Weiße Weihnachten gibt es für Hannah Dörr-Kling dieses Jahr ganz sicher nicht. Die Studentin der Sozialen Arbeit verbringt gerade ihr Praxissemester an der Universidad Católica in Montevideo. Und dort beginnt jetzt der Sommer.
Hannah Dörr-Kling am Strand

„Der Jasmin duftet überall und es riecht nach Frühling“, erzählt Hannah. „Alle sind draußen und genießen das warme Wetter.“ Auch die Vorfreude auf Karneval gehört zur Adventszeit in Uruguay: „Candombe“-Gruppen ziehen trommelnd und tanzend durch die Straßen. An den Wochenenden finden sehr häufig „Asados“ statt, Grillfeste an einer offenen Feuerstelle. „Dabei wird alles geteilt“, berichtet die Bachelorstudentin. „Das Fleisch wird auf einem großen Teller angerichtet, von dem dann alle essen.“ Mehrere Personen trinken aus einem Glas und auch der traditionelle Matetee wird herumgereicht, wobei alle dieselbe „Bombilla“ benutzen, einen Trinkhalm aus Metall. Der „Mate“ ist in Uruguay allgegenwärtig: „Sogar beim Einkaufen haben viele ihren Thermosbecher dabei und trinken, während sie gleichzeitig bezahlen“, schildert die 22-Jährige, die sich beim Fachbereich Sozialwesen für den Austausch beworben hatte.

Hannah Dörr-Kling

Kulinarische Weihnachtsspezialitäten gibt es in Uruguay nicht. An Heiligabend trifft sich die ganze Familie zum Feiern, meist beim Asado. Dazu fließt ziemlich viel Alkohol: Wein, Bier, Sekt und vor allem „Grappamiel“, ein Mixgetränk mit Grappa und Honig. In den meisten Häusern blinkt ein Plastikweihnachtsbaum und „Papá Noel“ bringt die Geschenke. „Meine Mitbewohnerin hat mich eingeladen“, sagt Hannah. „In ihrer Familie hätte ich ein typisches uruguayisches Weihnachtsfest miterleben können“. Aber nun kommen über die Feiertage zwei Freundinnen aus Münster. Hannah hat ein Ferienhäuschen in einem kleinen Dorf gebucht. Dort werden die drei Mädels zwar auch Weihnachten feiern, aber hauptsächlich den Sommer genießen, baden gehen und zusammen Spaß haben: „Wir machen es uns schön da.“

Fleisch auf dem Grill
offene Feuerstelle

Im Januar endet Hannahs Praktikum. Gefördert über das DAAD-Auslandsstipendium PROMOS hat sie knapp sechs Monate lang im sozialen Projekt „Repique“ kulturelle Workshops und Ausflüge für Straßenkinder organisiert. Bei Familienbesuchen lernte sie deren ärmliche Behausungen kennen. „Das war erschreckend und beeindruckend zugleich.“ Vor ihrer Rückkehr nach Münster plant Hannah noch eine ausgiebige Reise durch Südamerika, die sie bis nach Patagonien und in die südlichste Stadt der Welt, nach Ushuaia, führen wird.

Von Stefanie Gosejohann

Hannah Dörr-Kling
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