Sebastian Schürmann träumt – von Bestzeiten, von Europa- und Weltmeisterschaften und von Olympia. Trotzdem denkt er auch an die Zeit danach, an einen Job im Controlling oder im Sportmanagement. Darum studiert der Langsprinter BWL an der FH Münster.
Sebastian Schürmann.

Groß, blond, lässig gekleidet: Sebastian Schürmann fällt zwischen seinen Kommilitonen kaum auf. Die rund 20 Stunden Training in der Woche sieht man ihm auf den ersten Blick nicht an. „Ich bin eigentlich auch zu schwer für einen Sprinter“, sagt er und lacht. Gut, dass er das Minimalprinzip kennt und „ökonomisch“ laufen kann, wie er es nennt. Deswegen hat sich Sebastian aber nicht für das BWL-Studium entschieden: „Ich weiß, dass meine Sportkarriere in einigen Jahren vorbei ist, und dann möchte ich eine Perspektive haben.“

»Ich weiß, dass meine Sportkarriere in einigen Jahren vorbei ist, und dann möchte ich eine Perspektive haben.«Sebastian Schürmann

Gesagt, getan! Schule, Abi, Bachelor und einen Master möchte er auch noch machen. Um das neben dem Sport zu schaffen, muss Sebastian das Studium nach dem Training richten und einen großen Teil seiner Freizeit opfern. Ob er etwas verpasst? „Ich glaube nicht, zumindest vermisse ich nichts, und ich erlebe dafür ja auch andere Sachen.“ Was er allerdings verpasst, wenn er mehrere Wochen pro Jahr im Ausland trainiert, ist der Vorlesungsstoff. Den allein zu erarbeiten, fällt nicht leicht: „Das ist schon manchmal gar nicht so einfach, weil mir die ganzen Notizen fehlen.“

Sebastian Schürmann.

Die Professoren können darauf keine Rücksicht nehmen, aber seine Kommilitonen springen oft mit Skripten und Altklausuren in die Bresche. Ohne diese Hilfe wäre er manchmal ganz schön aufgeschmissen, erzählt Sebastian. Im nächsten Semester wird er viele bekannte Gesichter leider nur noch in der Mensa treffen, weil seine Kommilitonen in das nächste Fachsemester wechseln und ihn so überholen. Mit seinem Anspruch, gute Noten zu schreiben, schafft der Sprinter nur Dreiviertel des Semesterpensums. Aber für seinen Traum nimmt er gerne in Kauf, einmal nicht der Schnellste zu sein.

Von Ronja Hoffmann


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