Funktioniert die Vakuumpumpe? Ist die Mikrowelle angeschlossen? Und vor allem: Sind genug Marshmallows da? Auch nach mehr als 45 Auftritten sind Prof. Dr. Hans-Christoph Mertins und Andreas Galle vor jeder Physikshow aufgeregt. Ihr anspruchsvolles Publikum: Schüler von der vierten bis zur siebten Klasse.
Die Physikshow an der FH Münster. (Foto: Liesche)

Physik – in der Schule tun sich viele Kinder damit schwer, ziehen es später als Studienrichtung gar nicht erst in Betracht. „Dagegen müssen wir etwas tun. Die Physik braucht Werbung!“, dachte sich Mertins, Hochschullehrer an unserem Fachbereich Physikalische Technik. Zusammen mit Andreas Galle, technischer Mitarbeiter am Fachbereich, entwickelte er 2006 für die FIT-Tage eine Reihe von anschaulichen Experimenten – die Physikshow war geboren. 

 

 

„Die Berufswahl ist kein rein rationaler Prozess. Emotionale Erlebnisse spielen dabei eine große Rolle“, ist Mertins überzeugt. Staunen, Aha-Effekte und Spaß sind deshalb bei der Physikshow Programm: Da wachsen und wachsen Marshmallows unter der Vakuumglocke. Da zucken Flammen im Takt von Rocksongs und machen so Schallwellen sichtbar. Da sprühen Weintrauben Lichtbögen in der Mikrowelle. Da fließt Strom durch eine Gewürzgurke und bringt sie zum Glühen. 

Freiwillige vor: Zwei Schüler zeigen beim Versuch mit den „Magdeburger Halbkugeln“ die Kraft des Vakuums. (Fotos: Victoria Liesche)
Freiwillige vor: Zwei Schüler zeigen beim Versuch mit den „Magdeburger Halbkugeln“ die Kraft des Vakuums. (Fotos: Victoria Liesche)

„Wir machen hier aber keine Bibi-Blocksberg-Zauberei, wir vermitteln Wissen“, betont Mertins. Jedes Experiment hat einen wissenschaftlichen Hintergrund, den er dem Publikum in einfachen Worten erklärt – während Galle schon die Requisiten für den nächsten Versuch in Stellung bringt. Ein eingespieltes Team, das auch nicht aus der Ruhe kommt, wenn mal eine Sicherung rausfliegt oder ein Effekt nicht klappt. Dann geht’s einfach weiter im präzise durchgeplanten Ablauf. Momentan gehören 25 Experimente dazu. „Zusammen mit Studierenden und Auszubildenen haben wir die Show über die Jahre weiterentwickelt. Wir probieren immer wieder neue Sachen aus“, erzählt Galle. 

Ein spektakulärer Höhepunkt der Show: Aus einem mit Gas befüllten Rohr mit Löchern brennen kleinen Flammen. An einem Rohrende ist ein Lautsprecher angebracht. Je nach Ton und Musik entstehen unterschiedliche Schallwellen, die durch die Höhe der Flammen si
Ein Höhepunkt der Show: Aus einem mit Gas befüllten Rohr mit Löchern brennen kleinen Flammen. An einem Rohrende ist ein Lautsprecher angebracht. Je nach Ton und Musik entstehen unterschiedliche Schallwellen, die durch die Flammen sichtbar werden.

Das kommt gut an: bei Schülern, die ausnahmsweise kein Problem haben, 60 Minuten stillzusitzen, aber auch bei älterem Publikum, vor dem sie die Show gerne auf Anfrage präsentieren. „Viele sind erstaunt, wieviel Physik in unserem Alltag steckt“, berichtet Mertins. „Und einige haben mir sogar schon gesagt: ‚Wenn es so in der Schule gewesen wäre, hätte ich Physikalische Technik studiert!‘“ 

Von Victoria Liesche


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