraffen konnte“, sagt Otfried. Also musste eine andere Form der Bewegung her. Wieder fasste er den Vorsatz, zweimal in der Woche mit dem Liegerad nach Steinfurt zu pendeln. Und diesmal klappte es tatsächlich. Nach einem Jahr fühlte er sich fit genug, um sogar täglich das Rad für die 32-Kilometer-Strecke zu nutzen. Er fragte sich jedoch: „Hältst du das auch im Winter durch?“ Sein Fahrradhändler brachte ihn auf die Idee, es doch mit einem Velomobil zu versuchen, in dem man etwas besser vor der Witterung geschützt ist. „Ich habe es im Oktober 2014 in Holland gebraucht gekauft und fahre seitdem nur noch damit“, so Otfried. „Zum Glück kann ich alles selbst reparieren“, erklärt der gelernte Feinmechaniker.

Seit Otfried beim Pendeln auf das Velomobil umgestiegen ist, kann er sich das zusätzliche Fitnesstraining sparen. (Foto Stefanie Gosejohann)
Seit Otfried beim Pendeln auf das Velomobil umgestiegen ist, kann er sich das zusätzliche Fitnesstraining sparen. (Fotos: Stefanie Gosejohann)
Hindernisse zu umfahren, ist mit dem 83 Zentimeter breiten Velomobil nicht immer ganz leicht. „Der Kurvenradius entspricht eher dem eines Autos“, sagt Otfried.
Hindernisse zu umfahren, ist mit dem 83 Zentimeter breiten Velomobil nicht immer ganz leicht. „Der Kurvenradius entspricht eher dem eines Autos“, sagt Otfried.
Otfried (3.v.l.) siegte letztes Jahr nicht nur im Einzelwettbewerb von FHahr Rad!, sondern belegte auch gemeinsam mit seinem Team „Die Velocyclisten“ den ersten Platz. (Foto: privat)
Otfried (3.v.l.) siegte letztes Jahr nicht nur im Einzelwettbewerb von FHahr Rad!, sondern belegte auch gemeinsam mit seinem Team „Die Velocyclisten“ den ersten Platz. (Foto: privat)

Seine Entscheidung, täglich mit dem Rad zu pendeln, hat jedoch nicht nur sportliche Gründe: „Ich möchte selbst aktiv etwas für die Umwelt tun und zu einem geringeren Kohlendioxid-Ausstoß beitragen.“ Dazu gehöre auch, sich nicht alle fünf Jahre ein neues Rad zu kaufen. Die gesundheitlichen Vorteile sind ebenfalls ein starkes Argument für das regelmäßige Fahrradfahren. „Krankgeschrieben war ich in den letzten zweieinhalb Jahren nur wegen eines Arbeitsunfalls und Erkältungen hatte ich gar nicht“, fasst Otfried seine Erfahrungen zusammen. Ein weiterer positiver „Nebeneffekt“ seines intensiven Radfahrens war der Gewinn des Hauptpreises im Wettbewerb „FHahr Rad!“ letzten Sommer. Dass Otfried auch dieses Jahr wieder am Wettbewerb teilnimmt, ist selbstverständlich.

Von Stefanie Gosejohann

Der Wettbewerb FHahr Rad! 2017 findet vom 1. Juni bis zum 15. September statt.


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