„Earthquake-Baby“ kommt in den Kindergarten

Nach dem verheerenden Beben 2008 in China kam Zhong-De als erstes Kind im DRK-Zelthospital zur Welt


Münster (24. August 2011). „Als der neugeborene Junge mit kräftigen Schreien in das Sprechfunkgerät der Hebamme brüllte, brach überall Jubel aus." Prof. Dr. Joachim Gardemann erinnert sich noch genau daran, wie sich die Eltern und das Krankenhauspersonal über das neugeborene Leben freuten. In einer von Leid geprägten Situation war das Kindergeschrei eine kostbare Aufmunterung für alle Anwesenden im großen Zelthospital des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in China. Das war im Mai 2008, wenige Tage nachdem ein verheerendes Erdbeben rund 70.000 Menschen das Leben gekostet hatte.

„Der erste im Zeltkrankenhaus zur Welt gekommene Junge hatte ein Geburtsgewicht von 3.600 Gramm und erhielt von seinen Eltern aus Freude den Namen Zhong-De, was übersetzt ‚China-Deutschland' heißt", sagt der Mediziner Gardemann, der an der Fachhochschule Münster das Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe leitet. Auch die chinesischen Medien hatte die freudige Nachricht begeistert. Sie reisten an, um über das „Earthquake-Baby" zu berichten. Vor kurzem hat sich die Mutter des inzwischen Dreijährigen beim DRK gemeldet: Er hat die schwere Zeit nach dem Erdbeben gut überstanden und kommt im Herbst in den Kindergarten.

Den Geburtsort von Zhong-De, ein riesiges mobiles Zeltkrankenhaus für den Katastrophenfall, hatte das DRK aus Berlin eingeflogen und auf einem abgesperrten Autobahnabschnitt nahe der chinesischen Stadt Dujiangyen errichtet. Zuvor hatte das Erdbeben vom 12. Mai unzählige Menschen getötet und verletzt und unter anderem das Volkskrankenhaus der Stadt völlig zerstört.

Gardemann war daraufhin mit einem Team von zwölf DRK-Delegierten sofort in die Krisenregion gereist. Zunächst stand die chinesische Regierung ausländischer Hilfe ablehnend gegenüber. Ein bilaterales Abkommen zwischen dem Chinesischen und dem Deutschen Roten Kreuz ermöglichte jedoch schließlich den Hilfseinsatz und fand die Unterstützung der chinesischen Staatsführung.

Die internationalen Rotkreuzhelfer errichteten in Rekordzeit zusammen mit Behörden und zahlreichen Freiwilligen das DRK-Feldhospital und begannen bereits knapp 50 Stunden nach ihrer Ankunft mit der Versorgung der ersten Patienten. „Es war bislang beispiellos, wie effizient die Zusammenarbeit aller Beteiligten im Krisengebiet funktionierte", sagt Gardemann rückblickend. „So konnten wir innerhalb kürzester Zeit mit der dringend benötigten Hilfe für die Erdbebenopfer beginnen - etwa 700 Patienten kamen täglich zur ambulanten Behandlung."

Der erste Kaiserschnitt im Operationszelt, mit dem Gardemann dem kleinen Zhong-De auf die Welt half, blieb dem Kinderarzt als besonders bewegender Moment in Erinnerung. Die Eltern verewigten die erfolgreiche deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Namen des Jungen. Und während sich dieser prächtig entwickelte und nun auf den Kindergarten freut, hat sich auch sein Geburtsort weiterentwickelt: Das Zeltkrankenhaus übergab das DRK am 15. Juni 2008 an die chinesischen Kollegen, denen es auch heute noch als Ersatzkrankenhaus dient.


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