Eine Parkbank ist für jeden etwas Anderes: Ältere nehmen Platz, um sich auszuruhen, Kinder toben auf ihr herum, Sportler nutzen sie für ihr Workout. Alle diese Bedürfnisse müssen unter einen Hut passen – genau das macht universelles Design aus. Pia Willing und Rebecca Arnold entwarfen eine Bank, die noch viel mehr ist.
Die Bank hat drei Ebenen: eine niedrige für Kinder, als Picknicktisch oder zum Abstellen von Taschen und eine mittlere zum Sitzen. Die oberste Ebene kann als Tisch genutzt werden oder für Fitnessübungen. (Foto: Rebecca Arnold)

Entstanden ist sie im Seminar „Universal Design“ von Prof. Steffen Schulz, und damit bietet der Fachbereich Design generationsübergreifende Themen auch ganz offiziell im Rahmen des Studiums an. 

„Zuerst haben wir uns theoretisch damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, Design für alle zu machen“, erzählt Pia. Denn das heißt, alle Altersgruppen und auch Menschen mit Einschränkungen im Blick zu haben. „Mein Vater sitzt im Rollstuhl und wenn wir mit ihm spazieren fahren, ist es oft schwierig, den Rollstuhl neben einer Bank abzustellen, weil das Gelände zum Beispiel abschüssig ist“, berichtet die 21-Jährige. „Bei unserer Bank befindet sich die Armlehne in der Mitte, sodass ein danebenstehender Rollstuhl nicht abgegrenzt wird“, erläutert Rebecca. „Wenn man sich andersrum draufsetzt, dient die obere Ebene als Tisch, wobei der Rollstuhl sich ganz einfach darunter schieben lässt.“

Rebecca und Pia mit dem 1:10 Modell ihrer multifunktionalen Bank. Sie hat drei Ebenen: eine niedrige für Kinder, als Picknicktisch oder zum Abstellen von Taschen und eine mittlere zum Sitzen. Die oberste Ebene kann als Tisch genutzt werden oder für Fitnes
Rebecca und Pia mit dem 1:10 Modell ihrer Bank. Sie hat drei Ebenen: eine niedrige für Kinder, als Picknicktisch oder zum Abstellen von Taschen und eine mittlere zum Sitzen. Die oberste Ebene kann als Tisch genutzt werden oder für Fitnessübungen. (Foto: Stefanie Gosejohann)

Auch an Ältere und Kinder haben die beiden angehenden Designerinnen gedacht: Die mittlere Sitzebene ist etwas erhöht und die Lehne ein bisschen steiler als normal, was die Benutzung für Senioren leichter macht. Die untere Ebene können Kleinkinder selbstständig erklettern. Dass ihre Idee auch in der Praxis gut ankommt, haben sie bei der Universal Design Competition des Instituts für Universal Design (IUD) erfahren: „Eine gemischte Konsumentengruppe mit 100 Leuten, zu der auch Menschen mit Einschränkungen gehören, hat unser Projekt mit dem Consumer Label ausgezeichnet“, berichten die beiden Freundinnen. „Es war total spannend, gemeinsam mit Prof. Schulz und unseren Kommilitonen zu dem Wettbewerb nach München zu reisen. Wir haben viele hilfreiche Tipps erhalten: etwa das Gestell anders zu konstruieren, damit man bei der Nutzung als Bank mit Tisch leichter einsteigen kann.“

Gemeinsam mit ihrem Professor Steffen Schulz reisten die beiden angehenden Designerinnen zur Universal Design Competition nach München und wurden dort mit dem Consumer Label ausgezeichnet. (Foto: IUD/Daniel George)
Gemeinsam mit ihrem Professor Steffen Schulz reisten die beiden angehenden Designerinnen zur Universal Design Competition nach München und wurden dort mit dem Consumer Label ausgezeichnet. (Foto: IUD/Daniel George)

Jetzt verfolgen Pia und Rebecca das Thema multifunktionale Sitzgelegenheiten für den Außenbereich sogar als ihr Bachelorprojekt. Dafür werden sie ein neues Konzept aufbauen, das weiterhin dem Design für alle entsprechen soll. „Wir sind gerade auf der Suche nach Kooperationspartnern, für Kurorte wäre das sicherlich interessant.“

Von Stefanie Gosejohann


Seite drucken