"Wenn wir wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule was fürs Leben lernen, dann muss eines in der Schule stimmen: die emotionale Atmosphäre beim Lernen"
Spitzer/Kahl: Lernen: die Entdeckung des Selbstverständlichen.

Die Entwicklung eines lernförderlichen Klimas gilt zu Recht als Voraussetzung umfassender Kompetenzentwicklung. Zugleich ist dieses im etablierten Bildungssystem keine Selbstverständlichkeit, gar permanent infrage gestellt. Das Projekt Action & Reflection befasst sich im Rahmen der akademischen Abschlussarbeit von Sarah Baßfeld mit dieser Thematik auf eine neue Weise. Auf Basis des 'state of the art' der pädagogischen Klimaforschung entstand eine Interventionsmaßnahme, die sich erlebnispädagogischer Prinzipien bedient, mit dem Ziel, neue Impulse für die Förderung positiver Lernklimata zu geben.
"Action & Reflection" realisiert eine einwöchige Outdoor-Projektveranstaltung. Das Konzept verfolgt in fünf Schritten einen inkrementellem Aufbau von der individuellen Gewöhnung an die winterliche Natur in den Bergen bis zur kollektiven Erstellung eines Handlungsprodukts (Schülerzeitung) unter Nutzung eines Multimedialabors. Es ist in den folgenden Schritten aufgebaut:
 

Ziele und abgeleitete Interventionen im Programm Action & Reflection (Quelle: Baßfeld 2008)

 Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4
Tag 5
 Tagesziel Gewöhnung Förderung der eigenen Persönlichkeit
 Förderung Teamfähigkeit in Kleingruppen Förderung Teamfähigkeit in der ganzen Gruppe
 Gruppenverantwortung stärken
 Aktivität am Berg

 - Fahrt zur Bergspitze

 - Kennenlernen Trendsportgeräte

 Skikurs Schneeduell Erlebnistour durch die Berge
 Freie Programmwahl
 Reflexion

 - EinführungPowerPoint

 - Bildercollage

 Artikel:

Mein Skitag

(Einzelarbeit)

 Artikel:

Das Schneeduell

(Gruppenarbeit)

 Artikel:

- Erlebnistour durch die berge

(Gruppenarbeit)

- Titelblatt: Zeitung

(ganze Gruppe)

 Artikel:

- Meine Meinungüber die Projektwoche

(Einzelarbeit)

- Fertigstellen der Zeitung

(Gruppenarbeit)

 Abendprogramm Freie Wahl
 Nachtwanderung Siegerehrung mit Spieleabend
 Abschlussfeier Heimfahrt

 

Das Programm wurde mit einer Schulklasse umgesetzt und mittels eines qualitativen Erhebungsverfahrens evaluiert. Die Teilnehmer kamen aus einer Berufseingangsschule; ein Bildungsgang, der es Schülern ermöglichen soll, in einer zweijährigen Ausbildung den versäumten Hauptschulabschluss zu erwerben.

Ergebnisse der Evaluation

Signifikante und auch nachhaltig positive Entwicklungen ergaben sich insbesondere für die Beziehungen der Schüler untereinander. Die mit "Action & Reflection" instruierten Erlebnisse und das gemeinsame Zusammenleben ermöglichen einen neuen Zugang zu Mitschülern. Tradierte Verhaltensstrukturen werden aus dem Gleichgewicht gebracht und es kann damit zu einer positiven Neuorganisation der Einstellungen und Beziehungen kommen. Die an erlebnispädagogischen Prinzipien orientierte Projektwoche "Action & Reflection" kann demnach als gutes Instrument für den Einstieg in ein besseres Klassen- und Lernklima angesehen werden, da sie die Möglichkeit eröffnet, festgefahrene Strukturen zu durchbrechen, neu zu organisieren und vielfältige Impulse zu geben. Für die nachhaltige Effektivität und einen umfassenden Transfer muss aber auch der Schul- und Berufsalltag mit in den Blick genommen werden. So versiegt etwa der erlebte und als vernünftig erkannte Vorzug kooperativen Verhaltens allzu schnell, wenn die Schüler - wieder zuhause angekommen - der schulischen Leistungskonkurrenz unterworfen bzw. beruflicher Perspektivlosigkeit ausgesetzt sind. Hier mangelnde Wirksamkeit und Transfer der erlebnisorientierten Interventionsmaßnahme vorzuwerfen, ist also wenig sachgerecht, da nachhaltige Wirkungen durch die soziale Situation der Klientel verhindert werden.

Literatur

Baßfeld, S.: "Action & Reflection" - Entwicklung, Erprobung und Evaluation einer erlebnisorientierten Projektwoche unter besonderer Berücksichtigung der Förderung des Klassen- und Lernklimas. Schriftliche Hausarbeit Universität Münster. Münster 2008.

Weitere Auskünfte zum Projekt erteilt Prof. Dr. Franz Stuber

stuberfh-muensterde

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