Yacoub ist erst 17 Jahre alt, trotzdem hat der Junge bereits einen langen Weg hinter sich. Aus dem krisengeschüttelten Mali floh er - über Burkina Faso, Libyen, Sizilien bis nach Dortmund. Er möchte für immer in Deutschland bleiben, um seinem Leben hier eine Zukunft zu geben. Prof. Dr. Peter Hansbauer unterstützt ihn dabei.
Prof. Dr. Peter Hansbauer hat die Vormundschaft für den 17-jährigen Yacoub übernommen.

Yacoubs Asylantrag wurde abgelehnt, weil er über den sicheren Drittstaat Italien eingereist war. „Aber er hat zunächst ein dreijähriges Aufenthaltsrecht und anschließend Anspruch auf Erteilung einer Niederlassungserlaubnis“, erklärt Hansbauer. Der Hochschullehrer am Fachbereich Sozialwesen kennt sich damit aus: In einem Bundesprojekt hatte er das Thema Vormundschaft untersucht. Nun ist er selbst Vormund – von Yacoub. „Ich wollte auch persönlich etwas machen, außerhalb jeder wissenschaftlichen Expertise.“

»Ich wünsche mir, dass sich mehr Ehrenamtliche für eine Vormundschaft finden. «Prof. Dr. Hansbauer

Hansbauer traf sich mit Yacoub alle 14 Tage, zumeist in Münster, manchmal in Ochtrup. Dort sind in einer Heimgruppe „erste Perspektiven geklärt worden, und in der Hauptschule lernte der französischsprachige Junge Deutsch“, berichtet Hansbauer. Der 51-Jährige ist Ansprechpartner für alles, was Yacoub auf dem Herzen hat: vom Handyvertrag bis zum Suchantrag nach der Mutter, zu ihr möchte der Halbwaise wieder Kontakt haben. Seine ersten Kino-, Zoo- und Cafébesuche gehen ebenfalls auf Hansbauers Konto. Damit sich Yacoub sprachlich und persönlich weiterentwickelt, kümmerte sich der Vormund um eine Pflegefamilie in Münster.

Yacoub spielt bei Borussia Münster Fußball.
Bei Borussia Münster spielt Yacoub Fußball.
Yacoub spielt bei Borussia Münster Fußball.

Hier lernt Yacoub am Hansa-Berufskolleg in einer internationalen Integrationsklasse Deutsch und Mathematik, belegt einen Deutschkurs an der Volkshochschule und spielt Fußball bei Borussia Münster. „Im Moment geht es mit Yacoub mächtig voran.“ Während die Jugendämter überlastet sind, kann sich ein ehrenamtlicher Vormund um einen einzelnen Mündel intensiv kümmern. „Deshalb wünsche ich mir, dass sich mehr Interessenten für eine Vormundschaft finden“, so Hansbauer. Die Minderjährigen brauchen Hilfe und Unterstützung – in ganz praktischen Dingen, aber auch emotional. Besonders natürlich jene, die aus Krisen- und Kriegsgebieten kommen und sich hier ein neues Zuhause erhoffen - so wie Yacoub.

Von Anne Holtkötter


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