Eine fremde Stadt, eine schwierige Sprache, distanzierte Menschen und minus 11 Grad Außentemperatur: „Mein Start in Münster war hart“, erinnert sich Gabriel de Mattos Strada, der aus seiner Heimat Brasilien Sonne und Offenheit gewohnt ist. Doch nach sechs Monaten Forschungspraktikum in unserem Labor für Software Engineering ist dem Studenten der Abschied schwergefallen.
Zeichnen, drucken, messen – und natürlich beim Laufen testen (Bild oben): Viele Versuche waren nötig, bis Gabriel das perfekte Design der Sensoren gefunden hatte.  (Fotos: Jens Peters)

Ein paar deutsche Vokabeln kannte der 20-Jährige bereits vor seinem Aufenthalt, denn er stammt aus einer Gegend in Südbrasilien, die im 19. Jahrhundert bei deutschen Auswanderern beliebt war. Dank der Intensiv-Sprachkurse in Münster hat sich sein Wortschatz enorm vergrößert: „Ich möchte unbedingt gut Deutsch können – es ist ja weltweit als die ‚Sprache der Ingenieure‘ bekannt“, sagt Gabriel. Deshalb war er auch direkt Feuer und Flamme, als Prof. Dr. Reinhart Job ihm 2017 bei einem Brasilien-Besuch vorschlug, ein Praktikum an unserer Hochschule zu machen.

Gabriel studiert Biomedizinische Technik und passte damit gut in die interdisziplinäre Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Gernot Bauer. Die forscht im Labor für Software Engineering unter anderem zur Interaktion zwischen Läufern und digitalen Geräten wie Smartwatches. Er unterstützte Doktorand Matthias Seuter vor allem mit seinem biomedizinischen Know-how. „Es ging darum, Sensoren zu entwickeln, die an verschiedenen Stellen an Beinen und Armen angebracht werden und Bewegungsdaten an die Smartwatch übertragen. Ich musste herausfinden, welche Punkte am Körper dafür geeignet sind und welches Material für den Sportler am komfortabelsten ist.“ Unzählige Zeichnungen auf Papier und am Computer und viele im 3D-Drucker gefertigte Gussformen waren nötig, bis Gabriel den idealen Prototyp aus Silikon in den Händen hielt. „Zum Testen habe ich mir die Sensoren immer selbst an den Körper gebunden und bin damit durch den Büroflur und am Hafen entlang gejoggt“, erzählt Gabriel lachend.

Zeichnen, drucken, messen – und natürlich beim Laufen testen (Bild oben): Viele Versuche waren nötig, bis Gabriel das perfekte Design der Sensoren gefunden hatte.
Zeichnen, drucken, messen – und natürlich beim Laufen testen (Bild oben): Viele Versuche waren nötig, bis Gabriel das perfekte Design der Sensoren gefunden hatte. (Fotos: Jens Peters)
Gabriel hat die Arbeit im interdisziplinären Team und die Ausstattung des Labors – inklusive 3D-Drucker – gut gefallen.
Gabriel hat die Arbeit im interdisziplinären Team und die Ausstattung des Labors – inklusive 3D-Drucker – gut gefallen. (Foto: Victoria Liesche)

Auch abseits der Arbeit lief es gut für ihn – durch die vielen internationalen Mitbewohner in seinem Studentenwohnheim und die Aktionen unseres International Office knüpfte er schnell viele Kontakte. „Ich hatte immer Leute, mit denen ich was unternehmen konnte, auch viele Reisen.“ Das Highlight waren vier Tage auf Island: „Mein Traumziel! Die Landschaft dort ist einfach unglaublich, wie im Märchen“, schwärmt Gabriel.

Der Medizintechnik-Student genoss es, sich intensiv in das Forschungsthema einzuarbeiten.
Der Medizintechnik-Student genoss es, sich intensiv in das Forschungsthema einzuarbeiten. (Foto: Victoria Liesche)

Und auch sein Eindruck von Münster verbesserte sich, je höher die Temperaturen stiegen: „Es war toll zu sehen, wie die Deutschen den Sommer draußen genießen! Als es einige Wochen so heiß war, war ich jeden Tag nach der Arbeit im Kanal schwimmen oder am Aasee grillen. In Brasilien verkriechen sich dann viele drinnen, bei der Klimaanlage!“

Von Victoria Liesche


Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken