Bücher anschaulich präsentieren, wie geht das am besten? In die Jahre gekommene Glasvitrinen sind keine gute Lösung, das erkannten unsere Architekturstudenten Pascal Feck und Julian Heinen sofort. Deshalb entwickelten sie kurzerhand ein neues Konzept für die Ausstellung „Aufgeschlagen – Aufgeblättert – Ausgestellt“ in Münsters Stadtbücherei – und prompt folgte das Okay für die Umsetzung.
Das Modell zeigt, wie ein Kokon aus Stoffbahnen die Regale umhüllt. (Foto: Katharina Kipp)

„Das hat uns riesig gefreut“, sagt Pascal. „Es ist einfach toll, was Eigenes zu schaffen und den kompletten Prozess von Anfang bis Ende zu begleiten.“ 15 Münsteraner Verlage dürfen im Rahmen des Literaturfestivals „hier!festival.regional.international“ ihre Bandbreite einen Monat lang in der Eingangsetage der Bibliothek präsentieren. „Im Klavierraum der Bücherei steht die Skulptur ‚In Our Time‘ von Gerard Byrne, sodass gerade sehr viele Leute dorthin gehen. Sie müssen dabei durch die Eingangsetage, weshalb genau da die Ausstellung zu sehen sein wird“, sagt Julian. Konzipieren sollte diese der Deutsche Architektur Verlag, bei dem Julian neben dem Studium arbeitet. So landete die Aufgabe schließlich bei ihm – und er holte Pascal dazu. 

Ihre Idee: vier Holzregale mit Fächern und einem großen diagonalen Balken, der aus der Vogelperspektive eine Linie ergibt. Jeder Verlag hat auf zwei Böden Platz, um dort ausgewählte Bücher und sich selbst mit kurzen Steckbriefen zu präsentieren. Die Regale umhüllt ein riesiger Kokon aus weißen Stoffbahnen. Dort werden auf einer Seite die Silhouetten der Besucher projiziert. „Wer reinkommt, läuft an einer speziellen Kamera vorbei. Sie fängt den Umriss und die Bewegung ein und projiziert beides auf die Stoffbahnen“, sagt Julian. „Dort sehen wir dann einen Körper, der aus vielen kleinen Punkten besteht und quasi an der Wand vorbeiläuft.“

Die Regale haben Pascal und Julian zunächst als Modell entworfen und anschließend in Originalgröße gebaut. (Foto: Moritz Schäfer)
Die Regale haben Pascal und Julian zunächst als Modell entworfen und anschließend in Originalgröße gebaut.

14 Wochen Arbeit haben Pascal und Julian in das Projekt gesteckt – und das alles unentgeltlich. „Das Budget war ziemlich niedrig. Zum Glück unterstützt Dekan Prof. Mani unser Vorhaben finanziell und mit vielen Ratschlägen, auch Prof. Blumfeld Hanada hat uns sehr geholfen“, erzählt Pascal. Abgesehen vom Geld galt es weitere Herausforderungen zu meistern. „Wir mussten uns in das Thema Brandschutz einarbeiten und uns in den ganzen Prozess mit der Druckerei einfinden – beides war komplett neu für uns“, erinnert sich Julian. 

Julian (l.) und Pascal zeigen Andrea Kreuzheck von der Stadtbücherei Münster, wie die Bücher später in den Regalfächern stehen. (Foto: Katharina Kipp)
Julian (l.) und Pascal zeigen Andrea Kreuzheck von der Stadtbücherei Münster, wie die Bücher später in den Regalfächern stehen. (Foto: Katharina Kipp)
Neben ihren Büchern stellen sich die Verlage auch selbst vor – mit kurzen Steckbriefen. (Foto: Katharina Kipp)
Neben ihren Büchern stellen sich die Verlage auch selbst vor – mit kurzen Steckbriefen.

Plakate und Flyer wurden gedruckt, das Holz und der Stoff für die Banner ausgewählt. Dann ging es mit den Regalen weiter, denn die bauten die Studenten selbst – in der Holzwerkstatt auf dem Leonardo-Campus. „Unsere Regale sind so konstruiert, dass sie schnell ab- und aufgebaut werden können, die Bücherei sie also immer wieder für unterschiedliche Zwecke nutzt. Im Prinzip ist das Nachhaltigkeit durch Flexibilität“, so Pascal. Nachhaltig ist das Projekt ohnehin. „Wir nehmen wahnsinnig viel Wissen für uns mit, haben super viel gelernt und tolle Kontakte geknüpft. Wir sind echt stolz auf unsere Arbeit!“

Von Katharina Kipp

Wer das Ergebnis sehen möchte, hat dazu vom 25. August bis 21. September Gelegenheit. Dann zeigt die Stadtbücherei Münster, Alter Steinweg 11, in ihrer Eingangsetage die Ausstellung „Aufgeschlagen – Aufgeblättert – Ausgestellt“. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 10 Uhr bis 19 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 18 Uhr. 


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