Jeden Moment kann es passieren. Jetzt während seiner Arbeit im Labor. Beim Mensabesuch mit den Kollegen. Oder mitten in der Nacht. Der Melder könnte klingeln – und dann muss Max-Fabian Volhard sofort los. Hochwasser und Überflutungen? Großbrand auf einer Mülldeponie? Plötzliches Fischsterben oder Blaualgen in Teichen? Eindeutig Fälle für ihn und seine Kollegen vom Technischen Hilfswerk (THW), die Spezialgruppe „Wasserschaden und Pumpen“ des Ortsverbandes Detmold.
Regelmäßige Übungen sind wichtig für die ehrenamtlichen Helfer – hier übt das Team, wie man verletzte Personen in großen Höhen rettet. (Foto: THW Detmold)

„Ich bin jetzt seit zehn Jahren mit dabei“, erzählt Max, der an unserem Fachbereich Chemieingenieurwesen bei Prof. Dr. Thomas Jüstel promoviert – er forscht an chemischen Reaktionen, die durch Licht oder UV-Strahlung ausgelöst werden. „Wir sind vor allem im Einsatz, wenn irgendwo Hochwasser ist, wie zuletzt in Wolfenbüttel. Dann rücken wir mit unseren Pumpen an und sichten als erstes an der Einsatzstelle, wo sie sicher und effektiv arbeiten können. Und das müssen wir gut planen, weil das Equipment sehr schwer ist.“ Max ist für eine der leistungsstärksten Pumpen bundesweit zuständig, die sogenannte DIA-Pumpe. Das ist eine Großpumpe auf einem Anhänger, die 15.000 Liter Wasser in der Minute abpumpen kann. „Umgerechnet ist das ungefähr eine Badewanne pro Sekunde.“

Auch während der Versuche für seine Doktorarbeit kann er jederzeit zum Einsatz gerufen werden. (Foto: Theresa Gerks)
Auch während der Versuche für seine Doktorarbeit kann er jederzeit zum Einsatz gerufen werden. (Foto: Theresa Gerks)

Wenn die Pumpen laufen, geht’s für Max vor Ort erst richtig rund. „Ich kümmere mich um Wartungsarbeiten, schreibe ein Einsatztagebuch und beobachte den Zustand der Deiche“, berichtet der Truppführer. „Wenn die nämlich durch das Hochwasser aufweichen, ist die Sicherheit der Gruppe und die der Pumpen gefährdet – und Sicherheit ist für uns das allerwichtigste.“ Dann kann eine Schicht auch gerne mal länger als die üblichen, eh schon zehrenden zwölf Stunden dauern. „Nach einer Woche bist du echt völlig fertig“, sagt Max. „Schlafen kannst du auch nicht richtig neben 100 schnarchenden Kollegen in der Turnhalle. Aber es lohnt sich total. Die Dankbarkeit der Menschen vor Ort ist schön. Und ich finde, dass jeder einen kleinen Beitrag leisten und etwas Gutes tun kann. Wir Helfer arbeiten alle ehrenamtlich.“

Regelmäßige Übungen sind wichtig für die ehrenamtlichen Helfer – hier übt das Team, wie man verletzte Personen in großen Höhen rettet. Auch sicheres Abseilen will gelernt sein, um verletzten oder festsitzenden Personen helfen zu können. (Foto: THW Detmold
Regelmäßige Übungen sind wichtig für die ehrenamtlichen Helfer – hier übt das Team, wie man verletzte Personen in großen Höhen rettet. Auch sicheres Abseilen will gelernt sein, um verletzten oder festsitzenden Personen zu helfen. (Foto: THW Detmold)
Max und sein Team sichern eine Pumpe mit Arbeitsleinen. (Foto: THW Detmold)
Max und sein Team sichern eine Pumpe mit Arbeitsleinen. (Foto: THW Detmold)

Ursprünglich war seine Hilfe beim THW der Wehrpflichtersatz. Aber Max ist dabeigeblieben. Und hat immer mehr Qualifikationen gesammelt. „Nach der Grundausbildung schauen sie beim THW sehr nach deinen beruflichen Fähigkeiten und Interessen“, erklärt der 30-Jährige. Er hat Zusatzausbildungen im Bereich Gefahrgut und Gefahrstoffe sowie für chemisch-biologisch-radioaktiv-nukleare Gefahren (CBRN) gemacht. Außerdem darf er Atemschutzgeräteträger ausbilden. „Das geht natürlich nur durch das breite Hintergrundwissen, das ich hier während meines Studiums aufbauen konnte“, sagt Max. „Und das ehrenamtliche Engagement war wiederum auch sehr vorteilhaft für meine Stipendiumsbewerbungen.“

Von Theresa Gerks


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