Im Frühling stand Julian Heinen genau da, wo er vor fünf Jahren schon mal war: Auf dem Campus der katholischen Uni in Beira in Mosambik. Damals betreute er nach dem Abi Waisenkinder und kickte mit ihnen auf dem Fußballplatz. Jetzt war er als Architekturstudent wieder vor Ort, denn er beteiligt sich an dem Ideenwettbewerb für einen neuen Medizincampus für Beira. Der soll genau zu den Bedürfnissen der Menschen vor Ort und den lokalen Baumaterialien passen.
Nachbarschaft und Campusgelände gehen ineinander über; neben Wohngebäuden und Baracken gibt es auch viele Frisöre, Läden für den täglichen Bedarf und Trinkhallen. (Fotos: privat)

Schon seit 15 Jahren ist im Gespräch, wie man den Campus am besten für seine Studierenden und die Bevölkerung gestaltet. „Ein Campus dort ist nicht nur zum Lernen da, sondern auch ein Nachbarschaftstreffpunkt für Sport, Veranstaltungen und Arztbesuche“, erzählt Julian, der im Frühjahr fünf Wochen dort verbracht hat. „Die medizinische Fakultät begleitet beispielsweise Schwangerengruppen, es gibt Kochkurse und Flächen zum Gemüseanbauen. Alles kleine Projekte, die zusammen aber sehr wichtig sind.“

»Ich wollte an etwas mitarbeiten, das nachhaltiger ist als ein Gebäude in drei Wochen hochzuzimmern.«Julian Heinen

Wie man das alles unter einen Hut bringt und dabei auch noch die Nähe zum Meer und das regionale Baumaterial beachtet, das hat der 25-Jährige in einem architektonischen Masterplan erarbeitet, zusammen mit unseren Professoren Herbert Bühler und Kazu Blumfeld Hanada. Damit hat er sich an einem Ideenwettbewerb zur Campuserweiterung beteiligt. „Im Juli haben wir den Plan samt Modell in München vorgestellt, und zwar dem Generalkonsul der Republik Mosambik und dem Rektor der Uni in Beira; im August dann dem Kanzler daheim in Beira und dem Bischof. Interesse ist von allen Seiten da – jetzt regen wir den internationalen Dialog an und stellen Ideen in den Raum.“ Weltweit beteiligen sich renommierte Architekten an dem Projekt. Und dieser Austausch fließt komplett in die Planungen mit ein. 

Julian will in seinem Entwurf die Weite des Campus erhalten, gleichzeitig viele Bäume pflanzen und somit für Schattenplätze und eine natürliche Kühlung sorgen.
Julian will in seinem Entwurf die Weite des Campus erhalten, gleichzeitig viele Bäume pflanzen und somit für Schattenplätze und eine natürliche Kühlung sorgen.
Julian stellt sein Modell dem Bischof und dem Universitätsrektorat in Beira vor. Sie wollen an die Planungen anknüpfen und die für die Stadt ganz besonders großen Freiflächen mit einbeziehen. (Fotos: privat)
Julian stellt sein Modell dem Bischof und dem Universitätsrektorat in Beira vor. Sie wollen an die Planungen anknüpfen und die für die Stadt ganz besonders großen Freiflächen mit einbeziehen. (Fotos: privat)

„Nach Beira wollte ich nach dem Abitur unbedingt, weil mein Onkel dort als Arzt unterwegs war. Seine Geschichten klangen so entschleunigend – in der Stadt gibt es nicht einmal einen McDonald’s“, erzählt Julian. „Dann, zwei Jahre später, hatte ich eine Vorlesung über Städtebau in Äthiopien bei Prof. Schultz-Granberg. Das hat mich sehr an meine Zeit in Afrika erinnert.“ Nach der ersten Veranstaltung überlegte er sich direkt, was er machen könnte. „Ich wollte an etwas mitarbeiten, das nachhaltiger ist als ein Gebäude in drei Wochen hochzuzimmern.“ Beim AStA lernte er Portugiesisch, durch ein Stipendium der Deutsch-Mosambikanischen Gesellschaft bekam er finanzielle Unterstützung. 

Zusammen mit der ortsansässigen Architekturfakultät wird an dem Projekt gearbeitet. Der intensive Austausch ist die Grundlage des Entwurfs und für alle eine Bereicherung.
Zusammen mit der ortsansässigen Architekturfakultät wird an dem Projekt gearbeitet. Der intensive Austausch ist die Grundlage des Entwurfs und für alle eine Bereicherung.

Das Konzept zusammen mit den Professoren Bühler und Hanada und vor allem mit den verschiedensten Akteuren in Beira zu entwickeln, ist ein spannender Prozess. „Das Projekt zeigt, wie produktiv wir gemeinsam sind. Ohne den intensiven Austausch wäre es gar nicht möglich gewesen, an einer nachhaltigen Lösung zu arbeiten. Ich hätte damals nach dem Abi auch nicht gedacht, dass sich daraus so etwas Tolles entwickeln würde!“

Von Theresa Gerks


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