Psychische Beeinträchtigungen wie Burn-out, Depression, Angstneurosen oder Zwangsstörungen sind weit verbreitet. Betroffene ziehen sich oft zurück und trauen sich nicht mehr unter Leute. Johannes Kleyboldt hat einer Erkrankten geholfen, wieder aufgeschlossener zu werden und kulturelle oder sportliche Aktionen auszuprobieren.
Johannes Kleyboldt studiert Soziale Arbeit an der FH Münster. Mit seiner Tandempartnerin im Projekt

Johannes war Tandempartner im Projekt „Freundschaft²“ und kümmerte sich ein Semester lang quasi als „Freund auf Zeit“ um eine 33-Jährige, die nach einem Klinikaufenthalt wegen Depression ihr Studium unterbrochen hatte und wieder bei ihren Eltern eingezogen war. Insgesamt zwölfmal trafen sich die beiden, wobei Unternehmungen wie ein Rockkonzert, Cafébesuche, Fahrradtouren, ein Schwimmbadausflug oder Spaziergänge auf dem Programm standen. „Wir haben gleich eine gemeinsame Ebene gefunden“, erzählt der 25-Jährige. „Ich fand es total spannend, die Entwicklung meiner Tandempartnerin zu sehen“, berichtet Johannes. „Es war ein bisschen so wie bei einer Schnecke, die langsam aus ihrem Schneckenhaus kriecht.“

»Es war ein bisschen so wie bei einer Schnecke, die langsam aus ihrem Schneckenhaus kriecht.«Johannes Kleyboldt

Denn seine Projektpartnerin hat noch während das Freundschaft²“-Projekt lief, einige Hürden zurück ins aktive Leben gemeistert: Nachdem der Student der Sozialen Arbeit sie mit zum Badminton genommen hatte (Johannes jobbt nämlich auch als Badmintontrainer), ist sie anschließend allein weiter dorthin gegangen, weil es ihr so gut gefallen hat. Außerdem hat sie sich selbstständig einen Platz in einer betreuten Wohngemeinschaft gesucht und ist auch schon dort eingezogen.

Johannes Kleyboldt, Student der Sozialen Arbeit, hat mit seiner Tandempartnerin im Projekt Freundschaft2 zahlreiche Aktivitäten unternommen. (Foto: Stefanie Gosejohann)
Gemeinsam mit seiner Tandempartnerin unternahm Johannes so einiges. Sie waren gemeinsam im Café, und unternahmen eine Fahrradtour.
Johannes Kleyboldt, Student der Sozialen Arbeit, hat mit seiner Tandempartnerin im Projekt Freundschaft2 zahlreiche Aktivitäten unternommen. (Foto: Stefanie Gosejohann)
Auch ein Ausflug in den Botanischen Garten stand auf dem Programm.

Die Arbeit mit psychisch Kranken fasziniert Johannes schon länger: Er absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Einrichtung für chronisch Suchtkranke, machte eine Ausbildung als Heilerziehungspfleger und verbrachte sein Praxissemester in einem psycho-sozialen Zentrum. Nach dem Studium möchte er ebenfalls auf diesem Gebiet tätig werden. „Es wird immer Menschen geben, die psychisch krank sind, teilweise chronisch. Und es gilt ja, auch diese in die Gesellschaft zu integrieren“, ist der Bachelorstudent überzeugt. Da kam das von Silke Cappell geleitete Projektseminar „Inklusion durch Partizipation“ gerade recht. „Als die Dozentin uns das Thema vorstellte, war ich gleich begeistert“, sagt Johannes. Da das Projekt sehr erfolgreich verlief und die Nachfrage bei den psychisch Erkrankten groß ist, soll es nun auf ehrenamtlicher Basis fortgeführt werden.

Von Stefanie Gosejohann


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