Irgendwann kam ein breit gebauter Sicherheitsmann auf die drei jungen Frauen zu und fragte, was sie da eigentlich machen würden. „Wir lächeln die Leute an!“, war die Antwort. Die drei Studentinnen waren mitten in einem kleinen wissenschaftlichen Feldversuch – die Münster-Arkaden hatten sie sich dafür als Labor ausgesucht, Passanten wurden zu Versuchskaninchen.
Studentinnen der FH Münster haben ein Experiment zum Thema Lächeln gestartet. (Foto: Moritz Schäfer)

Anna Groß-Bölting, Jessica Schwarz und Nora Andernach studieren an unserer Hochschule Soziale Arbeit. Für das Seminar „Praktiken des Mitseins“ sollten sie einen Aspekt zum Umgang der Menschen im öffentlichen Raum suchen, der sie interessiert und den sie untersuchen wollen. Anna erzählte von einer interessanten Beobachtung, die sie beim Joggen gemacht hatte: „Wenn ich Leute anlächle, dann sind die meist überrascht.“ Auf der Straße sei es dasselbe. „Die Leute gucken weg, gucken wieder hin und man sieht genau was sie denken: „Ja, der meint wirklich mich.““ Ein Phänomen, das die drei genauer untersuchen wollten.

„Uns war schnell klar, dass wir die Menschen dafür nicht einfach nur beobachten“, erklärt Nora. Sie wollten vielmehr aktiv Impulse geben und auf die Menschen zugehen. „Auf diese Weise bekommt man auch bessere Ergebnisse, weil das Lächeln dann ja garantiert ist“, sagt Jessica. Ihr Plan: Im Vorbeigehen sollte eine von ihnen gezielt andere Menschen auf der Straße anlächeln. Den Vorgang würde eine andere beobachten, die dritte sollte die angelächelte Testperson dann abfangen und befragen. Hatte sie gemerkt, dass sie angelächelt wurde? War sie irritiert? Kam es überraschend? Für die spätere Auswertung wurde die Befragung schriftlich festgehalten.

»Also als persönliches Gefühl nehm‘ ich mit, dass es ein sehr schönes Gefühl sein kann, wenn man von jemandem angelächelt wird.«Jessica Schwarz

Zweieinhalb Stunden dauerte der Versuch in den Arkaden – 80 Leute wurden angelächelt, 40 wurden befragt. Das Ergebnis: Viele lächelten zurück, aus den unterschiedlichsten Gründen. „Einige dachten, sie würden uns kennen – die Möglichkeit hatten wir anfangs gar nicht bedacht“, sagt Anna. Andere empfanden es einfach nur als angenehm. Die meisten „Probanden“ reagierten nicht irritiert. „Wenn mich eine junge Frau anlächelt, dann lächel‘ ich doch zurück“, habe etwa ein älterer Herr gemeint. „Hat der nicht auch gesagt, er flirtet gern?“, fragt Anna. „Nein, das war der Engländer“, erinnert sich Nora.

So läuft der Versuch ab: Im Vorbeigehen lächelt Anna eine Testperson an. Nora steht so, dass sie die Testperson später gut abfangen kann. (Foto: Moritz Schäfer)
So läuft der Versuch ab: Im Vorbeigehen lächelt Anna eine Testperson an. Nora steht so, dass sie die Testperson später gut abfangen kann. (Fotos: Moritz Schäfer)
Wenn klar ist, dass das Lächeln bemerkt wurde, gibt Anna ein Zeichen an Nora.
Wenn klar ist, dass das Lächeln bemerkt wurde, gibt Anna ein Zeichen an Nora.
Nora stoppt die Testperson und klärt sie auf. Sofern die Testperson einverstanden ist, folgt eine kurze Befragung. Die Antworten werden notiert.
Nora stoppt die Testperson und klärt sie auf. Sofern die Testperson einverstanden ist, folgt eine kurze Befragung. Die Antworten werden notiert.

Als eine repräsentative Studie würden die drei ihre Aktion nicht wirklich bezeichnen, eher als Experiment. Für das Seminar lieferten die Ergebnisse jedenfalls eine gute Diskussionsgrundlage. „Es wäre aber sicher interessant, das mal ausführlicher zu ergründen“, sagt Nora. Dennoch sind die drei froh um die Erfahrung, die sie machen konnten. „Also als persönliches Gefühl nehm‘ ich mit, dass es ein sehr schönes Gefühl sein kann, wenn man von jemandem angelächelt wird“, sagt Jessica. Da können Nora und Anna nur zustimmend nicken – und lächeln.

Von Moritz Schäfer


Seite drucken