Die Pflegeschule der Medizinischen Hochschule Hannover will die Pflegeausbildung neu gestalten, um den wachsenden und sich verändernden Anforderungen professioneller Pflege gerecht zu werden. Hierfür hat sie die Berufsfachschule für Altenpflege der Johanniter-Akademie in Hannover als Kooperationspartnerin gewonnen und das Institut für Berufliche Lehrerbildung der Fachhochschule Münster mit der wissenschaftlichen Begleitung beauftragt.

Hintergrund des Forschungsprojekts

Die Anforderungen an die Pflegeberufe sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Diese erhöhten Anforderungen an jetzige und zukünftige Pflegefachkräfte zeichnen sich durch folgende zwei Trends ab. Einerseits wird ein immer spezifischeres Anforderungsprofil verlangt, andererseits sollen Pflegefachkräfte berufsfeldübergreifend einsetzbar sein, was zur Folge hat, dass professionell Pflegende zunehmend die Kompetenzen der jeweils anderen Pflegeberufe benötigen. Ein wesentlicher Grund dafür ist in dem demografischen Wandel zu sehen, der sich auch in den Krankenhäusern, den Pflegeeinrichtungen und den ambulanten Versorgungseinrichtungen des Gesundheitssystems widerspiegelt. Hochaltrige, multimorbide Menschen mit zum Teil dementiellen Erkrankungen stellen inzwischen einen großen Teil der Klienten/-innen in Krankenhäusern, aber auch schwerstkranke und jüngere Menschen werden zunehmend mehr im ambulanten Bereich oder auch in Altenpflegeeinrichtungen versorgt. Schon längst ist es zur Normalität geworden, dass Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen genauso in Pflegeheimen beruflich tätig sind, wie Altenpfleger/-innen in Krankenhäusern. Ebenso finden sich Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-innen in erwachsenenspezifischen Versorgungssettings, wie Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen in pädiatrischen Versorgungsbereichen. Damit reagiert der Gesundheitsmarkt auf die Bedarfe der beruflichen Pflegerealität, d. h., dass eine Trennung des Pflegeberufs nach Altersstufen schon längst überholt ist. Diese fortschreitenden Entwicklungen haben leider noch nicht grundlegend Einzug in alle Ausbildungseinrichtungen der Pflegeberufe gehalten. Es wurden zwar zahlreiche Modellversuche gestartet, die sich mit integrierten und generalistischen Pflegeausbildungen in der Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflege sowie Altenpflege auseinandersetzten, doch die dort gewonnenen Erkenntnisse wurden bislang nicht flächendeckend umgesetzt.
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Die Geschäftsführerin Pflege der Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und Leiterin der Bildungsakademie Pflege, Frau Dipl.-Pflegewirtin Iris Meyenburg-Altwarg, ist deshalb 2015 an Frau Prof. Dr. phil. Kordula Schneider mit dem Wunsch herangetreten, in ersten Gesprächen die Möglichkeiten einer Neuausrichtung der Pflegeausbildung an der MHH auszuloten. In drei Sondierungsgesprächen, an denen die Geschäftsführung Pflege, die Schulleiteiterin Dipl.-Päd. Kerstin Bugow, der stv. Schulleiter Dipl.-Pflegepäd. Andreas Blank und das wissenschaftliche Team, bestehend aus Prof. Dr. phil. Kordula Schneider, Dipl.-Berufspäd. Heidi Kuckeland M.A. und Dipl.-Päd. Myrofora Hatziliadis M.A. teilnahmen, wurden schließlich die Eckpfeiler des geplanten Forschungsprojekts gesetzt. Es bestand von Beginn an Einigkeit darin, dass unabhängig davon, ob und wann das angekündigte Pflegeberufsgesetz auf Bundesebene verabschiedet werden würde, eine generalistisch ausgerichtete Pflegeausbildung an der MHH angeboten werden soll. Um dies verwirklichen zu können, war es notwendig, eine Altenpflegeschule für das Forschungsprojekt zu gewinnen. Schulleiterin Dipl.-Päd. Kerstin Bugow konnte mit dem Leiter des Bildungsinstituts der Johanniter in Hannover, Dipl.-Ghl. Kersten Enke und der Leiterin der Berufsfachschule Altenpflege des Bildungsinstituts der Johanniter Hannover, Dipl.-Berufspäd. Irene Kieschnick und ihrer Stellvertreterin Heike Riemer B.A., Kooperationspartner finden, die das Forschungsprojekt aktiv mitzugestalten bereit waren.

Ziel des Forschungsprojekts

Ziel ist die Entwicklung eines kompetenzorientierten und anschlussfähigen Curriculums für die gemeinsame Ausbildung in den Pflegeberufen. Die Grenzen zwischen den Pflegeberufen sollen zu Gunsten einer Ausbildung, die den aktuellen und den zukünftigen Anforderungen in der professionellen Pflege gerecht werden kann, aufgehoben werden. Damit folgt dieses Projekt der Entwicklung in der Berufspraxis, die zeigt, dass professionell Pflegende in allen Einsatzbereichen Kompetenzen aller drei Pflegeberufe benötigen.

Herangehensweise und Eckpfeiler

Die Herangehensweise des Forscherteams geht von zwei Prämissen aus: Das angestrebte Ziel wird nur dann seinen Anspruch einlösen können, wenn das neue Curriculum von einer soliden empirischen Basis ausgeht. Dies bedeutet, das Feld der vielfältigen Pflegepraxis zu erforschen, um die vorhandene Pflegeexpertise als Ausgangspunkt für die curricularen Prozesse zu nutzen. Lehrende werden nur dann das neue Curriculum in ihren Unterrichten umsetzen, wenn sie dessen Entwicklung aktiv mitgestalten und beeinflussen sowie den Entwicklungsprozess nachvollziehen können. Aus diesen beiden Prämissen sind die ersten beiden Eckpfeiler abgeleitet: 1. Eine umfassende Berufsfeldanalyse in den jetzigen und zukünftigen pflegerischen Tätigkeitsfeldern von Pflegefachkräften durchzuführen. 2. Lehrende als Forscher/-innen in allen Phasen des Entwicklungsprozesses für das Curriculum einzubinden. Diese Grundpfeiler beschreiben gleichzeitig das Besondere an diesem curricularen Entwicklungsprozess: Anders als andere aus Modellprojekten vorliegende Curricula für eine generalistische Pflegeausbildung basiert die Curriculumentwicklung in dem Forschungsprojekt KraniCH (Kompetenzorientiertes anschlussfähiges Curriculum Hannover) auf einer umfassenden empirischen Forschung, die vorgeschaltet wurde, um darauf aufbauend das KraniCH-Curriculum zu entwickeln. Damit werden die zu entwickelnden Lernsituationen die aktuellen und zukünftigen Anforderungen der vielfältigen Tätigkeitsfelder der Pflegepraxis im Curriculum widerspiegeln. Zur Förderung der erfolgreichen und dauerhaften Implementation des späteren Curriculums werden die Lehrenden in den Forschungsprozess integriert und sind selbst als Forscher/-innen tätig. Damit sind sie zugleich Gestalter und Nutzer des zu entwickelnden Curriculums.


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