Auf den ersten Blick sieht sie unscheinbar aus, die aus neun Bildschirmen bestehende Wand. Wer aber daran vorbeiläuft, dem folgen neun einzelne Augen. Das wirkt wie kinderleichte Spielerei, ist aber Bildverarbeitung auf hohem Niveau.
Läuft ein Mensch an der Wand vorbei, folgen ihm die Augen. (Foto: Katharina Kipp)

Ein Jahr lang haben Marek Michalewicz, Mitarbeiter am Fachbereich Physikalische Technik und Lukas Westerfeld, studentische Hilfskraft, unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Rose von der Idee bis zur fertigen Wand gebraucht. „Eigentlich war die Entwicklung des Algorithmus nicht so zeitintensiv“, erzählt Marek. „Aber wir haben in der Zeit auch viele Praktika des Studiums durchgeführt, sodass das Projekt eher nebenherlief.“ Dabei haben sie nicht nur Wissen aus dem Studium an unserer Hochschule einfließen lassen, sondern auch mit Grundprinzipien gearbeitet, die in den Bereichen künstliche Intelligenz und Kommunikation zwischen Mensch und Maschine tatsächlich eingesetzt werden. 

»Wir würden gerne neun verschiedene Augen aufnehmen. Außerdem soll unsere Wand in Zukunft auch einen Mund zeigen, um die Interaktion mit der Person zu vertiefen.«Marek Michalewicz

„Erst mal haben wir eine Software geschrieben, die die Augen mit der über den Monitoren angebrachten Kamera synchronisiert“, sagt Marek. „Dadurch bekommen die Augen ihr Sichtfeld.“ Bewegungen erkennen sie aber noch nicht. Dafür zu sorgen, das war der zweite Schritt. „Die Monitore unserer Wand werden von einem Computer gesteuert. Dank Bildverarbeitungs-Algorithmen ist es möglich, dass er Personen erkennt. Wir mussten der Wand also gewissermaßen das Sehen beibringen“, erklärt Marek. Das funktioniert über die Konturen- und Farberkennung: Die Konturen helfen bei der Unterscheidung zwischen Vorder- und Hintergrund, die Farbe unterstützt die Auswahl des Fokus – nämlich auf den Menschen, nicht auf Gegenstände im Hintergrund. „Das ist ganz wichtig, denn nur so nehmen die Augen eine Person wahr – und das unabhängig von Licht- oder Wetterverhältnissen.“

Das Auge ist das eines Studenten. Es wurde für das Projekt gefilmt. Läuft ein Mensch an der Wand vorbei, folgen ihm die Augen. (Foto: Katharina Kipp)
Das Auge ist das eines Studenten. Es wurde für das Projekt gefilmt. Läuft ein Mensch an der Wand vorbei, folgen ihm die Augen. (Fotos: Katharina Kipp)
Die Wand besteht aus neun Bildschirmen, die über einen Rechner gesteuert werden. Darauf zu sehen ist jeweils ein Auge. (Foto: Katharina Kipp)
Die Wand besteht aus neun Bildschirmen, die über einen Rechner gesteuert werden. Darauf zu sehen ist jeweils ein Auge.

Als auch das geschafft war, schickten Marek und Lukas das Auge auf die Monitore. „Das war ein Projekt unserer Studierenden. Sie haben das Auge eines Kommilitonen gefilmt. Dabei hat er seine Blickrichtung von links nach rechts geändert.“ Läuft eine Person innerhalb des Sichtfeldes der Kamera an der Wand vorbei, folgen die Augen von links nach rechts oder umgekehrt. „Ist gerade kein Mensch in Sicht oder außer Reichweite des Objektivs, klappen die Augenlider zu. Die Wand befindet sich dann sozusagen im Schlafmodus. Taucht wieder jemand auf, öffnen sich die Augen.“ Weitere Ideen für ihr Projekt haben die beiden auch schon. „Wir würden gerne neun verschiedene Augen aufnehmen. Außerdem soll unsere Wand in Zukunft auch einen Mund zeigen, um die Interaktion mit der Person zu vertiefen“, sagt Marek. „Erst mal sind wir aber gespannt, wie unsere Wand bei den Leuten ankommt.“ 

Von Katharina Kipp

Wer neugierig geworden ist und die Wand einmal ausprobieren möchte, hat dazu vom 18. bis 23. September in Münster Gelegenheit. Dann findet das Wissenschaftsfestival „Highlights der Physik“ statt. Dort präsentieren Wissenschaftler über 50 Exponate und interaktive Experimente zum Mitmachen auf dem Schlossplatz, darunter sind auch mehrere Projekte der FH Münster. Prof. Rose, Marek und Lukas sind mit ihrer Augenwand ebenfalls dabei. Am Samstag (23. September) zeigen Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins und Andreas Galle ab 14 Uhr ihre Show „Physik am Küchentisch“. Ausführliche Informationen gibt’s hier: www.highlights-physik.de 


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