Eine Familie gründen und eine wissenschaftliche Karriere anstreben – geht das überhaupt? Diese Frage stellte sich Prof. Dr. Henriette Strotmann nie, denn mit etwas Glück fügte sich eins zum anderen.
Dekoration im Büro von Prof. Dr. Henriette Strotmann.

Die Bauingenieurin schloss ihre Promotion ab, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war. Lina, Franca und Mascha heißen ihre Töchter, die jetzt 16, 14, und 11 Jahre alt sind. Zwischen der Geburt ihres ältesten Kindes und dem Start an der FH Münster liegen zwölf Jahre, in denen Strotmann ganz für ihre Familie da war. „Ich habe es sehr genossen, viel Zeit mit meinen Töchtern zu verbringen, sie zu unterstützen, zu fördern und ihr Aufwachsen mitzuerleben.“ Genauso sehr genieße sie es jetzt aber auch, sich beruflich zu verwirklichen. „Ich war lange Zeit überwiegend Hausfrau und Mutter – und damit für Dinge wie aufräumen, einkaufen und kochen zuständig. Jetzt finde ich es schön, meine alte Rolle verlassen zu können.“ 

»Ich will für meine Kinder da sein und dafür nehme ich mir Zeit.«Prof. Dr. Henriette Strotmann

Vor rund fünf Jahren ist Strotmann wieder ins Berufsleben eingestiegen – als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Bauingenieurwesen unserer Hochschule. Im März letzten Jahres wurde sie zur Professorin berufen – und behielt ihre halbe Stelle weiterhin. „Ich will für meine Kinder da sein und dafür nehme ich mir Zeit.“ Nach einer so langen Familienphase und mit drei Kindern den Berufseinstieg zu schaffen, das sei schwierig gewesen. Geholfen haben Kontakte und ein bisschen Glück. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort!“ 

Prof. Dr. Henriette Strotmann modelliert am Computer ein Gebäude. (Foto: FH Münster)
Prof. Dr. Henriette Strotmann modelliert am Computer ein Gebäude. (Foto: FH Münster)
Der Kalender, ein Geschenk ihrer Töchter, schmückt das Büro von Prof. Dr. Henriette Strotmann. (Foto: FH Münster)
Der Kalender, ein Geschenk ihrer Töchter, schmückt das Büro von Prof. Dr. Henriette Strotmann. (Foto: FH Münster)

Ihre Studierenden lehrt die 43-Jährige unter anderem Auslandsbau – und lässt dabei ihre eigene interkulturelle Kompetenz mit einfließen. Denn Familie Strotmann hat sechs Jahre lang in Paris gelebt, alle Kinder wurden dort geboren und besuchen heute ein zweisprachiges Gymnasium. Ein Grund für den Umzug in die alte Heimat war das deutsche Schulsystem. „Ich bin auch in Deutschland zur Schule gegangen, kann hier also viel mehr mitreden und meinen Töchtern helfen – das war mir wichtig.“ Den Spagat zwischen Berufs- und Familienleben meistert Strotmann dank guter Planung und Unterstützung ihres Ehemannes. „Es ist manchmal ganz schön stressig, aber ich vermisse überhaupt nichts!“

Von Katharina Kipp


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