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Prof. Dr. Michael Wasserman kommt aus den USA und unterrichtet seit Dezember 2017 an der Münster School of Business (MSB) Internationales Management. (Fotos: FH Münster/Susanne Lüdeling)

Prof. Wasserman, warum sind Sie ausgewandert?

Meine Frau Sandra Fisher und ich befanden uns in einer Phase unserer Karriere, in der wir an einigen neuen Herausforderungen interessiert waren. Wir waren 15 Jahre lang Professoren an unserer vorherigen Universität, der Clarkson University. Aus der Perspektive des Managements finde ich Veränderungen sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisationen gut. Wir haben uns also entschieden, es so zu machen, wie wir es lehren und eine große Veränderung vorzunehmen: Ich bin nun als Professor für Internationales Management an der MSB aktiv und meine Frau als Senior Research Fellow für internationales Personalmanagement und Technologiemanagement.

Die Entscheidung nach Deutschland zu gehen, war für Menschen, die uns gut kennen, keine große Überraschung. Meine Frau und ich hatten etwa sieben Sommer lang in Konstanz unterrichtet, bevor wir nach Münster zogen. Deshalb wussten wir mehr über Deutschland und das deutsche Bildungssystem als die meisten US-Amerikaner. Meine Frau spricht Deutsch (ich lerne immer noch) und sie hat während ihres Bachelor-Studiums einen Semesteraustausch in Reutlingen gemacht.

Die Bildungs-, Gesundheits- und politischen Systeme in den USA unterscheiden sehr von denen in Deutschland. Die deutsche Herangehensweise an Umwelt, Bildung, Gesundheitsfürsorge und die Rolle von Gemeinschaft und Regierung ist zwar nicht perfekt, aber sehr verschieden von der der USA. Auch die deutsche Herangehensweise ist viel stärker auf unsere persönlichen Werte ausgerichtet.

Warum wollten Sie gerne an der FH Münster lehren?

Ich denke, dass das Lehren in den internationalen Studiengängen an der FH Münster, die mit einem Doppelabschluss in Münster und an der Partnerhochschule im Ausland beendet werden, gut zu mir passen. Die Hochschule hat die Richtung Internationalisierung und Innovation vorgegeben und das sind zwei Bildungsthemen und -werte, die mir wichtig sind und bei denen ich mir durch meine Arbeit einen Mehrwert für unsere Hochschule erhoffe.

Prof. Dr. Michael Wasserman betreut eine Gruppenarbeit. (Fotos: FH Münster/Susanne Lüdeling)

Was lehren Sie an der MSB?

Ich unterrichte International Management, Strategic Management und Entrepreneurship für die CALA- und EBP-Studierenden aus den internationalen BWL-Studiengängen und Intercultural Management im Masterprogramm International Marketing and Sales. Ich lehre auch einen Teil des Moduls International New Ventures, das für BWL-, CALA- und EBP-Studierende offen ist. Ab dem kommenden Wintersemester werde ich auch Innovation in unserem neuen Masterstudiengang Digital Business und Innovation Management unterrichten.




Welche Praxiserfahrungen bringen Sie mit, von denen die Studierenden in den Vorlesungen besonders profitieren?

Zu Beginn meiner Karriere war ich Betriebsleiter, wo ich in einer öffentlich-privaten Partnerschaft mit Menschen aus unterschiedlichen sozioökonomischen Hintergründen aus der ganzen Welt zusammenarbeitete. So lernte ich schon früh die Notwendigkeit des Interkulturellen Managements und die Bedeutung von Grenzgängern kennen. Ich war an mehreren Startups als Berater und Gründer beteiligt und ich habe viele Beratungen in verschiedenen Produktions- und Dienstleistungsbranchen durchgeführt. Das heißt, ich habe viele verschiedene Perspektiven zum Management von Menschen, Projekten, Technologien und Innovationen kennengelernt. Ich versuche, eine Vielzahl von diesen Perspektiven in meine Lehre einzubringen, damit die Studierenden lernen, Probleme vielfältig und offen zu betrachten und zu lösen. So können sie sowohl Theorie und Forschung als auch die Praxis in ihr Handwerkszeug integrieren und sind gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, wenn sie von der FH Münster zum nächsten Kapitel ihrer Karriere übergehen.

