Müll trennen, Frühstücksbrot essen, Busfahrpläne beachten – Paulina Cruz hat sich an viel gewöhnt in ihrer Zeit in Deutschland. „Mittlerweile denke ich sogar auf Deutsch“, sagt die mexikanische Studentin. „Heimweh hatte ich immer nur zu Weihnachten, wenn alle bei ihren Familien sind.“
An vieles musste Paulina sich Deutschland erst gewöhnen. Aber an unserer Hochschule hat sie sich gleich wohlgefühlt. (Fotos: privat)

Deshalb freut sie sich, dass sie in diesem Jahr die Festtage wieder bei ihrer Familie verbringt. „Schon neun Tage vor Heiligabend beginnen bei uns die ‚Posadas‘: vorweihnachtliche Feiern, zu denen man sich bei Nachbarn, Freunden oder Verwandten trifft. Einige Gäste stehen mit Kerzen in der Hand vor der Eingangstür und bitten wie Maria und Josef um eine Bleibe“, beschreibt Paulina die mexikanischen Traditionen. „Zum Schluss gibt es Feuerwerk und ‚Piñatas‘. Das sind bunte Figuren, die mit Süßigkeiten gefüllt sind.“ 

Bei diesen Feiern wird die 24-Jährige, die unseren internationalen Studiengang CALA absolviert, viel zu erzählen haben: Immerhin war sie zwei Jahre lang im fernen Deutschland. Begonnen hatte sie ihr Studium an unserer mexikanischen Partnerhochschule Tec de Monterrey, dann war der Studienabschnitt an der FH Münster an der Reihe. Es fiel ihr leicht, sich hier wohlzufühlen: „Die CALA-Gemeinschaft ist wie eine Familie.“ Immer konnte sie auf die Hilfe von „den Latinos“ zählen – so werden alle CALA-Studierenden genannt, egal ob deutsch oder lateinamerikanisch.

An vieles musste Paulina sich in Deutschland erst gewöhnen. Die Weihnachtsmärkte haben ihr gut gefallen. (Fotos: privat)
An vieles musste Paulina sich in Deutschland erst gewöhnen. Die Weihnachtsmärkte haben ihr gut gefallen. (Fotos: privat)

Dass viel Brot gegessen wird, die Mittagszeit schon gegen 12 und nicht erst um 15 Uhr beginnt und die Menschen sich zur Begrüßung eher die Hand schütteln als sich zu umarmen: Das alles war neu für sie. Auch Fahrradfahren war erst ungewohnt – „Das machen in Mexiko Stadt nur die Kinder im Park“ –, aber dann genoss sie es, in nur 15 Minuten alle Ziele in der Stadt zu erreichen. Das Umweltbewusstsein der Deutschen gefiel ihr ebenfalls. „In Mexiko ist manchmal um jeden einzelnen Keks eine Plastikverpackung.“ 

Studieren mit Spaß: Paulina konnte immer auf die Unterstützung der deutschen und lateinamerikanischen CALA-Studierenden zählen.
Studieren mit Spaß: Paulina konnte immer auf die Unterstützung der deutschen und lateinamerikanischen CALA-Studierenden zählen.
Erst ungewohnt, dann sehr praktisch: Paulina war in Münster viel mit dem Rad unterwegs.
Erst ungewohnt, dann sehr praktisch: Paulina war in Münster viel mit dem Rad unterwegs.

Ein Semester muss sie jetzt noch in Mexiko studieren, dann hat sie ihren Doppelabschluss geschafft. „Deutsch zu sprechen ist ein Plus auf dem Arbeitsmarkt, denn viele große deutsche Firmen haben Niederlassungen in Mexiko.“ So auch zum Beispiel der Henkel-Konzern, an dessen Hauptsitz in Düsseldorf sie in den vergangenen vier Monaten Praktikantin war und ihre Bachelorarbeit geschrieben hat. 

Von ihrer Zeit in Deutschland nimmt sie aber mehr mit als gute Sprachkenntnisse und Berufsaussichten: „Viele Freundschaften, die bleiben werden – die Entfernung ist egal!“

Von Victoria Liesche 


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