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Prof. Dr. Reiner Kurzhals (Mitte) beim Podcast ESKALIERT mit Simon Janssen (r.) und Daniel Schlemermeyer (l.) von münsterLAND.digital. (Foto: Podcast ESKALIERT)

"Das, was viele wollen, wollte ich nicht. Deshalb habe ich Statistik studiert. Mathe war schon immer mein Ding", berichtet Prof. Dr. Reiner Kurzhals vom Fachbereich Wirtschaft der FH Münster, der Münster School of Business (MSB), im Podcast ESKALIERT. Interviewt hatten ihn Simon Janssen und Daniel Schlemermeyer vom Verein münsterLAND.digital. Der MSB-Alumnus Schlemermeyer kennt Kurzhals bereits von früher, denn er saß als Student schon bei dem Statistikprofessor in der Vorlesung.

Zunächst erzählte Kurzhals von den verschiedenen Stationen in seinem Leben, die ihn geprägt haben: Für ihn war immer klar, er will Statistik studieren. "Ich war schon als Kind ein Zahlenmensch und habe alle quadratischen Steine auf dem Schulweg gezählt und Ähnliches." Er landet an der TU Dortmund, die das Fach als eine von zwei Hochschulen in Deutschland anbot. Dort erkämpft er sich ein DAAD-Stipendium. "Ich hatte zwar nicht die beste Note, aber ich war der Bewerber, der es am meisten wollte, hat mein Professor gesagt, und somit habe ich die Zusage bekommen." Er ging an die Iowa State University, wo er erfolgreich einen Master in Statistik erwarb. Nachdem er zunächst in den USA bei der Hoechst AG (heute: Sanofi-Aventis) eine Anstellung gefunden hatte, schickte man ihn nach Deutschland zurück - zur Zentrale der Hoechst AG in Frankfurt, wo er als Bio-Statistiker arbeitete, und die Digitalisierung live erlebte: "Lochkarten gingen, Großrechner, das Internet und E-Mails kamen, die Statistik-Software SAS eroberte den Markt", erinnert er sich zurück.

Kurzhals bleibt sechs Jahre bei der Hoechst AG und promovierte parallel als externer Doktorand 1994 über das Hoechst-Förderungsprogramm. "Aber ich brauchte mehr Freiheitsgrade, das Unternehmen war toll, aber ich hatte das Gefühl, morgens verschluckt mich die Firma und abends spuckt sie mich wieder aus." Er fing anschließend als Strategy Consultant bei Roland Berger an. Dann wurde sein bester Freund und Mentor Professor und das beeinflusste ihn nachhaltig: "Auch meine Brüder nannten mich früher schon immer den Professor", blickt Kurzhals schmunzelnd zurück. Es folgten die ersten Lehrerfahrungen an der FH Gelsenkirchen und schließlich 2006 der Ruf an die FH Münster für das Fachgebiet Statistik und Quantitative Methoden. "All das Wissen und die Erfahrungen, die ich in diesen Jahren gesammelt habe, bildeten den Grundstein, erst für meine Lehre, und später auch für die zwei Start-up-Unternehmen, die ich aufgebaut habe", so Kurzhals.

Zunächst gründete er 2010 zusammen mit den FH-Absolventen Sebastian Hanhues, Dominic Woste und Daniel Hagemeier das Unternehmen 4tree, welches für große Supermärkte wie Real, oder Target große Datenmengen analysierte und daraus beispielsweise Sortimentsanalysen ableitete. Kurzhals: "Ich habe schon immer gerne innovative Sachen ausprobiert. Etwas Neues aufbauen zu wollen, ist wohl die Grundeigenschaft jedes Gründers." Und seine Idee funktioniert: Das Start-up-Unternehmen verkaufte Kurzhals 2015 sehr erfolgreich an die Unternehmensberatung McKinsey. "Meine Studierenden wollten wissen, ob ich mir dann einen Porsche kaufen würde, wie üblich bei den Startup-Verkäufern. Ich habe ich mir dann aber keinen Sportwagen, sondern einen Ledersattel für mein Fahrrad gekauft, der fehlte mir noch." Dass er sich mit seiner Frau und seinen Kindern wohlfühle, sei ihm viel wichtiger als Geld.

Aber der Drang, wieder etwas Neues zu probieren, bleibt: 2017 Kurzhals gründete zusammen mit FH-Promovend Cornelius Brosche und Felix Fiege von Fiege Logistik, der gleichzeitig auch als Investor einstieg, das Westphalia DataLab (WDL). Das Unternehmen analysiert Daten und entwickelt daraus automatisierte Produkte für die Kunden. "Dabei wird aus einem Projekt ein Produkt, was in die Cloud gestellt wird, dort kann jeder es nutzen, und dort wird es auch aktualisiert", erklärt der Statistikprofessor. Das nenne man dann ein skalierbares Produkt. "Weil das Produkt eine Software ist, nennen wir den Bereich Software-as-a-Service. Das WDL ist dabei der Kern, Ausgangspunkt und Antrieb für unsere Mission, die Vorteile von Künstlicher Intelligenz für jeden zugänglich zu machen." Seine Vision: "Ich möchte in Münster einen Technologiestandort etablieren, der sich mit allen anderen auf der Welt messen lässt." Mittlerweile hat sein Unternehmen 60 Mitarbeiter. Zudem ist das WDL 2019 unter 300 Machine-Learning-Anbietern in Europa vom Center Smart Services der RWTH Aachen als bestes Unternehmen ausgezeichnet worden.

Über diese Entwicklungen freut Gründervater Kurzhals sich: "Wir haben neue Mitarbeiter im Marketing und Vertrieb eingestellt - bei uns arbeiten auch mehr als 30 Absolventen der FH Münster." Auch der große Inverstor FIEGE Logistik ist zufrieden. Gerade ist REMONDIS beim WDL als Gesellschafter mit eingestiegen. Kurzhals: "Es werden noch weitere westfälische Familienunternehmen einsteigen, Gespräche laufen gerade." Allerdings habe das Unternehmen durch die Situation mit Corona auch mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. "Aber wir arbeiten bereits wieder mit großer Datenleidenschaft an neuen Zielen. Ich darf nicht zu viel verraten, aber bald wollen wir ein medizinisches Produkt zulassen, was ausschließlich auf einem Algorithmus basiert", berichtet der Gründer. Der Weltmarktführer Novartis ist hier der Kooperationspartner.

Als Professor an der MSB versteht er sich auch als Bindeglied zwischen der Hochschule und seinem Unternehmen. Deshalb freut er sich auch sehr, dass das Präsidium der FH Münster im Beirat des WDLs vertreten ist. Nebenbei ist Kurzhals auch noch Familienvater und hat vier Kinder. Sein Rezept, wie man das alles auf einmal schafft: "Leidenschaft und viel Fleiß!"

Prof. Dr. Reiner Kurzhals im Hörsaal. (Foto: FH Münster/ Robert Rieger)


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