(18. Dezember 2017). "Perle Afrikas" - so nannte Winston Churchill einst Uganda. Heute gehört der Staat im Osten des Kontinents zu den ärmsten Ländern der Welt. "Eigentlich ist es ein fruchtbares Land. Dennoch ist der Hunger und vor allem der Mikronährstoffmangel weit verbreitet", sagt Jolien Maltzahn. Die 26-Jährige, die an der FH Münster im Master Ernährung und Gesundheit studiert, ist vor Kurzem aus Uganda zurückgekommen.

Die Ökotrophologin hat einen Monat in Gulu, einer Stadt im Norden des Landes, verbracht, um in einer Vorschule, Grundschule und einem Kinderkrisenhaus die Ernährung zu verbessern. Ihr Ziel: den Mikronährstoffmangel zu reduzieren. Etwa 15 Prozent der Kinder in Uganda unter 5 Jahren sind untergewichtig, mehr als ein Drittel dieser Kinder leidet unter einer chronischen Wachstumshemmung.

Gegen Hunger und Mangelernährung

Warum sich eine junge Frau aus dem wohlbehüteten Münster in ein etwa 6.000 Kilometer entferntes, von Armut, Hunger und angrenzenden Kriegen gezeichnetes Land aufmacht, wollten einige von ihr wissen. "Gerade weil ich aus einem so gut versorgten Land wie Deutschland komme, war es für mich schon lange klar, dass ich etwas gegen den Hunger auf der Welt unternehmen möchte", sagt Jolien Maltzahn. In einem Seminar bei Prof. Dr. Joachim Gardemann, Hochschullehrer am Fachbereich Oecotrophologie · Facility Management und Leiter des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe, fasste sie den Entschluss. Es wurde das Thema ihrer Projektarbeit, und es sollte später auch eines für ihre Masterarbeit werden.

Es war nicht leicht, etwas Geeignetes zu finden. Doch sie gab ihre Idee nicht auf. Gardemann schlug der Studentin "Lichtstrahl Uganda" vor. Der Verein in Münster nimmt eigentlich keine Freiwilligen, wie sich später herausstellte. Maltzahn hatte Glück, dass die Organisation bei ihr eine Ausnahme machte. Lichtstrahl Uganda hatte mit Spendengeldern in Gulu unter anderem ein Pflege- und Waisenhaus mit angeschlossener Schule aufgebaut.

Dieses Mal war es anders

Etwas mulmig war der Studentin schon zumute, als sie nach Afrika aufbrach. Nie zuvor war sie auf dem Kontinent gewesen. "Ich war schon in vielen Ländern unterwegs, doch dieses Mal war es einfach anders, weil ich den Anspruch hatte, etwas Sinnvolles zu erreichen", sagt sie. In Gulu empfingen sie Mitarbeiter von Lichtstrahl Uganda. Sie wurde gut aufgenommen, alles war gut organsiert.

Im Kinderhaus und der Schule begann Maltzahn, zunächst den Ernährungszustand der Kinder zu erheben. Was essen sie, wie oft und in welchen Mengen? Mit anthropometrischen Verfahren erfasste sie bei den unter 5-Jährigen Körpergewicht, Körpergröße und Armumfang, um das Ausmaß des Untergewichts genauer zu bestimmen. Bei den Älteren machte sie zusätzlich zu den Messungen auch Blutanalysen, aus denen sie auch auf den Gesundheitszustand schließen konnte.

Hilfe kam online aus Münster

Ernährungsmedizinische Kompetenzen hatte sie zuhauf im Studium erworben, sie waren die Basis ihrer Analysen. Doch immer wenn Maltzahn nicht weiterwusste, trat sie mit Gardemann in eine E-Mail-Konferenz. Zwischen Gulu und Münster gingen Nachrichten hin und her. Die Studentin schickte dem Mediziner Bilder der Kinder. Er half ihr einzuschätzen, auf welchen Mangel die Körper der Kinder hindeuteten.

Es waren auch schwer zu ertragende Bilder, Kinder mit aufgeblähten Bäuchen und mit Fliegen im Gesicht. Die Bilder machte Maltzahn in Dörfern bei Familien, die sie besuchte. Die hygienischen Verhältnisse waren meistens sehr schlecht. Die junge Frau hatte bis dahin solche Bilder nur im Fernsehen gesehen. "Diese Kinder habe ich oft in meinen Einsätzen auf der ganzen Welt selbst behandelt", sagt Gardemann, der auf eine mehr als 20-jährige Erfahrung als Krisenhelfer auf der ganzen Welt für das Rote Kreuz zurückblickt.

Aus den Daten erarbeitete Maltzahn ein Konzept, wie die Mangelernährung der Kinder behoben werden kann.

Im Frühjahr wieder nach Uganda

Im Frühjahr 2018 will Jolien Maltzahn wieder nach Uganda fliegen. Dann wird es um ihre Masterarbeit gehen. Ihr Konzept aus der Projektarbeit wird sie dann umsetzen und wissenschaftlich aufarbeiten.

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