Eine kleine Kommune im Kreis Steinfurt steht in Sachen Klimaschutz und Energiewende schon länger im internationalen Fokus: Saerbeck. Die Gemeinde mit 7.300 Einwohnern ist in diesem Bereich ein echter Vorreiter – und das weltweit. Genau dort macht Martin Sammler vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt ein Praktikum und schreibt seine Bachelorarbeit.
Unterwegs in der Heizzentrale: Per Pelletskessel werden öffentliche Gebäude und Einrichtungen in Saerbeck gewärmt. (Foto: Theresa Gerks)

Ein Job im Rathaus hört sich nicht unbedingt nach der klassischen Ingenieurszukunft an. „Japanische Journalisten, Firmen und Kegelclubs durch den Bioenergiepark führen, den Energie-Erlebnis-Pfad modernisieren, CO2-Emissionen und -Einsparungen berechnen, in Ausschusssitzungen Präsentationen halten, Grundschüler für erneuerbare Energien mit Stationenlernen begeistern“, zählt Martin einige seiner Aufgaben aus den letzten Wochen auf. „Es ist auf jeden Fall abwechslungsreich hier, immer was los – und ich bin mittendrin!“ 

»Und genau das war mir wichtig. Dass ich etwas mache, was sinnvoll ist und etwas bewirken kann im Bereich Klimaschutz und Energiewende!«Martin Sammler

Gerade arbeitet er am Neubau eines Muster-Effizienz-Hauses mit, das zeigen soll, was ein Haus energetisch alles kann. Wo sind welche Solarpanelen am effektivsten platziert? Wie lässt sich die Energie speichern? Was machen mit dem überschüssigen Strom? Aber auch: Wie lassen sich die Leute dafür sensibilisieren, und wie gestaltet man alles möglichst attraktiv? „Das Energiethema bleibt hier wirklich nicht hinter verschlossenen Türen“, sagt Martin schmunzelnd. „Und genau das war mir wichtig. Dass ich etwas mache, was sinnvoll ist und etwas bewirken kann im Bereich Klimaschutz und Energiewende!“

Insgesamt 24.000 Photovoltaik-Module produzieren im Bioenergiepark in Saerbeck Strom – und der reicht für ungefähr 1.800 Haushalte. (Foto: Theresa Gerks)
Insgesamt 24.000 Photovoltaik-Module produzieren im Bioenergiepark in Saerbeck Strom – und der reicht für ungefähr 1.800 Haushalte. (Foto: Theresa Gerks)

Und das macht er auch mit seiner Bachelorarbeit. Mittlerweile hat der 27-Jährige seine Stunden reduziert und erarbeitet ein Konzept für ein Neubaugebiet in Saerbeck, das 2020 entstehen soll. „Es geht darum, wie man es komplett mit erneuerbaren Energien versorgen kann – mein thematischer Schwerpunkt liegt auf der Wärme.“ Da sind seine fachlichen Fähigkeiten als Ingenieur gefragt. „Aber während des Praktikums kam es auch auf Kommunikation, Eigeninitiative und Netzwerken an“, berichtet Martin. „Du erweiterst dein Blickfeld. Bei meiner Arbeit mit Kindern und Schulen konnte ich ja auch in den pädagogischen Bereich schnuppern. Klimaschutzmanager sind definitiv Allrounder!“

Riesen Sache: Der Bioenergiepark in Saerbeck vereint Umwelt-, Klima- und Naturschutz. (Foto: privat)
Riesen Sache: Der Bioenergiepark in Saerbeck vereint Umwelt-, Klima- und Naturschutz. (Foto: privat)

Und wie ist er an das Praktikum bei der Klimakommune gekommen? „Ich habe eine Fortbildung zum Klimamanager bei Prof. Wetter belegt – das sind fünf Vorlesungen und eine Prüfung, für eine zusätzliche Qualifikation neben dem Studium. Da mir die Themen sehr gefallen und Prof. Wetter schon lange mit der Klimakommune Saerbeck kooperiert, habe ich angefragt und mich einfach beworben. Und ich kann jetzt zum Schluss wirklich sagen: Es war nicht nur ein Pflichtpraktikum für mich!“

Von Theresa Gerks


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