Florian Henrichmann ist Wirtschaftsingenieur. Und Gärtner. Und Fahrlehrer. Die Geschichte des 38-Jährigen zeigt: Auch auf Umwegen kann man den eigenen, goldrichtigen Platz in der Berufswelt finden.
Florian Henrichmann hat bei uns Wirtschaftsingenieurwesen, Fachrichtung Maschinenbau, studiert.

Nach dem Realschul-Abschluss will Florian Geld verdienen, mit den eigenen Händen, am liebsten draußen. Da ist die Gärtnerausbildung bei einer Baumschule ideal. Als er danach nicht übernommen wird, macht er am Berufskolleg sein Fachabi. „Ich wollte mir einfach mehr Optionen offenhalten“, sagt er im Rückblick. 

»Die Mischung aus Wirtschaft und Maschinenbau, das war genau das Passende für mich.«Florian Henrichmann

Die Option, die sich als nächstes bietet: Er fängt als Fahrlehrer in der Fahrschule seines Vaters an. Mehr als zwei Jahre macht das Spaß. Aber dann merkt er, dass der Kopf neues Futter braucht und viele seiner Freunde gerade eine ziemlich gute Zeit als Studenten zu haben scheinen... Also nochmal Schule, Abi nachholen am Weiterbildungskolleg. 

Laien sehen in dem Produktkatalog der Firma Comer nur verwirrende Zahlen und Linien. Für Florian ist er ein wichtiges Hilfsmittel, um den Kunden die Kennzahlen der Getriebe näherzubringen.
Laien sehen in dem Produktkatalog der Firma Comer nur verwirrende Zahlen und Linien. Für Florian ist er ein wichtiges Hilfsmittel, um den Kunden die Kennzahlen der Getriebe näherzubringen.

Anschließend studieren – Gartenbau, BWL oder Jura? Ein Freund erzählt ihm vom Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Münster. „Die Mischung aus Wirtschaft und Maschinenbau, das war genau das Passende für mich“, sagt er. 2009 erhält er sein Diplom – mitten in der Wirtschaftskrise. In Osnabrück findet er eine Anstellung im Öffentlichen Dienst, allerdings fachfremd. Er ist froh, als er bald darauf einen Arbeitsvertrag bei einem Landmaschinenhersteller bekommt. 

Aber mit dem Lernen ist er noch nicht fertig: Er beginnt ein Masterstudium in Wirtschaftsingenieurwesen – neben dem Job und dem Baby, das er inzwischen hat. Leichter wird die Sache dadurch, dass Studium und Arbeitsinhalt perfekt zusammenpassen: Seine Masterarbeit schreibt er über Rundballenpressen, für die er im Produktmanagement sowieso zuständig ist.

Links Florian, rechts Planetengetriebe, das zum Beispiel bei Seilbaggern oder Kränen als Seilwinde eingesetzt wird.
Links Florian, rechts Planetengetriebe, das zum Beispiel bei Seilbaggern oder Kränen als Seilwinde eingesetzt wird.

Dann kommt 2015 ein attraktives Angebot. Der italienische Getriebehersteller Comer Industries bietet ihm an, Vertriebsmanager für das Zentraleuropa-Geschäft zu werden. Ein Karrieresprung, auf den Florian sich gerne einlässt. „Ich bin das Bindeglied zwischen dem Firmensitz in Norditalien und den Kunden, also den Landmaschinenherstellern, in Deutschland, Österreich und der Schweiz“, erklärt er.

Zu jedem Zeitpunkt die richtige Entscheidung

Mit Blick auf seine bisherige Vita: Hätte er sich nicht manche Station sparen können? „Nein“, sagt er. „Es war zu jedem Zeitpunkt einfach die richtige Entscheidung.“ Nach dem Fachabi sei er beispielsweise noch nicht reif genug für ein Studium gewesen. Und er habe stets etwas dazugelernt: „In der Ausbildung habe ich meine Leidenschaft für Landmaschinen entdeckt. Und beim Unterrichten in der Fahrschule habe ich geübt, frei zu sprechen und zu präsentieren.“ Dass er mit der jetzigen Stelle voll und ganz zufrieden ist, bedeutet natürlich nicht, dass er aufhört sich weiterzubilden. Sein nächster Plan: ein Italienischkurs.

Von Victoria Liesche


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