„Aber der hier ist der richtige für mich“, sagt Florian Jung. „Das kann mein Traumjob werden.“ Eine Aussage, die verblüffen kann, wenn man weiß, worum es geht: Jung arbeitet bei Zartbitter e. V. Münster, einer Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für Jugendliche ab 14 Jahren, Frauen und Männer.
Armbänder

Zart war ich, bitter war’s. Dieses Zitat einer Betroffenen gab der Beratungsstelle in Münster den Namen. Seit einem Jahr arbeitet der Bachelorabsolvent unseres Fachbereichs Sozialwesen und Student im Masterstudiengang Beratung, Mediation, Coaching hier am Berliner Platz. Anfangs vor allem in der Fortbildung für Erzieher und in der Prävention für Schüler – ab jetzt darf er Beratungsgespräche führen.

»Man muss eine klare Sicht haben, wo man hin will.«Florian Jung

Aber es gibt doch leichtere Jobs in der Sozialen Arbeit. Solche, bei denen man nicht so furchtbare Geschichten hört. „Das stimmt“, sagt der 27-Jährige. „Und zum ersten Mal lerne ich meine Grenzen kennen.“ Doch er weiß, wie wichtig seine Arbeit für die Betroffenen ist. Und er weiß, wie er sich schützen kann. Rituale helfen ihm, die traumatischen Erlebnisse von Betroffenen „abzuschütteln“ und sie nach Feierabend nicht mit dem Rad zu Frau und Kind mitzunehmen. Das erfahrene Team um ihn herum unterstützt ihn dabei, und beim Masterstudium kann er Themen besprechen, die nah an seiner beruflichen Realität sind. „Beides bringt mich voran, der Lernerfolg ist riesig.“

Apropos lernen: Neben Job und Studium paukt der Sozialpädagoge in Bremen die Gebärdensprache. „Denn gehörlose Menschen sind deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt betroffen.“ In einem Jahr will Jung fit sein.

In Sachen Gebärdensprache muss Florian Jung fleißig „lernen“ (Bild links). Dafür fährt er nach „Bremen“ (Bild Mitte), um in dieser Sprache die „Beratung“ (Bild rechts) durchführen zu können.
In Sachen Gebärdensprache muss Florian Jung fleißig „lernen“ (Bild links). Dafür fährt er nach „Bremen“ (Bild Mitte), um in dieser Sprache später die „Beratung“ (Bild rechts) durchführen zu können.
Florian Jung
Florian Jung

Als großes Glück empfindet er seinen Job. Aber er sagt auch: „Man muss eine klare Sicht haben, wo man hin will.“ Und da, wo er jetzt ist, passt alles optimal zueinander: Das Bachelorstudium mit Praktikum zur ersten Stelle in der Schulsozialarbeit, diese wiederum zur jetzigen Präventionsarbeit mit den Schülern, das Masterstudium zur Beratung, das Zartbitter-Team zu ihm, seine Empathiefähigkeit zur nötigen Distanz. Manchmal braucht man einfach beides: eine klare Sicht – und Glück.

Von Anne Holtkötter


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