Gibt es noch Kontakt zu Ihren Universitäten in den Staaten, wo Sie früher unterrichtet haben (Clarkson University oder zur George Mason University)?

Natürlich. Meine Freunde sind mir wichtig und ich finde immer noch Wege, mit Kollegen und ehemaligen Studierenden aus allen Kapiteln meines Lebens in Kontakt zu bleiben, zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Aber mein Schwerpunkt liegt jetzt auf Münster und hier ist der größte Teil meiner Energie gebündelt.

Was vermissen Sie an den USA, was schätzen Sie an Deutschland?

Ich schätze Deutschland sehr. Das deutsche Gesellschaftssystem stimmt mit meinen Werten überein. Zuerst einmal finde ich es gut, dass Studierende hier keine hohen Gebühren zahlen müssen, um einen qualitativ hochwertigen Bachelor- und Masterabschluss zu erhalten und dass jeder Zugang zur Gesundheitsversorgung hat. Ich schätze auch den Wert, den Deutschland dem Mittelstand beimisst: Hier wird gesehen, dass viele Kleinstädte Arbeitgeber haben, die etwas bewegen, die innovativ sind und im globalen Wettbewerb bestehen und dass diese Unternehmen das wirtschaftliche und soziale Fundament eines soliden Mittelstandes bilden. Auch finde ich die Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeit wichtig. Auch ist mir aufgefallen, dass gutes Essen einen hohen Stellenwert hat. Das finde ich ebenfalls positiv. Aber ich sehe auch die negativen Aspekte des Lebens in Deutschland und mir gefällt sogar, dass die Deutschen selbstkritisch sind. Ihre Kritik reicht von der Deutschen Bahn bis hin dazu, wie die Menschen ihre Fahrräder abstellen. Ein kritischer Blick bedeutet, dass die Menschen wollen, dass die Dinge besser werden!

Viele Leute fragen mich, was ich an den USA vermisse, und neben Familie und Freunden vermisse ich nicht allzu viel. In letzter Zeit vermisse ich Bacon im US-Stil. Ich liebe Speck, aber er ist anders als 'Bacon US-Art', der gepökelt und dann über Hickory oder Apfelholz geräuchert wird. In einer perfekten Welt wäre ich in der Lage, sowohl Speck als auch Bacon nach US-Art zu essen. Jetzt habe ich mir also selbst beigebracht, wie ich meinen eigenen Bacon nach amerikanischer Art herstellen kann. Er ist ziemlich gut. Ich arbeite daran, ihn zu verbessern.

Seit September 2018 betreiben Sie mit Ihrem Freund Bela Musits den Podcast "The Unconventional Path: Entrepreneurship and Innovation Stories and Ideas With Bela and Mike". Warum ist es Ihnen wichtig, einen Podcast zu machen?

Nun, ich dachte zuerst, der Podcast sei eine schlechte Idee, aber mein Freund aus den USA hat mich dazu überredet, kurz bevor ich nach Deutschland zog. Es hat wirklich Spaß gemacht und ich habe viel von den Gästen gelernt, die wir interviewt haben. Es ist toll, auf diese Weise zu lernen und mit einigen Personen aus meinem Netzwerk in den USA in Verbindung zu bleiben. Mein Freund Bela, der mit mir den Podcast macht, war ein Erfinder und erfolgreicher Unternehmer, ein Risikokapitalgeber, der Direktor eines Start-up-Inkubators, ein Professor und ein Universitätspräsident (und ein unglaublich netter Mensch)! Ich lerne also viel von ihm. Zuhörer schreiben sich ein und stellen interessante Fragen. Wir haben fast 100 Episoden gemacht, aber ich denke, wir werden den aktuellen Podcast bald stoppen und uns neuen Herausforderungen widmen.

