Beschaffung gebrauchstauglicher Medizinprodukte

© spotmatikphoto/fotolia

Ergonomisch unzureichend gestaltete Medizinprodukte beeinträchtigen die Qualität und Sicherheit medizinischer Arbeitsabläufe. Sie führen zu einer reduzierten Versorgungsleistung und verursachen zusätzliche Kosten im Gesundheitswesen. Für Mitarbeiter ist der Umgang mit ergonomisch schlecht gestalteten Medizinprodukten mit erhöhten physischen oder psychischen Belastungen verbunden. Da diese Geräte meist über viele Jahre eingesetzt werden, liegen latente Fehlbelastungen vor, die zu einer Beeinträchtigung der Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten führen.

In einem Verbundforschungsprojekt der FH Münster, der TU Berlin und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) werden die Beschaffungsprozesse in verschiedenen Einrichtungen des Gesundheitswesens analysiert. Ziel der Untersuchung ist es, ein "Best-Practice" Vorgehen abzuleiten und methodische Hilfsmittel zum Beurteilen der Ergonomie von Medizinprodukten zu entwickeln, mit dem Anwender zukünftig die Ergonomie von Medizinprodukten bei Probestellungen in ihrem Betrieb ermitteln können.

Förderung von Mobilität und bürgerschaftlichen Engagement durch ein Integriertes Sturzmanagement-System

© Ingo Bartussek/fotolia

Derzeitige Systeme zum Sturzmanagement basieren überwiegend auf Lage- und Beschleunigungssensoren, die von der überwachten Person zum Beispiel am Handgelenk oder an der Hüfte getragen werden. Nachteil dieses Konzeptes ist es, dass ein langsames nach unten Gleiten nicht zuverlässig (falsch negativ) und gewolltes Bücken oder Knien fälschlicherweise als Sturz (falsch positiv) erkannt werden kann.

Innerhalb des Forschungsprojektes "Sturzmanagement" wird ein integriertes Konzept zum Sturzmanagement von sturzgefährdeten, zum Beispiel Rollator-gebundenen Personen, entwickelt, das ein neuartiges Erkennungssystem einsetzt. Dieses Erkennungssystem überwacht die Person sowohl in der häuslichen Umgebung als auch außer Haus und versucht im Fall einer Sturzdetektion erst, mit der betreffenden Person Kontakt aufzunehmen, bevor Hilfe gerufen wird. Um die Forderung nach einer Förderung des bürgerschaftlichen Engagements aufzugreifen, soll der nachfolgende Hilferuf nicht resp. nicht ausschließlich an eine angeschlossene Notrufleitstelle erfolgen, sondern an Personen in der Nachbarschaft, die mit der sturzgefährdeten Person in einem guten sozialen Netzwerk verbunden sind.

Entwicklung eines Prototyps zur Erkennung von Paravasaten in der Infusionstherapie

© pingpao/fotolia

Während der intensivmedizinischen Behandlung müssen hochwirksame Medikamente als Infusion in den venösen Blutkreislauf von Patienten verabreicht werden. Dabei kann es vorkommen, dass sich der Venenkatheter außerhalb des Blutgefäßes befindet und die Infusionslösung in das umliegende Gewebe gefördert wird. Es entsteht ein Paravasat.

Paravasate kommen in bis zu 6% aller Infusionsbehandlungen vor; bei Frühgeborenen treten sie sogar in bis zu 78% aller Behandlungen auf. Als Folgen können schwere Schäden wie Nervenstörungen, Nekrosen und Blutvergiftungen entstehen. Besonders kritisch sind Paravasate von Chemotherapeutika und Infusionslösungen zur parenteralen Ernährung.

Aktuell ist es nicht möglich die Entstehung von Paravasaten technisch zu verhindern. Um festzustellen, ob der Katheter in der Vene liegt wird ein Messverfahren basierend auf der hydroakustischen Impedanzmessung entwickelt und getestet. Damit werden die mechanischen Eigenschaften, die sich zwischen Vene und Gewebe deutlich unterscheiden, am venösen Zugang gemessen. Ziel des Forschungsvorhabens ist die Entwicklung eines Gerätes, welches die Entstehung frühzeitig erkennt und den Patienten schützt.

Assistenzsysteme für Demenzpatienten

© Ocskay Bence/fotolia

In Deutschland sind derzeit 1.5 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Demenzpatienten voraussichtlich bis auf ca. 3 Millionen ansteigen.

Die degenerative Veränderung des Gehirns führt bei den Betroffenen zum Hauptsymptom der kognitiven Störung und zu Veränderung der Persönlichkeit und des Verhaltens, begleitet von Akathisie, depressiven Episoden und Desorientiertheit. Daraus folgt eine unzureichende soziale und häusliche Bewältigung von Alltagsaufgaben, die wiederum Beschämung und aggressives Verhalten auslösen kann. Dies belastet sowohl die Patienten, als auch die Pflegenden und Angehörigen schwer.

In diesem Projekt werden auf Basis einer Bedarfs- und Anforderungsanalyse (requirement engineering) mittels benutzerdefinierter Produktentwicklung kontextsensitive Assistenzsysteme für Demenzkranke exemplarisch entwickelt und hinsichtlich des klinischen Nutzens evaluiert. Die entwickelte Medizintechnik soll den Patienten ein möglichst selbstbestimmtes Handeln ermöglichen und die Lebensqualität nachhaltig verbessern.

Seite drucken