Das kleine Haus, das die Studierenden auf dem Leonardo-Campus in Münster bauen wollten, hatte keinen guten Start. Ausgerechnet der letzte der großen Metallstifte, die als Fundament in die Erde geschraubt wurden, traf eine Fernwärme-Leitung, die im Plan falsch eingezeichnet war. „Genau mittig“, erinnert sich Maximilian Timmermann. „Wir mussten das dann freilegen, um es flicken lassen zu können.“ In dem Loch sammelte sich Wasser. „Am Anfang war’s also ein Haus am See“, sagt Irina Wuckert.
Der Timber Prototype ist ein nachhaltiges Haus aus Holz auf dem Campus der FH Münster. (Foto: Lukas Ursel)

Maximilian und Irina sind zwei von 16 Studierenden, die 2014 am Projekt „Timber Prototype“ mitgearbeitet haben. „Professor Drexler suchte damals Leute, die sich am Entwurf und am Bau beteiligen wollten“, sagt Maximilian. Die Idee: ein kleines, nachhaltiges Gebäude aus Holz. Gebaut mit moderner Technik und modernen Materialien – aber in traditioneller Bauweise. „Einzelne Elemente, aber nicht verklebt, sondern zum Beispiel mit Zimmermannsverbindungen verbunden“, erklärt Irina. „So dass kein Müll entsteht, wenn man es wieder abbaut.“ Denn das war ebenfalls eine Voraussetzung: Man sollte es jederzeit demontieren und andernorts wieder aufbauen können. 

»Es klingt am Anfang ziemlich einfach, wenn man sagt – ok, ich brauche eigentlich nur Schlafplatz, Essplatz und Nasszelle. Aber das auf engem Raum so zusammen zu bekommen, dass es auch komfortabel bleibt – das ist schwierig.«Irina Wuckert

Die Planung war nicht leicht, sagt Irina. „Es klingt am Anfang ziemlich einfach, wenn man sagt – ok, ich brauche eigentlich nur Schlafplatz, Essplatz und Nasszelle. Aber das auf engem Raum so zusammen zu bekommen, dass es auch komfortabel bleibt – das ist schwierig.“ Unter mehreren Entwürfen der Studierenden wählte eine Jury aus Professoren, Industriepartnern und Studierenden schließlich das beste Projekt aus. Dann ging’s auf die Baustelle.

Maximilian Timmermann und Irina Wuckert waren Teil des Teams aus Studierenden, das den Timber Prototype an der FH Münster entworfen und gebaut hat. (Foto: Moritz Schäfer)
Maximilian Timmermann und Irina Wuckert waren Teil des Teams aus Studierenden, das den Timber Prototype an der FH Münster entworfen und gebaut hat. (Foto: Moritz Schäfer)
Der Timber Prototype ist ein nachhaltiges Haus aus Holz auf dem Campus der FH Münster. (Foto: Lukas Ursel)
Der Timber Prototype ist ein nachhaltiges Haus aus Holz auf dem Campus der FH Münster. (Foto: Lukas Ursel)

„Die Holzelemente haben wir selbst bei einer Firma in Ahaus mit der CNC-Fräse hergestellt“, erzählt Maximilian. Insgesamt drei Kilometer Holz schoben die Studierenden dafür in acht Stunden über die Maschine. Ohne Vorwissen. „Morgens hat uns ein Mitarbeiter gezeigt wie die Maschine funktioniert, und dann ging’s los.“ Diese Holzelemente bildeten später übereinandergestapelt die Wände des Hauses. Die eingefrästen Hohlräume sorgen für eine optimale Dämmung.

Fertig: Das Team um den
Fertig: Das Team um den "Timber Prototype" nach der Fertigstellung des Hauses auf dem Leo-Campus der FH Münster. (Foto: Studierende)

Durch den Bau, sagen die beiden, haben die Teilnehmer extrem viel gelernt. Nicht nur, dass manchmal Unvorhergesehenes passieren kann – wie etwa der Unfall mit der Fernwärme. „Man lernt, schon bei der Planung an die Umsetzung zu denken“, sagt Maximilian. „Im Grunde standen wir hier jeden Morgen und haben gesagt: Soundso haben wir es zwar geplant, aber soundso müssen wir es machen, damit es klappt“, erklärt Irina. Das lag sicher an der fehlenden Erfahrung der Studierenden, aber auch daran, dass sie gemeinsam einen Prototyp gebaut haben. Es war ein Versuch, sagen sie. Einer, auf den sie gern und auch mit Stolz zurückschauen.

Der Timber Prototype steht noch immer auf dem Leonardo-Campus. Eigentlich sollte er gelegentlich  Gastdozenten und Honorarprofessoren als Unterkunft dienen. Stattdessen nutzen ihn die Studierenden des Fachbereichs heute selbst fast täglich – als Studio. Im lichtdurchfluteten Raum arbeiten sie an neuen Ideen.

Von Moritz Schäfer


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