„Warmer Wein? Das kam mir erst mal komisch vor. Aber es schmeckt ganz gut“, sagt Kunyin Mao. Der chinesische Student verbringt gemeinsam mit Yibing Zhou das vierte Studienjahr in Deutschland – und die Weihnachtszeit im Münsterland ist für beide was ganz Besonderes.
Auf dem Campus in Steinfurt leuchtet der Weihnachtsbaum schon festlich. Auch in Shanghai werden viele der geschmückten Tannen aufgestellt. Geschenke überreichen sich die Chinesen an Heiligabend eher nicht. (Foto: Theresa Gerks)

„Dominosteine und Spekulatius kennen wir bei uns zuhause in Shanghai nicht. Und auch das Weihnachtsfest ist ganz anders. In China zum Beispiel kommt nicht die ganze Familie für die Bescherung unter dem Weihnachtsbaum zusammen“, erklärt Yibing. „In großen Städten sind zwar fast überall Weihnachtsbäume aus Plastik, Christbaumkugeln und rote Weihnachtsmannkostüme zu kaufen. Aber nur wenige Chinesen wissen um den religiösen Hintergrund. 

Für viele ist Weihnachten eher eine Mischung aus Valentinstag und Silvester“, so Kunyin. Ein kleines Geschenk gibt es manchmal trotzdem: einen Apfel. „Heiligabend heißt auf Chinesisch Ping An Ye, wörtlich übersetzt bedeutet das friedliche Nacht. Apfel heißt aber Ping Guo. Also taucht das „Ping“ in beiden Wörtern auf, wird ähnlich ausgesprochen, hat aber eine ganz andere Bedeutung“, sagt Yibing. 

Spekulatius ist neu für sie, aber die beiden chinesischen Studierenden probieren das deutsche Traditionsgebäck gerne. (Foto: Maxi Krähling)
Spekulatius ist neu für sie, aber die beiden chinesischen Studierenden probieren das deutsche Traditionsgebäck gerne. (Foto: Maxi Krähling)

Und der Studentin fallen noch mehr Unterschiede ein. „Bei uns ist Weihnachten kein offizieller Feiertag, sondern eher ein Trend. Die jungen Leute treffen sich zu Christmas-Partys, allerdings gibt’s auf unserem Campus der Tongii Universität seit ein paar Jahren einen Weihnachtsmarkt nach europäischem Vorbild.“ Ein Muss für beide in Deutschland ist deshalb der Besuch der Weihnachtsmärkte. „Die wollen wir unbedingt sehen und natürlich einige deutsche Spezialitäten probieren.“ 

Auch in Shanghai werden viele geschmückte Weihnachtsbäume aufgestellt. Geschenke überreichen sich die Chinesen an Heiligabend eher nicht. (Foto: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)
Auch in Shanghai werden viele geschmückte Weihnachtsbäume aufgestellt. Geschenke überreichen sich die Chinesen an Heiligabend eher nicht. (Foto: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)

Weil Yibing und Kunyin Gebäudetechnik studieren, zog es sie an unseren Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt in Steinfurt. „Wir machen ein Double Degree und konnten aus acht Hochschulen auswählen. Und da haben wir uns die Fachhochschule mit dem besten Ruf für Gebäudetechnik ausgesucht“, sagt Yibing. Ein Jahr lang studieren sie bei uns, besuchen Lehrveranstaltungen, machen Praktika in Unternehmen und schreiben ihre Bachelorarbeit. 

Einen europäisch-chinesischen Flair hat der Christmas-Market, den Studierende der Tongji Universität in Shanghai seit ein paar Jahren auf die Beine stellen. (Fotos: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)
Einen europäisch-chinesischen Flair hat der Christmas-Market, den Studierende der Tongji Universität in Shanghai seit ein paar Jahren auf die Beine stellen. (Fotos: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)
Einen europäisch-chinesischen Flair hat der Christmas-Market, den Studierende der Tongji Universität in Shanghai seit ein paar Jahren auf die Beine stellen. (Fotos: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)
Einen europäisch-chinesischen Flair hat der Christmas-Market, den Studierende der Tongji Universität in Shanghai seit ein paar Jahren auf die Beine stellen. (Fotos: Tongji Universität Jiading Campus Exekutivkomitee)

Nach dem Doppelanschluss geht es zurück in die Heimat. Die freie Zeit zwischen Weihnachten und Silvester nutzen sie, um Europa zu entdecken. „Ich treffe mich mit anderen Kommilitonen aus Shanghai und reise nach Griechenland“, sagt Yibing. „Und ich fahre mit ein paar Freunden nach Island“, verrät Kunyin. Da passt in jedem Fall das Wetter besser zu Weihnachten.

Von Maxi Krähling 


Seite drucken