„Wenn mir vor ein paar Jahren jemand prophezeit hätte, dass ich beruflich mal mit Abfall arbeite, hätte ich ‚Nee!‘ gesagt“, erzählt Ute Schmiedel schmunzelnd. Heute ist sie froh, dass Prof. Dr. Sabine Flamme sie im Bauingenieurstudium mit ihrer Begeisterung für das Thema angesteckt hat. „Abfall ist echt vielseitig. Und krisensicher – es wird ihn immer geben!“
Ute Schmiedel bei der Arbeit an einem Fließband zur Mülltrennung. (Foto: Privat)

Eigentlich wollte Ute Innenarchitektin werden, hat sogar ein Studium dafür abgeschlossen. „Aber der Markt ist sehr überlaufen. Stellen sind rar und oft schlecht bezahlt“. Da sie die Fächer Bauphysik und Baukonstruktion interessant fand, entschied sie sich, an unserer Hochschule Bauingenieurwesen zu studieren – und ist nun sehr zufrieden mit dem Ergebnis von „Plan B“. 

In einem Sachverständigenbüro hat die Absolventin nun ihren Traumjob gefunden. „Wir prüfen und analysieren dort Abfallströme, unter anderem für die dualen Systeme oder im Auftrag von Unternehmen. Zum Beispiel untersuchen wir die Menge und die stoffliche und energetische Zusammensetzung.“ Alles wichtige Informationen, um abfallwirtschaftliche Maßnahmen zu planen. Der Arbeitsalltag ist abwechslungsreich: „Ich stehe auch mal am  Sortiertisch  und  trenne stinkenden Müll in seine Einzelfraktionen“, beschreibt die 33-Jährige. 

Aber genau dieser direkte Bezug zur Materie macht ihr Spaß. „Bei meiner ersten Stelle nach dem Studium habe ich in einem Abbruchunternehmen Angebote kalkuliert. Das war mir auf Dauer zu langweilig“, sagt sie.

Ute hilft Unternehmen und anderen Auftraggebern, abfallwirtschaftliche Maßnahmen zu planen. Dazu gehört die Arbeit am Computer genauso wie der Einsatz am Sortiertisch. (Foto: privat)
Ute hilft Unternehmen und anderen Auftraggebern, abfallwirtschaftliche Maßnahmen zu planen. Dazu gehört die Arbeit am Computer genauso wie der Einsatz am Sortiertisch. (Foto: privat)
In ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit Abfall beschäftigt, der zu groß für jede Restmülltonne ist: mit Rotorblättern von ausgedienten Windkraftanlagen.
In ihrer Bachelorarbeit hat sie sich mit Abfall beschäftigt, der zu groß für jede Restmülltonne ist: mit Rotorblättern von ausgedienten Windkraftanlagen.

Wie facettenreich das Thema Abfall ist, faszinierte sie bereits während des Studiums. In ihrer Bachelorarbeit erforschte sie, wie Rotorblätter von ausgedienten Windenergieanlagen im Sinne der Kreislaufwirtschaft wieder verwertet werden können. „Die Flügel bestehen aus einem Materialmix, der sehr schwer zu trennen ist.“ In mehreren Versuchen fand sie heraus, dass es mit Spezialmaschinen möglich ist, die Blätter so zu zerkleinern, dass die Teile als Zusatzstoffe bei der Zementherstellung nutzbar sind.

Beruflich hat Ute nun mit Abfall zu tun, der eine Nummer kleiner ist. Und hier möchte sie sich zukünftig gerne weiter spezialisieren. Nächstes Ziel: staatlich geprüfte und vereidigte Sachverständige für Verpackungsentsorgung. Eben eine richtige Abfallexpertin.

Von Victoria Liesche


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