Er war Seefahrer, Offsetdrucker, Postbote, Erzieher. Zuletzt hat er bei uns Design studiert und arbeitet nun als Illustrator. Eine Strecke mit vielen Umwegen.
Till Lenecke zeichnet

Gezeichnet hat Till schon immer. Am liebsten Schiffe. Als er 15 Jahre alt war, fing er an, alte Comic-Hefte aus den 50-er und 60-er Jahren zu sammeln. Auch Münzen und Briefmarken interessierten ihn. „Ich hatte einfach eine Schwäche für Gestaltung“, sagt der gebürtige Hamburger. Aber weil Till aus einer Familie mit lauter Nautikern kommt, folgte auch er der Tradition und lenkte fortan Frachtschiffe. „Ich wollte da schon Illustrator werden, aber ich konnte mich mit diesem Berufswunsch nicht durchsetzen.“

»Das Leben vor der Hochschule war auch eine gute Schule.«Till Lenecke

Heute weiß er: Alle Umwege waren wichtig für ihn. Als Seefahrer zeichnete er immer wieder zwischendurch, nicht nur Schiffe. Auch in seiner Zeit bei der Deutschen Post und im Kindergarten als Erzieher. Die vielen verschiedenen Jobs halfen Till später in seiner Studentenzeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. „Unsere Hochschule weiß ich sehr zu schätzen, aber dieses Leben davor und nebenbei war auch eine gute Schule“, ist sich der inzwischen 45-Jährige sicher.

Deshalb störte es ihn auch nicht, bei der Ausstellung der Abschlussarbeiten am Ende des letzten Wintersemesters der Älteste zu sein. Kein Wunder. Denn er war bereits 39, als ihn ein Artikel in der „ZEIT“ über die Kunsthochschule Burg Giebichenstein daran erinnerte, was er als Jugendlicher eigentlich mal werden wollte. Also versuchte er es zunächst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Die wollte ihn nicht. Auch in Kassel klappte es nicht. Als aus Aachen eine Zusage kam, war er erst verwirrt – dann überglücklich.

Zeichnung eines Turmes in Münster
Prof. Felix Scheinberger und Prof. Markus Herrenberger haben die Bachelorarbeit „Münster – Ein illustrierter Spaziergang“ betreut. Till Lenecke ist ein Urban Sketcher, gehört also zu jenen Künstlern, die Städte zeichnen, in denen sie leben.
Zeichnung des Domes in Münster
Pünktlich zur Abschlussausstellung war das Buch fertig. Obwohl sich gegen Studienende alles ballte: die Abschlussarbeit, die Prüfungen, der Geldjob.

Er zog von Hamburg nach Aachen und begann dort sein Grundstudium in Kommunikationsdesign. „Ich merkte aber, dass ich mich dort als Illustrator nicht weiter entwickeln würde. Das Programm ‚Designwandern‘ hat mich im dritten Semester an unseren Fachbereich Design verschlagen, und weil die Ausrichtung so praxisorientiert ist, bin ich geblieben.“ An dem Buchprojekt „Helden der Kindheit“ von Prof. Felix Scheinberger war er beteiligt, und Prof. Markus Herrenberger heuerte Till sogar als Tutor an. Endlich war er da angekommen, wo er hinwollte.

 Till Lenecke
In den ehemaligen Osmo-Hallen hat Till Lenecke sein Atelier.

Inzwischen lebt der Illustrator von dem, was er so richtig gut kann und seine Leidenschaft nennt. Er arbeitet für Buchprojekte, hält Vorträge, zeichnet Architektur, ist Schnellzeichner bei Hochzeiten und gibt Workshops für Urban Sketcher. Post muss er nun nicht mehr zustellen. Sein Ziel: „Im nächsten Jahr will ich richtig gut davon leben können.“ Ideen für neue Bücher hat er genug, das Storyboard für einen neuen Comic ist schon fertig.

Text: Anne Holtkötter
Fotos: Andreas Oertzen
Illustrationen: Till Lenecke

Info
Der Deutsche Architektur Verlag hat drei Monate nach Tills Bachelorprüfung die erste Auflage von „Münster – Ein illustrierter Spaziergang“ gedruckt. Das Buch ist in jeder gut sortierten Buchhandlung zu bekommen. In Münster sogar auch in vielen Nicht-Bücherläden, wie in der Galerie Chris Braun oder im „Fyal“.


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