Fühlen Sie sich als Amerikaner oder als Weltbürger?

Als ich zum ersten Mal nach Münster zog, fühlte ich mich definitiv wie ein Amerikaner, der in Deutschland lebt - ein totaler Außenseiter. Jetzt fühle ich mich irgendwie als 'Ami-Deutscher'. Ich meine, ich habe keine Angst mehr vor dem Ordnungsamt. Ich habe Sülze langsam liebgewonnen. Ich kann Roggenbrot und Vollkornbrot unterscheiden. Ich kenne definitiv den Unterschied zwischen einem Alt und einem Kölsch. Ich fange also an, das Gefühl zu haben, dass ich hier mit beiden Beinen auf dem Boden stehe. Mir ist klar, dass ich nie ganz Deutscher sein werde, aber ich habe vor, hier zu bleiben und ich fühle mich eher wie ein Adoptivkind als nur wie ein besuchender Verwandter.

Unterscheiden sich die deutschen und amerikanischen Studierenden in ihrer Mentalität?

In gewisser Weise ja, und in gewisser Weise nein. Deutsche Studierende sind etwas selbstmotivierter und strukturierter in ihrer Denkweise und Herangehensweise an Referate und Präsentationen als US-Studierende. Ich denke, das liegt daran, dass amerikanische und deutsche Studenten vor dem Studium unterschiedlich ausgebildet werden. Insgesamt gefällt mir die Herausforderung als Professor, Lernerfahrungen so zu gestalten, dass alle Studierenden die Möglichkeit haben, nicht nur Fakten und Theorie zu lernen, sondern auch, wie man sich der Welt nähert, Veränderungen annimmt und Probleme kreativ löst.

Was schätzen Sie am deutschen Bildungssystem?

Mir gefällt die Tatsache, dass die Studierenden keine Zehntausende von Euro an Semestergebühren zahlen müssen. Diejenigen, die lernen wollen, müssen sich nur auf ihre Ausbildung konzentrieren. Sie können eine Hochschule und ein Studienprogramm wählen, das ihren Interessen entspricht. Die Finanzen fallen nicht so ins Gewicht wie in den USA. Es gibt auch Nachteile des deutschen Ansatzes: Man unterrichtet größere Gruppen, es gibt eine höhere Lehrbelastungen für Professoren und weniger schicke Räumlichkeiten - aber darauf kommt es nicht an. Denn Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Studierende in Deutschland können daran teilhaben, egal welchen sozialen Status sie haben. Für mich ist das wirklich wichtig. Denn meine Verwandten, die in den 1800er Jahren aus Deutschland in die USA auswanderten, nutzten damals die universelle und preiswerte Bildung, die in den USA im 20. Jahrhundert existierte. Ich bin der erste in meiner Familie mit einem Doktortitel und jetzt bin ich froh, zu einem Bildungssystem zurückzukehren, das alle Deutschen aufnimmt und ausbildet.

Möchten Sie irgendwann zurück in die USA gehen?

Ich habe vor, für den Rest meines Lebens in Deutschland zu bleiben. Ich werde jedes Jahr in die USA zurückkehren, um meine Familie und Freunde zu besuchen. Aber wenn sich das Leben hier in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten nicht radikal ändert, werden Sie mich wahrscheinlich in etwa 25 Jahren nach meiner Pensionierung am Aasee auf einer Bank sitzen, ein Bier trinken und ein belegtes Brot essen sehen.

Ihre Frau und Sie leben in Münster: Wobei können Sie sich am besten entspannen?

Meine Frau und ich leben sehr gerne in Münster. Wir haben eine sehr schöne Wohnung in der Nähe des Schloßtheaters. Wir kochen und essen gerne, wir lieben es spazieren zu gehen und mit dem Fahrrad zu fahren. Normalerweise reisen wir auch sehr gerne, daher freuen wir uns darauf, unsere Reisen durch Deutschland, Europa und den Rest der Welt hoffentlich bald fortsetzen zu können.



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