150 Euro im Monat, warm. So günstig ist die Miete für Hrachya Shahnazaryans helle Wohnung mit Bad und nagelneuer Küchenzeile – dank des Projekts „Wohnen für Hilfe“. Mehrere Wochen hatte der Student der Physikalischen Technik zuvor in Münster und Umgebung verzweifelt nach einer Bleibe gesucht.
Hrachya Shahnazaryan studiert bei uns den Bachelor Physikalische Technik im ersten Semester.

„Hast du endlich eine Wohnung?“ Mit dieser Frage hat Hrachyas Mutter ihn in den Wochen vor seinem Studienbeginn oft gelöchert. „Im August war ich noch ziemlich entspannt“, erinnert sich der 22-Jährige. Er ist in Armenien aufgewachsen und vor acht Jahren zu seiner Familie nach Ostfriesland gezogen. Von Aurich aus kontaktierte er zahlreiche WGs und Vermieter in Münster, Steinfurt und Umgebung. „Viele haben direkt abgesagt oder sich gar nicht zurückgemeldet. Im September bin ich dann richtig nervös geworden.“ Er fing an, den Suchradius bis Gronau auszuweiten – ohne Erfolg.

Unter dem Dach hat der Student sein eigenes kleines Reich, inklusive Küchenzeile. (Fotos: Victoria Liesche)
Unter dem Dach hat der Student sein eigenes kleines Reich, inklusive Küchenzeile. (Fotos: Victoria Liesche)

Wenige Tage vor der ersten Vorlesung stieß er im Internet auf den Verein „Wohnen für Hilfe“. Das Konzept: Studierende wohnen kostengünstig mit älteren Menschen zusammen und übernehmen Tätigkeiten in Haus und Garten. Schon zwei Tage später hatte er ein Treffen mit dem Vereinskoordinator Erwin Stroot und einem potenziellen Vermieter. „Wir haben uns sofort gut verstanden“, sagt Hrachya. Etwa eine Woche später zog er in das Reihenhaus in Münster-Coerde ein und wohnt seitdem in einer ungewöhnlichen WG mit seinem 62-jährigen Vermieter.

Erst kurz vor Semesterbeginn stieß Hrachya auf die Webseite des Projekts „Wohnen für Hilfe“ – nach mehreren Wochen frustrierender Wohnungssuche.
Erst kurz vor Semesterbeginn stieß Hrachya auf die Webseite des Projekts „Wohnen für Hilfe“ – nach mehreren Wochen frustrierender Wohnungssuche.

„Wir unterhalten uns oft und kochen manchmal abends zusammen“, erzählt der Student. „Er gibt mir auch viele Tipps zum Leben in Münster und hat mir geholfen, ein Fahrrad zu kaufen.“ Und auch der Vermieter profitiert von seinem neuen Mitbewohner: „Im Vertrag über unsere Wohnpartnerschaft steht, dass ich 18 Stunden im Monat helfen muss – aber bis jetzt hatte er noch nicht so viele Aufträge für mich. Nur mal Schneeschieben und ein bisschen Gartenarbeit.“

An seinem hellen Arbeitsplatz kann sich Hrachya, der vor seinem Studium neben der Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Lasertechnischen Assistenten absolviert hat, in Ruhe auf die ersten Klausuren vorbereiten.
An seinem hellen Arbeitsplatz kann sich Hrachya, der vor seinem Studium neben der Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Lasertechnischen Assistenten absolviert hat, in Ruhe auf die ersten Klausuren vorbereiten.

Privatsphäre haben beide trotzdem genug: Hrachya wohnt im Dachgeschoss, das als komplette Einliegerwohnung ausgebaut ist. Die Lage gefällt ihm gut: Schön ruhig, nah zum Bahnhof Zentrum Nord mit guter Zugverbindung nach Steinfurt und nicht weit bis zum Boxzentrum Münster, wo er neuerdings trainiert. Auch an der Hochschule hat er dank O-Woche schnell Anschluss gefunden. „Ich bin mehr als zufrieden“, sagt Hrachya über seinen Start in Münster und Steinfurt. „Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich gut durch meine ersten Klausuren komme!“

Von Victoria Liesche


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