Der gebürtige Iraker hat in seinem Leben schon viel Trauriges erlebt. Doch nie verliert Ahmed Shaya seinen Optimismus und lacht viel. Nun hat er die Zusage für einen Studienplatz am Fachbereich Architektur unserer Hochschule bekommen.
Probesitzen nur fürs Foto, bevor es richtig losgeht. Ab dem Wintersemester studiert Ahmed bei uns Architektur.

„Vielleicht habe ich davon profitiert, dass ich in Bagdad nach dem Abitur Kalligraphie und islamische Dekoration studiert und nebenbei auf dem Bau gearbeitet habe“, erzählt der 32-Jährige. Anschließend verdiente er sein Geld als Graveur und mit Schriftvorlagen für textile Stickereien. „Wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände reiste meine damalige Frau zunächst in das noch friedlichere Syrien und dann nach Deutschland aus.“ Ahmed folgte ihr und der inzwischen geborenen Tochter nach vielen bürokratischen Hürden.

»Auch Münster ist meine Heimat!«Ahmed Shaya

In Münster belegte er einen Jugendintegrationskurs, bestand am Bildungsinstitut eine Sprachprüfung, nahm an einem kaufmännischen und sprachlichen Qualifizierungskurs und anschließend an einem Lehrgang für das Berufsfeld Bau in Kooperation mit dem Lehrbauhof teil. „Am liebsten hätte ich nun eine Ausbildung zum Bauzeichner gemacht. Aber ich war noch nicht so sicher in Deutsch, und so landete ich in einer Umschulung zum Maurer mit Gesellenprüfung“, schmunzelt Ahmed. In dem Beruf arbeitete er die letzten Jahre, bis es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich war.

Auch privat gab es Turbulenzen. Nach der Geburt seines zweiten Kindes war er lange alleinerziehender Papa, denn seine Frau hatte die Familie verlassen. Inzwischen ist er wieder verheiratet – mit seiner Jugendliebe, die er damals nicht heiraten durfte.

Alina Fuchs von der ZSB berät Ahmed.
Alina Fuchs von unserer Zentralen Studienberatung hat Ahmed Tipps gegeben – etwa, sich für ein Deutschlandstipendium zu bewerben.

Bei allem, was Ahmed erlebt hat, ist er fröhlich und lacht oft. „Ich freue mich, dass sich meine Tochter und mein Sohn in Münster wohlfühlen, gern zur Schule gehen und gut deutsch sprechen.“ Das kann er inzwischen übrigens auch. „Die Sprache an sich war gar nicht das Schwierigste, sondern die Gesetzestexte zu verstehen, Formulare auszufüllen und sich neuen Regeln anzupassen“, sagt Ahmed, der inzwischen einen deutschen Pass hat. „Am besten gefällt mir hier der friedliche Umgang der Menschen untereinander, hier wird man nicht so schnell wütend, wenn einem etwas nicht passt.“ An Münster mag er die alte Geschichte – die Museen der Stadt kennt er alle. „Auch Münster ist meine Heimat.“

Kalligraphie – das hat er in Bagdad gelernt und auch sein Geld damit verdient. Das Schönschreiben mit Feder und Tinte beherrscht er noch immer: „Ich habe den Traum, Architekt zu werden.“
Kalligraphie – das hat Ahmed in Bagdad gelernt und auch sein Geld damit verdient. Das Schönschreiben mit Feder und Tinte beherrscht er noch immer: „Ich habe den Traum, Architekt zu werden.“

An unserer Hochschule hat er sich beworben, weil er unbedingt Architekt werden möchte. Für die künstlerisch-gestalterische Eignung erhielt er das Prädikat „gut geeignet: 1,6“. Sorgenfalten aber machen sich breit, wenn man ihn nach seinen Finanzen fragt. „Momentan bekomme ich kein Geld. Der Hartz-IV-Antrag für meine Frau läuft noch, wir bekommen nur Kindergeld“, so Ahmed. „Aber ich bewerbe mich für das Deutschlandstipendium und suche einen Job, den ich neben dem Studium schaffen kann. Denn ich habe einen Traum: Ich will Architekt werden und Häuser entwerfen.“ Wer ihn kennengelernt hat, zweifelt nicht daran, dass es ihm gelingen wird.

Text und Fotos: Anne Holtkötter


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