Josef Decking ist ein echtes FH-Münster-Urgestein: „Ich kenne hier jeden Winkel.“ Und jeder der Elektrotechniker an unserer Hochschule kennt ihn. Vor bald 30 Jahren bekam er hier seinen Arbeitsvertrag als Ingenieur – damit ist er der am längsten beschäftigte Mitarbeiter am Fachbereich. Und eine treue Seele, immer da für die Studierenden und Professoren, die Fragen haben oder Zuarbeit brauchen.
Wenn seine Studierenden neue Ideen haben, packt Josef gerne mit an. Hier soll ein Akku mithilfe einer Spule geladen werden.

„Der Umgang mit den jungen Menschen macht mir unheimlich Spaß. Das ist der Hauptgrund, warum ich hier geblieben bin“, sagt Josef schmunzelnd. Nach seiner Ausbildung zum Industrie-Elektriker hat er nämlich Elektrotechnik mit Fachrichtung Automatisierungstechnik bei uns studiert und nebenbei als studentische Hilfskraft gearbeitet. „Die Studierenden sind offen und vorwitzig – da verkalkt man selbst nicht so stark.“ Zwei Praktika betreut der 61-Jährige pro Semester im Labor von Prof. Glösekötter und Prof. Poppe. Er misst mit den Studierenden zum Beispiel Stromspannungskennlinien von Halbleitern und untersucht deren Verhalten bei unterschiedlichen Bedingungen wie einer erhöhten Temperatur. Oder berät die Gruppen, wenn sie Ideen für Projekte haben und Hilfe bei der Umsetzung brauchen. Und er ist Frühaufsteher: Wenn alle pünktlich um acht Uhr im Labor für Halbleiterbauelemente und Bussysteme sind, ist Josef schon seit einer Stunde da und hat alles vorbereitet. 

»Die Studierenden sind offen und vorwitzig – da verkalkt man selbst nicht so stark.«Josef Decking

In Sachen Organisation spielt er sowieso in der ersten Liga. Er managt den Stundenplan des kompletten Fachbereichs. „So ein Stundenplan ist auch während der Vorlesungszeit lebendig, erst sechs bis acht Wochen vor Semesterende brauche ich nichts mehr umzuplanen“, erzählt Josef, „Die Verzahnung muss einfach passen. Mit der Raumverteilung, klar, aber es geht auch um die Koordination mit anderen Fachbereichen, wenn wir gemeinsame Veranstaltungen anbieten. Vor Semesterstart läuft hier alles auf Hochtouren.“ Obendrein ist er einer von drei Ausbildern für die Fachbereich-Azubis – aktuell vier Systemelektroniker. 

An seiner Arbeit mag Josef besonders den Kontakt mit den Studierenden. Wenn sie neue Ideen haben, packt er gern mit an. Hier soll ein Akku mithilfe einer Spule geladen werden. (Foto: Theresa Gerks)
An seiner Arbeit mag Josef besonders den Kontakt mit den Studierenden. Wenn sie neue Ideen haben, packt er gern mit an. Hier soll ein Akku mithilfe einer Spule geladen werden.
Josef hat den Überblick: Der Ingenieur managt den kompletten Stundenplan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik.
Josef hat den Überblick: Der Ingenieur managt den kompletten Stundenplan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik.

Und er kann auch Feuerwehrmann: „Ich bin Mitglied der Atemschutzgeräteträgergruppe, wir haben alle eine normale Feuerwehrausstattung mit Atemmaske und Anzug. Wenn Alarm in einem Raum mit Gefährdungspotenzial am Fachbereich in der Feuerwehrzentrale eingeht, dann rufen die mich an.“ Das ist aber erst einmal passiert in seiner Zeit hier. „Die Feuerwehr hat mich nachts von zuhause abgeholt und ich musste dann in voller Montur als erster rein in den Raum. Sozusagen als Ortskundiger. Aber es ist nichts Schlimmes passiert, nur eine Vakuumpumpe durchgebrannt.“

Und offensichtlich bekommt Josef nicht genug von unserer Hochschule. Am 1. August 2021 darf er offiziell in Rente gehen. „Also wenn es passt und ich gesund bin – dann arbeite ich gerne auch in gewissen Teilen weiter“, sagt er und muss lachen. 

Von Theresa Gerks


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