Die Geschichte des Hochaltars in der Josephskirche ist geprägt von Anstrengung, und Kreativität – von der ersten Sekunde an bis zur Rettung von einigen Teilen und ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit. Und die haben Dominik Kolm und Marie Monecke mitschreiben dürfen.
Dominik Kolm und Marie Monecke haben eine Ausstellung in der Münsteraner Josephskirche mitgestaltet. Foto: Anne Holtkötter

Vor über hundert Jahren begann diese Geschichte, als der Bildschnitzer Ferdinand Langenberg den Auftrag erhielt, in seiner Werkstatt den Hochaltar für die Josephskirche in Münster zu fertigen. 1906 wurde der Altar in einem feierlichen Gottesdienst geweiht und nach nur 38 Jahren bei einem Bombenangriff begraben. Dass überhaupt noch Teile bis heute gerettet wurden, ist zum Beispiel zwei Kindern zu verdanken, die den Flügelrahmen und mehrere Figurengruppen mit einem Leiterwagen zu ihrem Elternhaus transportierten. Auch andere Fragmente entgingen der Verwendung als Feuerholz. Sie lagerten in Depots, im Stadtmuseum, bei Privatleuten. Bis jetzt, denn die Pastoralassistentin und zwei Kuratorinnen hatten die Idee, alle Fragmente zusammenzuführen, an ihrem alten Platz auszustellen und im Kontext mit zeitgenössischer Kunst zu präsentieren. 

»Die wichtigste Frage war, wie schaffen wir eine Erinnerungskultur, wie bringen wir die Informationen über die Geschichte des Altars in den Raum und dem Besucher nahe.«Dominik Kolm

Hier beginnt das Kapitel, in dem Dominik und Marie in die Historie einstiegen. Die beiden Studierenden am Fachbereich Design unserer Hochschule waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog. Und was mit der Nennung im Impressum und einem Dankeschön in der Vernissage schnell wieder vergessen wird, ist doch in Wahrheit bei genauem Hinschauen ein großer Kraftakt. Wie in diesem Fall. 

Dominik Kolm und Marie Monecke studieren design an der FH Münster. Sie waren waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog der Ausstellung
Dominik Kolm und Marie Monecke studieren Design an der FH Münster. Sie waren waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog der Ausstellung "Geeinte Fragmente". (Foto: FH Münster/Anne Holtkötter)
Dominik Kolm und Marie Monecke studieren design an der FH Münster. Sie waren waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog der Ausstellung

„Wir haben nicht einschätzen können, welche Dimension das Projekt im Laufe der Zeit annehmen kann“, erzählt Dominik. Anfangs ging alles sehr schnell. In einem Workshop bei den Design-Absolventinnen unserer Hochschule Luise Grebe und Rabea Köjer, Geschäftsführerin der Agentur BOK + Gärtner, entwickelten sie die Grundidee für das Konzept. „Die wichtigste Frage war, wie schaffen wir eine Erinnerungskultur, wie bringen wir die Informationen über die Geschichte des Altars in den Raum und dem Besucher nahe“, so der 25-Jährige.

Deutlich mehr Zeit kostete es, die einzelnen Bestandteile auszuarbeiten: die Entwicklung eines Logos und die Ausstellungstafeln mit Folienplots, die Produktion aller Elemente in den Werkstätten am Fachbereich, ein Faltblatt für den Rundgang durch die Ausstellung – und dann der Katalog.

Dominik Kolm und Marie Monecke studieren design an der FH Münster. Sie waren waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog der Ausstellung
Dominik Kolm und Marie Monecke studieren design an der FH Münster. Sie waren waren verantwortlich für die Ausstellungskonzeption und den Katalog der Ausstellung

Der hatte es in sich: „Vier Wochen lang, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag, mitunter bis spät in die Nacht“, schätzt Marie. 400 Exemplare haben die beiden hergestellt, im sogenannten Risographie-Druckverfahren: Seite für Seite ausdrucken – möglich nur dank eines engagierten Werkstattleiters der Kunstakademie –, lochen und aufwendig zusammenfalten. Gut, wenn man Freunde hat. Die halfen spontan in einer Aktion bei der Designagentur BOK + Gärtner. Falten im Akkord. Mehr Handarbeit geht nicht.

„In unserer Begeisterung haben wir zu Beginn die Arbeit doch stark unterschätzt“, sagt die 27-Jährige. „Aber am Ende ist alles sehr gut geworden.“ Zwischendurch waren sie übermüdet, wurden aber immer wieder belohnt: „Jeder kleine vollendete Arbeitsschritt machte uns glücklich.“ Dominik sieht es genauso. Der Gedanke während der Produktion, „was haben wir uns damit angetan“, wich dem „Spaß, im Raum zu denken“. Es war die erste Ausstellungskonzeption, und sie würden es immer wieder tun. 

Von Anne Holtkötter


Seite drucken