Unsere Alumni der Sozialen Arbeit sind in sozialen Einrichtungen tätig. Marie-Sophie Schindeldecker nicht. Alle nennen sie „nur“ Schwester Marie-Sophie. Die 42-Jährige arbeitet in der Ordensausbildung.
Schwester Marie-Sophie.

Zweimal in der Woche schwirren 15 Novizinnen vom Katharinenkloster in soziale Einrichtungen wie Obdachlosenhilfe oder Bahnhofsmission. Dort lernen sie viel über Hilfsbedürftige und die passenden Angebote. Und sie lernen viel über sich selbst. Wenn sie nachmittags zurückkehren, beginnt der Job für Schwester Marie-Sophie: Für die Novizinnen da sein, zuhören, beraten. 

Die Ordensschwester bei den Franziskanerinnen im Kloster Sießen und seit letztem Jahr Bachelorabsolventin des Online-Studiengangs der Sozialen Arbeit hat den Ort im Baden-Württembergischen für drei Monate eingetauscht gegen das Kloster in Münster-Kinderhaus. Genau wie die jungen Frauen aus dem Noviziatsprojekt Infag, die für ihre Praktikumsphase ihre Ordensgemeinschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz verlassen haben. Schwester Marie-Sophie begleitet die „Auszubildenden“.

»Sie sollen dem Leben gewachsen sein, wenn sie in ihre Ordensgemeinschaften zurückkehren.«Schwester Marie-Sophie Schindeldecker

„Da betreffen mitunter Erlebnisse in den sozialen Einrichtungen eigene Lebensthemen“, erzählt Schwester Marie-Sophie, „und der Gesprächsbedarf ist dann groß.“ Etwa wenn eine Novizin mit Alkoholmissbrauch oder häuslicher Gewalt konfrontiert wird. Außerdem sind die Novizinnen mit ihren 21 bis 38 Jahren, im Verhältnis zum Umfeld in den heimischen Klöstern, noch sehr jung. So unterstützt Schwester Marie-Sophie sie dabei, ihre Rolle zu finden, wenn nötig, Konflikte zu lösen. „Sie sollen dem Leben gewachsen sein, jetzt und nach dem Praktikum, wenn sie in ihre Ordensgemeinschaften zurückkehren.“ 

„Ihre“ Novizinnen sind fröhlich und lachen viel, allen voran Schwester Marie-Sophie. (Foto: FH Münster/Pressestelle)
„Ihre“ Novizinnen sind fröhlich und lachen viel, allen voran Schwester Marie-Sophie. (Foto: FH Münster/Pressestelle)

Nützt das Studium für diese Aufgabe? Ein kurzes Zögern, dann ein bestimmtes „Ja!“. Sie hat viel gelernt. „Dadurch höre ich jetzt noch mal anders zu.“ Die Novizinnen warten schon in der Küche auf sie – heute gibt es wieder viel zu erzählen.

Von Anne Holtkötter


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