„Momentan ist elbén mein Leben“, sagt Janis Bakozahos. Der Masterstudent engagiert sich für das lokale Flüchtlingsprojekt, das syrische Geflüchtete mit Menschen zusammenbringt, die in Deutschland beheimatet sind – durch Begegnung und Austausch, aber auch mit typisch syrischem Essen. Dafür betreibt elbén in Münster einen Street-Food-Laden und einen Foodtruck, in denen syrische Geflüchtete arbeiten können.
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„Gerade schreibe ich mit einem Kommilitonen am Businessplan für das Projekt, wir wollen zukünftig noch stärker wachsen. Vorher habe ich die Preise neu kalkuliert und bei der Suche nach einem geeigneten Laden geholfen“, erzählt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann. „Mir macht’s tierisch Spaß hier und ich mag es, individuelle Lösungen für kleine Unternehmen zu finden. Da kann ich auch mein Wissen aus dem Wirtschaftsingenieurwesen-Studium praktisch anwenden.“

Janis am PC
Sein Office ist überall – ob daheim oder direkt im Manakish Bistro an der Scharnhorststraße: Janis ist bei elbén für alles Betriebswirtschaftliche zuständig. (Fotos: Theresa Gerks)
»Ich mag es, individuelle Lösungen für kleine Unternehmen zu finden!«Janis Bakozahos

Aber Janis ist nicht nur für alles Betriebswirtschaftliche bei elbén zuständig. Als Ehrenamtlicher hält er den angestellten syrischen Geflüchteten den Rücken frei – hilft bei der Sprache, wichtigen Unterlagen und Bewerbungen, ist bei Wander- oder Kickerevents mit den Geflüchteten dabei. „Hier kommt ein Menschenmix zusammen, der einfach total interessant ist“, sagt der 27-Jährige. „Ich quatsche mit Leuten, die ich sonst nie treffen würde. Und ich möchte helfen – ich wäre auch dankbar, wenn man mir die Hand reichen würde. Das ist ein sehr schönes Gefühl!“ Aktuell sind dort 15 syrische Geflüchtete fest angestellt und ungefähr 20 Ehrenamtliche helfen, wo und wie sie können. „elbén“ ist syrisch und bedeutet „Zwei Herzen“ – die sieht man auch im Unternehmenslogo.

Janis mit Chefkoch Mahoud Bari
Janis mit Chefkoch Mahoud Bari

Das Projekt und seine besondere Gemeinschaft sind Janis „vor die Füße gefallen“, wie er sagt. Den Gründer und Geschäftsführer Nedal Georges hat er nämlich per Mitfahrgelegenheit kennen gelernt: Im Winter 2016 war er Janis‘ einziger Mitfahrer auf dem Weg von Frankfurt nach Münster. „Wir haben dreieinhalb Stunden durchgequatscht und uns direkt unfassbar gut verstanden“, berichtet Janis. „Nedal wollte elbén damals breiter aufstellen, suchte Unterstützer mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Nach der Fahrt war ich dabei!“

Mitarbeiterin im Food-Truck
Fragen? Kein Problem – die syrischen Geflüchteten, die bei elbén arbeiten, geben gerne Antworten und freuen sich auch darüber, einfach mal so zu quatschen. Ihre Arbeit ermöglicht ihnen Unabhängigkeit und erleichtert die Integration.

Und Janis geht so sehr in seinem Ehrenamt auf, dass er derzeit ein Semester vom Studium pausiert um sich ganz elbén zu widmen. „Ich verbringe dort zurzeit häufig mehr als 30 Stunden die Woche. Wir sind wie eine Familie. Gleichzeitig habe ich noch zwei Nebenjobs. Da würde das Studium sonst auf der Strecke bleiben.“ Nach dem Studium könnte er sich sogar vorstellen, in einer anderen Stadt eine elbén-Filiale zu eröffnen. „Ich hätte auf jeden Fall Lust darauf“, sagt Janis. Das Thema Social Franchising jedenfalls steht bei elbén definitiv im Raum …

Von Theresa Gerks


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