Als 2016 der Terroranschlag auf dem Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche passierte, hatten Jürgen Weitkamp und Andreas Rosery eine Idee, die Menschen besser schützen kann. „Es gab da schon die ersten Betonpoller, aber die waren wahnsinnig kompliziert. Wir haben uns gedacht: Das muss einfacher gehen“, erzählt Jürgen.
Jürgen Weitkamp ist Alumnus unseres Fachbereichs Maschinenbau und hat sich mit einem besonderen Konzept für Sicherheitspoller selbstständig gemacht.

So gründeten die beiden Ingenieure ihr Start-up PollerMax, und seit März 2018 produzieren sie Schutzsysteme als Komplettpaket in Heek. Das Besondere: Innerhalb von sechs Stunden ist der Poller einsatzbereit in der Erde. Das System ist vollständig ab Werk zu haben. Bis zu 40 Tonnen halten die Sicherheitssysteme stand. „Bei vielen anderen Pollern müssen hingegen Beton gegossen, Strom angeschlossen und verschiedene Bauteile zusammengefügt werden“, erklärt Jürgen. Außerdem entwickelt er wichtige Extras: Zum Beispiel eine App, mit der sich die Poller hoch- und runterfahren lassen, oder einen besonderen Sicherheitsschlüssel. Deshalb ist der dreifache Familienvater vor allem mit dem Prototypenbau und der Entwicklung beschäftigt. „Im letzten halben Jahr nach der Unternehmensgründung habe ich so viel gerechnet wie in all meinen Berufsjahren zusammen!“

Jürgen stattet einen Poller mit einer Platine für eine energieautarke Beleuchtung aus. (Foto: Theresa Gerks)
Jürgen stattet einen Poller mit einer Platine für eine energieautarke Beleuchtung aus. (Foto: Theresa Gerks)

Dabei hat ihm auch das Studium an unserer Hochschule geholfen – von 1994 bis 1998 studierte er Maschinenbau, Fachrichtung Konstruktionstechnik. „Physik hat mir damals gut gefallen, und Mathematik ist immens wichtig. Man muss lernen, mit Diagrammen zu arbeiten, um technische Zusammenhänge zu verstehen und interpretieren“, sagt Jürgen. Das hat ihm seine Erfahrung gezeigt: Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte er eine Lehre zum Industriemechaniker, machte sein Fachabi und studierte bei uns. Er stieg als Konstrukteur im Sondermaschinenbau ein, arbeitete danach sieben Jahre lang als Betriebsingenieur und war dann zwölf Jahre als Projektmanager in einem Verpackungskonzern tätig.

Sicherheit hat oberste Priorität. Deshalb gibt es zu jedem Poller einen individuellen Aufsetzer für den Akkubohrer – ein Schlüsselersatz. Mit ihm lässt sich der Poller auf die richtige Höhe einstellen. (Foto: Theresa Gerks)
Sicherheit hat oberste Priorität. Deshalb gibt es zu jedem Poller einen individuellen Aufsetzer für den Akkubohrer – ein Schlüsselersatz. Mit ihm lässt sich der Poller auf die richtige Höhe einstellen. (Foto: Theresa Gerks)
Unmittelbar nach dem Crash: Beim Crashtest hat der Poller einen Lkw mit 7,5 Tonnen Gesamtgewicht und einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern in einer Wegstrecke von 0,53 Metern zum Stehen gebracht. Der Poller blieb dabei unversehrt und funktionsfähig, während der Lkw heftige Deformationen davontrug. (Fotos: Poller Max)
Unmittelbar nach dem Crash: Beim Crashtest hat der Poller einen Lkw mit 7,5 Tonnen Gesamtgewicht und einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern in einer Wegstrecke von 0,53 Metern zum Stehen gebracht. Der Poller blieb dabei unversehrt und funktionsfähig, während der Lkw heftige Deformationen davontrug. (Fotos: Poller Max)

„Sich mit einer eigenen Idee selbstständig zu machen, davon habe ich immer geträumt“, sagt der 44-Jährige. Dass es jetzt tatsächlich geklappt hat, freut ihn Tag für Tag. Und er glaubt an die Idee. „Unser Produkt trifft den Nerv der Zeit!“ Einige Poller sind bereits in Heek verbaut, 26 Systeme in die Niederlande verkauft. Das Ziel: „Auf jeden Fall expandieren – eine effektive Produktion aufzubauen um in Zukunft entsprechende Stückzahlen liefern zu können.“

Von Theresa Gerks  


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