Ein Empfangsraum, eine Garderobe, eine Fläche zum Spielen, ein Rückzugsbereich. Das ist nichts Besonderes, das findet sich in jeder Kita. Aber diese hier ist nur zwölf Meter lang und zweieinhalb Meter breit. Und sie steht auf vier Rädern. Wie es dazu kam und was er dazu beigetragen hat, erzählt der Architekturstudent Maximilian Steverding.
So sieht die rollende Kita aus, die unter anderem vom Studierenden der FH Münster gestaltet wurde. (Foto: Johannes Breuer)

„Der DRK-Kreisverband Borken ist an den Fachbereich Architektur herangetreten, als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt hatte und der Bedarf an Kitaplätzen größer als das Angebot war.“ Obwohl es noch keinen Raum gab, war ein studentisches Team für die Innengestaltung schnell gefunden: neben Maximilian die Kommilitoninnen Marie-Alice Wätjen und Julia Rückeis, die beide mit dem Thema Flüchtlingshilfe bereits privat eng verbunden waren. Ansprechpartnerin in der Hochschule war Prof. Kirsten Schemel. 

Und dann wurde es konkret. Das DRK hatte einen ausrangierten, aber gut erhaltenen Linienbus erworben. Der Vorteil: die Mobilität. Denn so können die Erzieherinnen täglich an zwei unterschiedlichen Orten zehn bis 15 Kinder betreuen: vormittags in Rhede, nachmittags in Raesfeld zum Beispiel. 

Seit Januar ist die rollende Kita, eine Initiative des Kreises Borken, in Rhede, Raesfeld, Velen, Stadtlohn und Heek unterwegs. Sie schließt eine pädagogische Lücke bis zur Einschulung. (Foto: Johannes Breuer)
Seit Januar ist die rollende Kita, eine Initiative des Kreises Borken, in Rhede, Raesfeld, Velen, Stadtlohn und Heek unterwegs. Sie schließt eine pädagogische Lücke bis zur Einschulung. (Fotos: Johannes Breuer)
Die Möbel sind aus Birke-Multiplex-Platten. „Sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch dem Spiel der Kinder gewachsen“, so Maximilian. Kein Platz war für Sanitärräume, weswegen der Stellplatz immer nah an Jugendzentren und Sportanlagen liegt. (Foto: Johan
Die Möbel sind aus Birke-Multiplex-Platten. „Sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch dem Spiel der Kinder gewachsen“, so Maximilian. Kein Platz war für Sanitärräume, weswegen der Stellplatz immer nah an Jugendzentren und Sportanlagen liegt.

Wie in der späteren Berufspraxis, so stand auch in diesem Projekt vor dem Entwurf die Recherche: Was wird benötigt, welches Material ist geeignet, was erfordern die gesetzlichen Richtlinien? „Allein schon die Maße des Busses zu bekommen dauerte ewig, denn der Typ wird nicht mehr gebaut, alle Dateien waren im Archiv des Herstellers gelandet. Deshalb zog sich das Ganze ein Jahr lang hin“, erklärt der 22-Jährige. 

Zeichnen, Abwägen, Verwerfen, Ausprobieren – im ständigen Dialog mit Beteiligten und Fachleuten entwickelte sich das Projekt. Dass es Teamarbeit war, betont der gebürtige Stadtlohner immer wieder. „Ob bei kleineren oder größeren Aufgaben, wie der Begradigung des Bodens, wir konnten uns auf die Helfer verlassen.“ 

Erfolgreich im Team: Maximilian mit seinen Kommilitoninnen Marie-Alice und Julia. (Foto: Johannes Breuer)
Erfolgreich im Team: Maximilian mit seinen Kommilitoninnen Marie-Alice und Julia.

Und was war das Schönste an diesem Projekt? „Ich wusste: Jede Linie, die ich zeichne, wird umgesetzt“, sagt Maximilian. Ihn begeistert auch immer noch der Gedanke, zusammen mit anderen etwas „Gutes getan zu haben“. Die DRK-Produktionswerkstatt, die junge Leute mit besonderem Förderbedarf an handwerkliche Berufe heranführt, hat den gesamten Innenausbau zusammen mit Ehrenamtlichen übernommen; der Busfahrer ist immer unentgeltlich unterwegs; freiwillige Hilfskräfte unterstützen die hauptamtliche Erzieherin – für Maximilian ist es nicht irgendein Projekt, sondern ein soziales. „Es klaffte eine Lücke im Kreis Borken. Und gemeinsam haben wir sie geschlossen.“

Von Anne Holtkötter


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