Jungs basteln gern – Mädchen nicht. Ein Klischee, das sich beim Blick auf den Arbeitsmarkt der Elektrotechnik bestätigt: Unter den Ingenieuren zwischen 30 und 50 Jahren finden sich dort nur drei Prozent Frauen. Prof. Dr. Doris Danziger möchte das ändern. Sie ist die einzige Professorin am Fachbereich Elektrotechnik und Informatik, an dem sechs Prozent der Studierenden weiblich sind. Zu wenig, sagt Danziger.
Prof. Dr. Doris Danziger engagiert sich an der FH Münster für mehr Frauen in der Elektrotechnik. (Foto: Moritz Schäfer)

„Man darf junge Frauen einfach nicht in typische Klischee-Rollen lenken“, sagt sie. „Stattdessen müssen wir möglichst früh Berührungspunkte zu technischen Berufen ermöglichen, um Interesse zu wecken und Möglichkeiten aufzuzeigen.“ Dafür geht Danziger in Schulen, bietet Schnupperpraktika in ihrem Labor an. Alles, um das kreative Potenzial zu zeigen, das in diesen Berufen steckt. Außerdem organisiert sie jedes Semester Treffen für Studentinnen – zum Austausch. „Es ist ein geiler Job – aber das müssen wir jungen Menschen eben auch beweisen!“ Dafür erhofft sie sich Unterstützung. Im Kollegium, in dem sie die einzige Frau ist, und auch von den Schulen in der Region.

»Man darf junge Frauen einfach nicht in diese typischen Klischee-Rollen lenken!«Prof. Doris Danziger

Mehr Frauen würden der Branche gut tun, da ist sich Danziger sicher. Zum Beispiel in der Produktentwicklung. „Frauen haben eine ganz andere Herangehensweise, wenn es um die Nutzung der Produkte geht“, sagt sie. Die Teilhabe an der Gestaltung dieser Produkte wäre ein Gewinn. Als Beispiel nennt sie technische Geräte wie DVD-Player oder den Beamer in ihrem Labor. „Solche Geräte sind nicht immer intuitiv zu bedienen“, sagt sie. „Ich mutmaße in den Veranstaltungen gern mal, dass der Entwurf sicher von Männern kommt.“

Prof. Dr. Doris Danziger mit Studierenden des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik der FH Münster. (Foto: Moritz Schäfer)
Prof. Dr. Doris Danziger mit Studierenden des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik der FH Münster. (Foto: Moritz Schäfer)

Entscheidung oft gegen Technik und für Familie

Dass sich junge Frauen oft gegen ein technisches Studium entscheiden, habe viele Gründe. „Das liegt sicher auch daran, dass dieses Berufsfeld nicht das familienfreundlichste ist“, sagt Danziger. Eine Familienpause bei Nachwuchs etwa – das sei oft schwierig. „Andere Länder sind da weiter!“ In Griechenland, Chile oder Spanien sei sowas kein Problem. Auch Deutschland verändere sich in die richtige Richtung, sagt Danziger. „Aber zu langsam!“

Von Mortiz Schäfer


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