Es sollte etwas sein, das einen Bezug zum Münsterland hat. Eine Tradition mit einer schönen Geschichte dahinter. Etwas, das die Menschen im Laufe der Zeit vielleicht vergessen oder aus den Augen verloren haben. Elisabeth Beckhoff ging auf die Suche und entdeckte schließlich den Thomas-Esel – ihr Beitrag zum „Budenzauber 2015“. Die Teilnehmer des Design-Seminars entwickeln Produkte zum Advent. Grundlage sind Traditionen oder Gewohnheiten aus dieser besinnlichen Zeit. So wie bei Elisabeth.
Budenzauber: Seminar an der FH Münster. (Foto: Moritz Schäfer)

„Früher gab es am St.-Thomas-Tag, also am 21. Dezember, in vielen Orten im Münsterland einen Brauch", erklärt sie. "Wer als Letzter aus dem Bett kam und zu spät in der Schule beziehungsweise auf der Arbeit war, wurde als Thomas-Esel gehänselt." Ein Brauch, den heute nur noch wenige kennen. Auf dieser Grundlage entwickelte Elisabeth ihr Produkt: Eine hölzerne Eselbrosche, die man als humoristische Auszeichnung tragen oder als Adventsschmuck aufhängen kann. Das Design ist ebenfalls regional ausgerichtet – es erinnert an Fachwerkbauten aus dem Münsterland. Die Fertigung hat mit Traditionen allerdings wenig zu tun. Mit einem Laser werden die Esel in der Werkstatt des Fachbereichs ausgeschnitten.

»Du brauchst immer einen Plan B. Besser auch noch C!«Jaclyn Leupold

Ebenso regional verankert ist der Entwurf von Jaclyn Leupold. Ausgangspunkt  war ihr erster Eindruck von Münster: „So viele Fahrräder.“ Sie sammelte alte Teile. Vor allem Kettenblätter und Ritzel, die sie an Sterne und Sonnengebilde erinnerten und damit schon ein bisschen Weihnachtspotenzial mitbrachten.  „Die Frage war nur: Wie macht man daraus ein hochwertiges Produkt?“ Jaclyn recherchierte, wie sich das Metall veredeln ließe, machte Skizzen, drehte und wendete die Teile. „Irgendwann habe ich gedacht: Mal schauen, wie das klingt“, erinnert sie sich. „Und das klang richtig gut.“ Gesäubert, sandgestrahlt, gewachst und an einer pfiffigen Halterung aus Holz befestigt, wird der vermeintliche Schrott zu Münsters Antwort auf die Triangel: Dem „Leezeling“. 

Der Thomas-Esel von Elisabeth Beckhoff. (Foto: Moritz Schäfer)
Der Thomas-Esel von Elisabeth Beckhoff. (Foto: Moritz Schäfer)
Der Thomas-Esel von Elisabeth Beckhoff wird im Seminar besprochen. (Foto: Moritz Schäfer)

Auch wenn die fertigen Produkte es nicht immer verraten: Das Seminar verlangt den Teilnehmern einiges ab. Zwei Monate haben sie Zeit, eine Idee zu finden und das Produkt zur Marktreife zu bringen. „Durch den Druck lernst du aber eine Menge“, sagt Elisabeth. Sich selbst Fristen setzen, einen strammen Zeitplan entwickeln und dadurch zielorientiert arbeiten zum Beispiel. Während der Seminarsitzungen werden die Entwürfe in der Gruppe kritisch beäugt. „Du brauchst immer einen Plan B. Besser auch noch C“, sagt Jaclyn. Man sehe aber schnell, ob ein Entwurf gut ankommt oder nicht: „Wenn sie es gern anfassen wollen, ist das ein gutes Zeichen.“

Jaclyn Leupold entwickelte den Leezekling. (Foto: Moritz Schäfer)
Jaclyn Leupold entwickelte den Leezekling. (Foto: Moritz Schäfer)
Jaclyn Leupold entwickelte den Leezekling. (Foto: Moritz Schäfer)

Präsentiert und verkauft werden die Produkte der Studierenden einmalig am 28. November bei Ventana an der Stubengasse 22 in Münster. 

Von Moritz Schäfer


Seite drucken