Die Wände neu tapezieren, den Teich ausbauen oder den Garten umgestalten – nach seiner Pensionierung 2010 hätte Dr. Klaus-Peter Arlt für solche Dinge endlich einmal Zeit gehabt. Doch dem Chemiker, der Karriere bei BASF gemacht und über 30 Jahre in dem Konzern gearbeitet hatte, wurde schnell langweilig. Eine neue Aufgabe musste her! Gefunden hat er sie an unserer Hochschule: als Seniorprofessor am Fachbereich Chemieingenieurwesen.
Prof. Dr. Klaus-Peter Arlt während einer Veranstaltung am Fachbereich Chemieingenieurwesen.

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt ist der Seminarraum in Steinfurt, als Arlt ihn betritt. Rund 40 Studierende sind hergekommen, um ihm drei Stunden lang zuzuhören. „Technology of Coatings“ heißt seine Vorlesung im Wintersemester, die Arlt auf Englisch hält. „Das ist besser so, damit mich auch unsere Gaststudierenden aus dem Ausland verstehen können.“ Er spricht über die chemischen Prozesse und die technischen Schritte, die bei der Herstellung und Verarbeitung von Automobillacken nötig sind. Obwohl das ein Lieblingsthema von Arlt ist, hatte er zunächst viel Arbeit: Er musste die komplette Vorlesung aufbauen, ausgiebig Fachliteratur studieren und seine Sprachkenntnisse auffrischen. „Ich habe noch nie so viel über Lacke gewusst, wie jetzt als Rentner“, schmunzelt der 68-Jährige. 

»Ich habe noch nie so viel über Lacke gewusst, wie jetzt als Rentner.«Prof. Dr. Klaus-Peter Arlt

Zurück zum alten Arbeitgeber führt ihn sein Weg von der FH Münster trotzdem noch ab und an. Einmal im Jahr besucht er gemeinsam mit seinen Studierenden das Unternehmen. „Das ist für beide Seiten ein Gewinn. Denn so knüpfen sie Kontakte zur Wirtschaft und BASF präsentiert sich als potenzieller Arbeitgeber.“ Circa ein Viertel der deutschen Lack- und Farbenindustrie ist im Münsterland beheimatet. Das Thema Lacke in das Studium zu integrieren, lag deshalb nah – auch mit Blick auf die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte. BASF pflegt seit vielen Jahren eine strategische Partnerschaft mit unserer Hochschule, treibt diese Kooperation aktiv voran und ist weiterhin an dem Kontakt interessiert. Daraus entstanden sind schon einige Bachelor- und Masterarbeiten sowie eine Festanstellung – allesamt vermittelt von Arlt.

Prof. Dr. Klaus-Peter Arlt nutzt in seiner Vorlesung gerne die Tafel, weil manches dadurch einfach besser im Gedächtnis bleibe. Komplett verzichten auf den Beamer will er aber nicht.
Prof. Dr. Klaus-Peter Arlt nutzt in seiner Vorlesung gerne die Tafel, weil manches dadurch einfach besser im Gedächtnis bleibe. Komplett verzichten auf den Beamer will er aber nicht.
Auch die Studierenden schreiben fleißig mit.
Auch die Studierenden schreiben fleißig mit.

Und der mag den Austausch mit seinen Studierenden, die Fragen, die ihn manchmal ganz schön fordern, und die Erkenntnis, dass seine Seniorprofessur für ihn die ideale Aufgabe ist. Mindestens zwei Jahre noch will er damit weitermachen, bis er 70 ist. Doch ob er sich dann in Vollzeit um Teich und Garten kümmern wird, weiß er selbst noch nicht genau. „Ohne diese Art von Stress kann ich einfach nicht leben“, sagt Arlt und lacht. 

Von Katharina Kipp


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